Raddampfer in Lauenburg : Der „Kaiser“ ist wieder auf der Elbe

Der Raddampfer Kaiser Wilhelm kann wie in seinem Entstehungsjahr nur durch Dampf angetrieben werden.
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Der Raddampfer Kaiser Wilhelm kann wie in seinem Entstehungsjahr nur durch Dampf angetrieben werden.

Der „Kaiser Wilhelm“, einer der bedeutendsten erhaltenen Raddampfer, wurde frisch saniert und ist wieder fahrbereit

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24. Juni 2015, 12:00 Uhr

Der „Kaiser Wilhelm“, 1900 gebaut, zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Raddampfern in Deutschland. Nach 114 Betriebsjahren waren jedoch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich, um das Denkmal der Schiffbautradition fahrtüchtig zu halten.

„Der ganze Aufwand hier wurde allein durch ehrenamtliches Engagement geschafft“, sagte Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede bei der Präsentation des frisch sanierten Dampfers vor den Medienvertretern. „Angefangen beim Einwerben von Fördermitteln bis zum Umbau. Das hat den „Kaiser“ gerettet, dafür sagt die Stadt Lauenburg herzlichen Dank. Der „Kaiser Wilhelm“ ist Lauenburgs Flaggschiff und ein Markenzeichen der Stadt.“

Der Dank gilt dem „Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums“, der das Schiff betreibt und die Sanierung initiiert und durchgeführt hat. 2014 hatte der Förderverein für die Restaurierung 400  000 Euro aus dem Denkmalschutzsonderprogramm IV der Beauftragten für Kultur und Medien bei der Bundesregierung erhalten. Im Frühjahr gab es noch 50  000 Euro von der Metropolregion Hamburg im Rahmen des Leitprojektes „Kurs Elbe. Hamburg bis Wittenberge“, das sich ja die Förderung des Wassertourismus an der Elbe zur Aufgabe gemacht hat. In diesem Kooperationsprojekt arbeitet auch der Landkreis Ludwigslust-Parchim mit, zusammen mit den niedersächsischen Landkreisen Harburg, Lüchow-Dannenberg und Lüneburg, dem schleswig-holsteinischen Kreis Herzogtum Lauenburg, dem brandenburgische Landkreis Prignitz und dem Hamburger Bezirk Bergedorf. Weitere 50  000 Euro stemmte der Verein aus eigenen Mitteln.

„Die Hitzler-Werft hat bei der Überholung der Schiffsmaschinen geholfen und weitere Maschinen für die Restaurierung zur Verfügung gestellt“, erklärte Werner Büker von der Werft während der Präsentation. „Wir finden die Erhaltung der Schiffsbautradition wichtig, deshalb haben wir die Restaurierung des Raddampfers unterstützt. Der „Kaiser Wilhelm“ macht die Region attraktiver.“

Da der Raddampfer als Fahrgastschiff betrieben werden soll, unterliegt er den Vorschriften über die Schiffssicherheit in der Binnenschifffahrt, aber das Schiff steht auch unter Denkmalschutz. Deshalb musste einerseits die originale Bausubstanz restauriert, andererseits der Schiffsbetrieb den heutigen Erfordernissen angepasst werden. Aus Brandschutzgründen wurden in der Kombüse feuerhemmende Materialien verwendet und die Treppe neu aus Stahl mit Holzverkleidung gebaut. Es wurden Fäkalientanks eingebaut, um Abwasser an Land zu entsorgen. Die originale Dampfmaschine mit dem kohlegefeuerten Dampfkessel blieb unverändert, das Stromkonzept musste dem heutigen Verbrauch angepasst werden. Die Grundlast wird wie früher über einen angehängten Wellengenerator und einen historischen Dampfmotor mittels Pufferbatterien sichergestellt. Da diese Leistung aufgrund neu installierter Technik nicht mehr reicht, wurde zusätzlich für die Spitzenlast ein gekapselter Hilfsdiesel installiert. „Wir haben zwar Strom nachgerüstet“, sagte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Wilhelm Bischoff, „aber das Schiff ist auch wie ursprünglich fahrbereit ohne Strom.“

Das kann der „Kaiser“ im Sommer beweisen, wenn er zur großen Fahrt nach Dresden aufbricht. Unterwegs legt er zur 800-Jahr-Feier der Stadt Roßlau an. Unter den Raddampfer-Freunden in ganz Europa hat sich dieses Projekt sofort herumgesprochen. Die Fahrt von Dresden nach Lauenburg ist ausverkauft, Fans aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Österreich, Norwegen, Spanien und Tschechien freuen sich auf die 7-tägige Tour, die am 4. September in Dresden startet und am 10.9. Lauenburg erreicht.

Für die „Bergfahrt“ nach Dresden vom 25.8. bis 3.9. gibt es noch freie Plätze. Start ist am 25.  August mit einer festlichen Auslaufparade in Lauenburg. „Die Idee für die Reise nach Dresden entstand vor zwei Jahren, als der Verein in einer Krise steckte“, erzählt der Vereinsvorsitzende Markus Reich. „Wir brauchten ein Ziel. Da habe ich gesagt: Lasst uns mit dem Raddampfer nach Dresden fahren. Mit einem fertigen Schiff.“ Tagestouristen können auf beiden Strecken noch mitfahren.

Anmeldungen sind unter dresden@raddampfer-kaiser-wilhelm.de möglich.

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