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Lokales

24. November 2017 | 12:32 Uhr

Der Holocaust sauber abgeheftet

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erstellt am 14.Jan.2011 | 09:44 Uhr

Wittenberge | Die akribische Genauigkeit, mit der die seinerzeit mit der Organisation und Durchführung des Holocaust beauftragten Beamten ihre Arbeit in Millionen von Akten und Schriftstücken dokumentierten, legt noch heute eindrucksvoll Zeugnis vom wohl größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte ab. Allerdings bieten die vielen erhaltenen Dokumente den nachfolgenden Generationen die Möglichkeit, sich intensiv mit diesem Teil der deutschen - und brandenburgischen - Geschichte auseinander zu setzen.

Unter dem Titel "Aktenkundig: Jude! - Nationalsozialistische Judenverfolgung in Brandenburg" eröffnet heute im Stadtmuseum Alte Burg eine Ausstellung des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, die anhand historischer Dokumente neben der historischen Darstellung der Judenverfolgung in Brandenburg auch die politische, rechtliche und moralischen Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels zeigt.

Zu jedem Schritt, mit dem die Nationalsozialisten der "Endlösung der Judenfrage" näher kamen, bietet die Ausstellung Quellenmaterial. Verordnungen und Schilder zeugen von der anfänglichen Ausgrenzung, Ausreiseanträge stehen beispielhaft für den Versuch, der Maschinerie zu entkommen.

"Besonders wichtig in diesem Kontext sind Eigentumslisten, sind sie doch zumeist die letzten, amtlichen Dokumente, die Juden vor ihrer Deportation zu unterschreiben hatten", erklärt Kärstin Weirauch vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv. Eine besondere Rolle spielen dabei Dokumente der Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg, der die Erfassung des Vermögens enteigneter Juden oblag. "Anhand originaler Karteikarten - sogar ein Karteischrank aus der Vermögensverwertungsstelle ist zu sehen - macht die Ausstellung den Holocaust in Brandenburg anhand zahlreicher Einzelschicksale greifbar", so Weirauch.

Ergänzt wird die Ausstellung, an deren Ausarbeitung auch Schülergruppen aus Potsdam und Neuruppin beteiligt waren, um Dokumente aus dem Stadtarchiv wie Personenbestandsbücher, Geburts- und Heiratsurkunden und Bilder. Außerdem gibt es eine Broschüre mit Informationen zu hiesigen jüdischen Familien, die Wittenberger Gymnasiasten und Oberschüler im Rahmen des Projektes "Stolpersteine" erarbeitet haben. "Namen wie Levy, Schlesinger und Kaiser gehören zur Geschichte der Stadt dazu und dürfen deswegen in der Ausstellung nicht fehlen", so Susanne Flügge vom Stadtarchiv.

An die Ausstellungseröffnung um 14 Uhr, die von traditioneller jüdischer Klezmermusik begleitet wird, schließt sich um 15.30 Uhr ein Vortrag von Dr. Monika Nakath, Abteilungsleiterin des brandenburgischen Landeshauptarchivs und Kuratorin der Ausstellung, an. Sie wird über jüdische Opfer der Verfolgungs- und Vernichtungs politik im Spiegel archivarischer Quellen referieren und Fragen zur Ausstellung beantworten.

Die Schau ist bis zum 27. Februar zu den Öffnungszeiten des Museums von Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.


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