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Lokales

23. September 2017 | 09:16 Uhr

Denkmalschutz siegt über Investor

vom

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2010 | 09:14 Uhr

Bad Wilsnack | Kurzfristig keine Chancen auf einen zweiten Lebensmittelmarkt in Bad Wilsnack sieht Bürgermeister Dietrich Gappa (CDU). Das jüngste äußerst Erfolg versprechende Vorhaben ist an der unteren Denkmalbehörde gescheitert. Die hat das leerstehende Wohnhaus in der Wittenberger Straße 31 unter Denkmalschutz gestellt. Dieses hätte aber einem Markt weichen müssen.

Ein entsprechendes Schreiben hat die Stadt erreicht und sorgt in mehrfacher Hinsicht für Verwunderung. Einerseits sei das Haus bisher nie unter denkmaltechnischen Gesichtspunkten aufgefallen. Die Einstufung als Einzeldenkmal halte Gappa für fragwürdig. Noch seltsamer: "In dem Schreiben wird mitgeteilt, dass das Gebäude auf Antrag des Eigentümers unter Schutz gestellt wurde. Eigentümer ist die Stadt, und wir haben keinen Antrag gestellt", sagt er.

Vielmehr habe nachweisbar eine Erbengemeinschaft das Verfahren auf den Weg gebracht. Sie ist Eigentümerin des dahinter liegenden Grundstücks, das ebenfalls für den geplanten Supermarkt benötigt wird. Die Gemeinschaft sträube sich gegen einen Verkauf, da sie offenbar einen Abriss des Wohnhauses verhindern möchte. Dieses war einst im Besitz ihrer Familie.

Seit Wochen sind die Verhandlungen zwischen Stadt und Erben ins Stocken geraten. Genau genommen hätten sie noch gar nicht richtig begonnen. Ein Berliner Rechtsanwalt wurde durch den Landkreis Prignitz als Verwalter des Grundstücks eingesetzt, er selbst sei Mitglied der Erbengemeinschaft, solle ihre Interessen vertreten. Doch zu einem Gespräch mit Bürgermeister Gappa kam es bisher nicht.

Erst blieben angekündigte Rückanrufe gänzlich aus, "jetzt sagte der Verwalter kurzfristig zwei vereinbarte Treffen ab", so Gappa. Er habe lediglich angekündigt, einen neuen Termin vorzuschlagen. Gegenüber unserer Zeitung hatte der Anwalt am Telefon jeglichen Kommentar zu den zwei Grundstücken bzw. zu seiner Tätigkeit als eingesetzter Verwalter abgelehnt.

Die Stadt will Widerspruch gegen den Denkmalbescheid einlegen und hofft, dass der Investor an seiner Zusage festhalte. "Ja, das machen wir", sagt Frank Wiechmann, der als Projektentwickler für den Investor das Vorhaben begleitet. "Netto hält ebenfalls an seiner Zusage fest, auch langfristig", so Wiechmann gestern. Deshalb stehe auch der Investor zu seinem Wort, möchte den Discounter errichten sowie Wohnhäuser auf Flächen des hinteren Grundstücks. Die Stadtverordneten hatten bereits einem Verkauf des vorderen Grundstücks mit dem Wohnhaus zugestimmt.

Sollte es zu keiner Einigung mit der Denkmalbehörde und der Erbengemeinschaft kommen, sieht Dietrich Gappa keine realistische Chance auf einen zweiten innerstädtischen Markt. Seit Jahren werde dieser von Einwohnern gewünscht, aber alle bisherigen Versuche waren gescheitert.

Die Begründung für das Einzeldenkmal sei aus Gappas Sicht auf zahlreiche Gebäude in diesem Teil der Stadt zutreffend. "Wenn wir 20 Jahre vorausdenken, könnte hier ein Museumsdorf entstehen, während in der anderen Stadthälfte die Entwicklung zum Kurbad voranschreitet", formuliert er überspitzt.

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