Der Drang, sich ausdrücken zu müssen

Intensive, leuchtende Farben sind ein Markenzeichen von Rainer Stuchliks Bildern. Hier: 'Moschee vor spanischem Kastell', entstanden bei einer seiner vielen Reisen.privat
Intensive, leuchtende Farben sind ein Markenzeichen von Rainer Stuchliks Bildern. Hier: "Moschee vor spanischem Kastell", entstanden bei einer seiner vielen Reisen.privat

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24. Juli 2010, 01:57 Uhr

Bolz | Intensive Farben springen aus dem Bild, Menschen tummeln sich auf einem Platz unter Palmen. "Moschee vor spanischem Kastell" heißt das Aquarell, das der Maler Rainer Stuchlik (1929 - 2006) während einer seiner vielen Reisen um die Welt im Süden Spaniens schuf. Die Sommergalerie Stuchlik in Bolz, Birkenstraße 1, zeigt es mit anderen in der Ausstellung "Spanische Impressionen".

Ja, so war er, berichtet Dagmar Stuchlik, die einem Wunsch ihres Mannes folgend die Sommergalerie auch nach seinem Ableben öffnet. "Er saß auf einem Platz mitten zwischen den Menschen." Jahr für Jahr zog es den Maler in die Ferne; eine Vielzahl von Skizzen und Aquarellen entstand. Dieses Mal hat Dagmar Stuchlik Spanien als Thema der Ausstellung gewählt. Zu sehen sind Menschen, Landschaften, Szenen aus spanischen Städten. Bis nach Marokko habe es ihren Mann in jenem Jahr gezogen. "Er rief an und sagte: ,Ich sehe Afrika", erinnert sie sich. Dann die Frage: Soll er weiter? Er sei gebannt gewesen von der Lebensart auf der Iberischen Halbinsel, der Vermischung von Kulturen und Religionen. "Die Flamencotänzer haben ihn unglaublich fasziniert", so Dagmar Stuchlik. Ein Skizzenbuch gibt Einblicke, wie sich der Maler immer wieder an den schwingenden Bewegungen versuchte.

Rainer Stuchlik stammt aus Arnau (heute Tschechien). Nach einer Lehre als Lithograf und einem Studium der Grafik und Buchkunst arbeitete er ab 1961 als Zirkelleiter im Chemiefaserwerk Premnitz (Brandenburg). Mitte der 1970er-Jahre zog es ihn nach Mecklenburg; seit 1977 bewohnt die Familie sommers das Haus in Bolz - am Ende eines Sandweges mitten in der Natur. Er sei ein "kleiner zarter Mensch" gewesen, sagt seine Frau. Dagmar Stuchlik, frühere TV-Journalistin, hat einen Film über ihren Mann gedreht. Dieser zeigt einen zerbrechlichen Mann. Stehend oder knieend bearbeitet er die Leinwand von oben, mal mit sanften, mal hektischen Bewegungen. Seine rechte Hand zittert, die linke muss helfen. Künstlerische Arbeit sei "sich ausdrücken müssen", erklärt der Maler. Er beschreibt, wie ihn das Motiv von drei sich aneinanderschmiegenden Häusern fasziniert habe - für ihn gleichsam Menschen, "drei Brüder, drei Geschwister". Beim Anblick einer Baumgruppe assoziiert er "Großvater, Jugendliche und Kinder". Nach dem Malen eines Frauen-Porträts blickt er skeptisch auf sein Werk: "Das bist du nicht", sagt er zum Modell.

Er habe stets hohe Ansprüche an seine Werke gestellt, erklärt Dagmar Stuchlik. Immer wieder habe er Ansätze verworfen und von Neuem begonnen. Das gelte auch für Aquarelle des Künstlers aus der näheren Umgebung und von Rügen, die in der unteren Etage der Galerie zu betrachten sind: Mustiner Ansichten, das Fischerdorf Vitt, Sassnitz.

Bei solchen Reisen sei Rainer Stuchlik stets mit seinem "Caddy" unterwegs gewesen, einem Lieferwagen, auf dem er arbeiten, kochen und auch schlafen konnte. "Er musste oft vor dem Wetter fliehen", sagt seine Frau. Bewunderung liegt in ihrer Stimme, wenn sie erklärt: "Er hatte keine Angst", der kleine Mann, der viel krank war und trotzdem allein durch fremde Welten zog. Frankreich, Rumänien, Mexiko, Malta, Norwegen - bei kühlem und heißem Klima. "Auf Sizilien hat er gearbeitet fast wie in Trance." Nach dem Tod Rainer Stuchliks bleiben ungezählte Werke - "sehr expressiv, intensiv", das sei sein Stil gewesen. Zugänglich sonnabends/sonntags von 12 bis 20 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung (0151/14456467). Der Film über den Maler "Und stehe immer nur am Anfang" ist am 31. Juli, 7., 14. und 21. August jeweils um 17 Uhr zu sehen.

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