Bildungsminister für schrittweise Verbeamtung von Junglehrern ab 2012 : Der Beamte als Lockvogel

Bildungsminister Henry Tesch zvs
Bildungsminister Henry Tesch zvs

Bildungsminister Henry Tesch (CDU) will Junglehrer verbeamten, um dem drohenden Lehrermangel in Mecklenburg-Vorpommern zu begegnen - und handelt sich prompt Belehrungen vom Koalitionspartner SPD ein.

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20. Dezember 2010, 08:02 Uhr

Schwerin | Bildungsminister Henry Tesch (CDU) will Junglehrer verbeamten, um dem drohenden Lehrermangel im Land zu begegnen - und handelt sich prompt Belehrungen vom Koalitionspartner SPD ein. Sowohl Finanzministerin Heike Polzin als auch der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Mathias Brodkorb, warnen vor einer wachsenden Ungleichbehandlung innerhalb der Lehrerschaft.

Henry Tesch hatte seinen Vorschlag damit begründet, dass Mecklenburg-Vorpommern beim Werben um Lehrernachwuchs gegen andere Bundesländer verliere, wenn es den Beamtenstatus nicht anbieten könne. "Das ist keine ideologische Frage, sondern eine Frage des Wettbewerbs", betonte er und verwies darauf, dass bereits zwölf von 16 Bundesländern neue Lehrkräfte als Beamte einstellen. Neben Mecklenburg-Vorpommern verzichten darauf nur noch Sachsen, Berlin und Thüringen. In seiner Lehrerbedarfsplanung hatte das Ministerium ermittelt, dass der Schuldienst spätestens ab 2014/15 jährlich zwischen 300 und 400 junge Lehrerinnen und Lehrer braucht. Um die zu erwartenden Engpässe zu meistern, will der Bildungsminister sein Junglehrerprogramm ausbauen und schrittweise den Beamtenstatus einführen: ab 2012 für Referendare, danach für alle Neueinstellungen.

Der Landesrechnungshof hatte bereits vor wenigen Tagen in seinem Jahresfinanzbericht angeregt, die Verbeamtung von Berufseinsteigern zu diskutieren. Zustimmung bekundete gestern auch Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). Angesichts der demografischen Entwicklung würden von den Unternehmen wettbewerbsfähige Arbeits- und Ausbildungsbedingungen verlangt, um Fachkräfte zu halten und neue zu bekommen. "Das muss dann auch der Maßstab für das Land sein." Wenn die Verbeamtung von Junglehrern bei der Nachwuchssuche eine Rolle spiele, müsse man sich dem stellen.

"Unüblich" nannte hingegen Finanzministerin Heike Polzin (SPD) den Vorstoß ihres Kollegen Tesch. Es gebe dazu weder eine Abstimmung noch einen Beschluss der Landesregierung. Nach Auskunft ihres Sprechers Stephan Bliemel beunruhigen die Ministerin weniger die fiskalischen Auswirkungen der Lehrer-Beamten. Schließlich seien Beamte für den Arbeitgeber günstig, da die Arbeitslosenversicherung entfalle und statt Rentenversicherungsbeiträgen eine Rücklage in den Pensionsfonds des Landes gezahlt werde. Anstoß nimmt Heike Polzin vor allem an der Kluft zwischen langgedienten Lehrern und Neueinsteigern, solange das Lehrerpersonalkonzept zur Arbeitsplatzsicherung einem Teil der Mitarbeiter noch immer Teilzeit-Verträge verordnet. "Vor 2014 kann man aus Sicht der Ministerin gar nicht an eine Verbeamtung denken, weil Beamte grundsätzlich nicht zur Teilzeit verpflichtet werden können", erklärte Stephan Bliemel. Ansonsten ergebe sich an den Schulen eine gravierende Diskrepanz zwischen Vollzeit-Beamten und Teilzeit-Angestellten.

Seine "Bestandslehrer" will Bildungsminister Tesch unterdessen ebenfalls mit verbesserten Arbeitsbedinungen motivieren - zum Beispiel durch eine Verringerung der Unterrichtsverpflichtung für ältere Lehrerinnen und Lehrer. SPD-Bildungspolitiker Mathias Brodkorb kritisierte die Überlegungen als unausgegoren. "Mein Tipp an den Minister: erst ein Konzept erarbeiten, dann damit an die Presse gehen! Der Wahlkampf beginnt nämlich erst in einem halben Jahr, bis dahin ist Sacharbeit gefragt."

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