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Lokales

14. Dezember 2017 | 05:33 Uhr

Denkmal sichern statt abreißen

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erstellt am 14.Mai.2010 | 05:07 Uhr

Perleberg | "Hoffmanns Hotel muss erhalten werden." Dafür sprachen sich viele Besucher des Maifestes aus, die Stefan Kunzemann, Sprecher der AG Stadtgestaltung, befragte. Am 18. Januar hatte ein Großbrand das Einzeldenkmal schwer beschädigt. Ein Gutachten zweier Sachverständiger spricht davon, dass es nicht mehr zu retten sei, so der Eigentümer. Die AG teilt diese Auffassung nicht. Über ihre Vorstellungen sprach Doris Ritzka mit Stefan Kunzemann.

Warum dieses Engagement der AG?

Stefan Kunzemann: Wenn wir als Bürgergruppe nicht aktiv werden, dann ist das Haus, das im historischen Gedächtnis der Stadt verankert ist, verloren.

Einzeldenkmal, das heißt, es hat was Besonderes. Was?

Städtebaulich ist das Vorderhaus eher eine schlichte barocke Fassade mit einem wunderschönen Mandaladach und einer Fledermausgaube. Das Haus liegt aber genau in der Blickachse zur Parchimer Straße und begrenzt die kleine Mauerstraße. Würde es abgerissen, entstehe hier eine großes Lücke. Betrachte man jenes im Zusammenhang mit dem gegenüberliegenden Anwesen an der Pferdeschwemme, das nicht minder vakant ist, würde ein riesiges Loch draus, die städtebauliche Struktur ginge verloren. Aber auch im Innern gibt es viel Erhaltenswertes.

Zum Beispiel?

Eine schöne Treppe, wunderhübsche alte Türen im klassizistischen Stil, der sich hier mit barocker Tradition mischt. Ober die hohen, repräsentativen Räume mit den Lehmwickeldecken. Zudem wurde viel Holz verbaut. Und dann der gewaltigen Keller, der möglicherweise älter als das Haus ist. Von Verfall kann hier überhaupt nicht die Rede sein.

Ein weiterer Aspekt ist die geschichtliche Bedeutung. Es war ein öffentliches Gebäude, eines der ersten Häuser am Platze, wie man sagt.

Wie will die AG aber aktiv werden?

Wir haben ein Sicherungskonzept erarbeitet, das als erstes der Eigentümer erhalten wird. Er muss zustimmen, bevor sich überhaupt was regen kann.

Im Gespräch mit dem "Prignitzer" hat der Eigentümer deutlich gemacht, dass ihm das Haus zwar sehr am Herzen liege, er es aber finanziell nie allein sanieren könne. Wie soll das also passieren?

Wir reden hier nur über das Vorderhaus, über dessen Sicherung und vielleicht eingeschränkte Nutzung. In so kurzer Zeit sind nie ein Investor zu finden und ein Nutzungskonzept zu erarbeiten.

Zum Nulltarif ist aber auch eine Sicherung kaum möglich. Oder?

Wir denken an eine Kombination von Maßnahmen. Im Innern könnte u. a. die Freilegung der Decken mit ehrenamtlichen Kräften bewerkstelligt werden. Doch die Aufarbeitung des Daches ist ohne Geld und Handwerkerleistungen nicht möglich.

Woher soll das Geld aber kommen?

Auch in Perleberg gab es Sicherungen mit Wellbitumdächern. Das ist relativ preiswert und schneller machbar als ein altstadtgerechtes Ziegeldach. Ich denke da nur an die historische Fachwerkscheune in der Schuhstraße 23. Auch diese wurde so einst erst einmal gesichert. Es muss aber endlich was passieren. Wenn man noch länger wartet, ist es irgendwann zu spät. Das Zeitfenster wird von Tag zu Tag kleiner, denn das Löschwasser und der viele Schnee haben ihre Spuren hinterlasse, Schimmel hat sich breit gemacht.

Wenn auch ein preiswerte Lösung, so kostet auch die Geld.

Die Stadtverordneten entscheiden über Städtebaufördermittel, eben auch für eine sogenannte Außenhüllenförderung. Wenn diese möglich wäre, ist man ein Stück weiter.

Fördermittel setzen immer auch einen Eigenanteil voraus.

Den könnte man teilweise mit Eigenleistungen erbringen, wie durch die Freilegung der Decken.

Wie ist das versicherungstechnisch zu bewerkstelligen?

Vereinsmitglieder sind über ihre Vereinsversicherung abgedeckt, jedenfalls ist es bei uns so. Wir suchen nicht vordergründig nach den Schwierigkeiten, bedenken sie aber. Und die Versicherung ist da durchaus ein wichtiger Punkt. Durch bürgerschaftliches Engagement wollen wir ein Zeichen setzen. Das bedeutet eben auch, außergewöhnliche Mittel.

Welche?

Einfach selbst mit zupacken, beispielsweise. Im Grunde genommen ist es der letzte Versuch, ein stadtbildprägendes Haus vor dem Abriss zu retten. Der lohnt sich aber, denn in Perleberg wurden Häuser saniert, die viel schlechter aussahen. Selbst wenn wir die Decken verlieren sind wir noch nicht bei einer Vollsanierung hier.

Welches sind nun die nächsten Schritte?

Das hängt vom Eigentümer ab. Er wird auf dem schnellsten Weg unser Sicherungskonzept erhalten. Mit diesem wollen wir ihm auch Mut machen, zeigen, dass er nicht ganz allein dasteht.

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