Der freie Blick in die weite Landschaft

Ruhe zum Arbeiten, Weite zum Schauen, das haben Andreas und Kaja Rodius in der Prignitz gefunden. Sie sind auch innerlich angekommen.
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Ruhe zum Arbeiten, Weite zum Schauen, das haben Andreas und Kaja Rodius in der Prignitz gefunden. Sie sind auch innerlich angekommen.

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06. Mai 2011, 05:38 Uhr

Reetz | Kaja Rodius und ihr Mann Andreas sind vor zwei Jahren in die Prignitz gekommen. Sie haben dem Schwarzwald den Rücken gekehrt auf der Suche nach Weite, nach der Chance, die Blicke ungehindert schweifen zu lassen. So sagen sie es.

Kaja Rodius ist frei schaffende Künstlerin. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie hier im Ländchen vollzogen, mit Hilfe des brandenburgischen Gründerlotsendienstes. Ihr Gatte hat sich dem geistigen Heilen verschrieben, sagt, das sei der Weg zur Einheit von Körper, Geist und Seele.Beide sind sich nach 24 Monaten des Hierseins darin einig: "In der Prignitz läuft es einfach gut für uns."

Euphorisch klingen diese Worte nicht, eher nüchtern, fast selbstverständlich. Auch ein bisschen Erstaunen schwingt mit, dass eingetroffen ist, was sie sich von der neuen Heimat erhofft haben. Der Schwarzwald sei dunkel. Der Blick stößt schnell an Berge, alles sei enger, eingefahrener, die Gegend dicht besiedelt, blickt Kaja Rodius zurück. Sie und ihr Mann wollten Weite, sich auch neu ausprobieren, suchten einen Bauernhof, auf dem auch ihre vier Pferde genügend Platz haben. Per Annonce haben sie das Prignitzdorf Reetz gefunden, in dem Andreas Rodius als klassischer Heiler, wie er sich nennt, tätig sein kann und sie ungestört arbeitet. "Ich brauche die Ruhe, muss mich zurückziehen können", sagt sie.

Über Jahre hat Kaja Rodius in einer Druckerei, in der so genannten Vorstufe die elektronische Bildbearbeitung verantwortet, war aber auch schon als Werbefotografin unterwegs. "Produktfotografie hat mich da besonders interessiert." Professionen, die Handwerkliches mit Kreativität verbinden. Damit sei es dann eigentlich gar kein so großer Schritt mehr gewesen, ganz ins künstlerische Fach zu wechseln, sagt die sympathische Schwarzwälderin.

Für ihre Kunst muss Kaja Rodius mit der Kamera unterwegs sein. Besonders die Makrofotografie liegt ihr. Einige der Motive wie beispielsweise der tiefe Blick in ein Insektenauge, erfahren nach der Aufnahme keine Veränderung mehr. Andere Bilder hingegen verfremdet sie bis zur Unkenntlichkeit. Es entstehen wundersam phantasievolle, meist sehr farbenprächtige Werke auf Papier oder Fotoleinen. Sie sind Raumschmuck, ziehen die Blicke immer wieder auf sich. Der Betrachter versucht zu enträtseln, was er vor sich hat, beginnt Formen und Farben zu interpretieren.

Wer Bilder von Kaja Rodius sehen möchte, muss nicht zu ihrem etwas abgelegenen Zuhause, einem ehemaligen Bauernhof bei Reetz fahren. Hier stehen ihre Computer und auch die hochwertige Drucktechnik, "denn auf Qualität lege ich höchsten Wert".

Deshalb ist ein Werk auch längst nicht fertig, wenn es auf dem Computerbildschirm den Ansprüchen der Künstlerin genügt. "Es zählt nur, was aus dem Drucker kommt." Kaja Rodius arbeitet in kleinen Serien. Jedes Stück wird zertifiziert. Einzelstücke entstehen meist als Auftragsarbeit vor allem für Firmen. Ihre Arbeiten findet man aber auch im Internet.

Soziale Netzwerke würden für Kontaktaufnahmen immer wichtiger, sagt ihr Mann Andreas. Deshalb ist es für die beiden auch kein Problem, in der Prignitz, die ja nicht gerade der Nabel der Kunstwelt ist, zu leben und zu arbeiten. Was allerdings nicht ausschließt, dass Kaja Rodius sich auch über Möglichkeiten freut, hier ihre Kunst zeigen zu können einschließlich der Chance, potenzielle Käufer zu finden. Das Technologie- und Gewerbezentrum hat der Neu-Prignitzerin diese Chance eingeräumt.

"Es hat uns erstaunt, wie uns die Leute entgegengekommen sind. Wie aufgeschlossen sie sind, wenn es um Neues geht", betont das Ehepaar mehrfach.

Diese Erfahrung habe sie auch schon gemacht, sagt Kaja Rodius, als der Lotsendienst ihr auf dem Weg in die Selbstständigkeit half. "Es wird nicht gesagt, was nicht geht. Es werden Lösungen gesucht", schildern die beiden ihre Erfahrungen mit den Menschen hier im Ländchen.

Und sie stünden damit nicht alleine da. Freunde, die in die Nähe von Perleberg gezogen sind, würden es ebenso sehen. "Es läuft eben gut für uns in der Prignitz."

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