Den Wunschbaum selbst geschlagen

Anderes als eine Fichte kommt bei Fred und Barbara Burmeister aus Wendorf zum Fest nicht ins Haus.  rüdiger rump
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Anderes als eine Fichte kommt bei Fred und Barbara Burmeister aus Wendorf zum Fest nicht ins Haus. rüdiger rump

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19. Dezember 2010, 07:17 Uhr

Weberin / Warin | Der klirrende Frost stört niemanden - beim Weihnachtsbaumverkauf an der Weberiner Chaussee herrscht reges Treiben. "Erst mal einen Glühwein, dann sägt es sich besser", ruft René Veit Neuankömmlingen lachend zu. Immer am Sonnabend vor Weihnachten verkauft er mit der ganzen Familie Tannenbäume zum Selbstschlagen. Veit betreibt einen forstwirtschaftlichen Dienstleistungsbetrieb und hat 1998 eine Waldfläche zwischen Weberin und Crivitz gekauft. Hier finden die Beschäftigten Arbeit, wenn zeitweilig weniger Dienstleistungsaufträge anfallen. 15 Mitarbeiter zählt das Unternehmen. Im Winter kommen Saisonkräfte zum Holzeinschlag hinzu. "Bei uns ist das genau umgekehrt wie in der Landwirtschaft", erklärt der gelernte Forstwirt. Die Weihnachtsbäume seien lediglich ein kleines Zubrot, und der Verkauf an dem einen Tag mache allen Spaß.

An der Weberiner Chaussee stehen allerdings keine Edeltannen. "Die würden vorher Beine kriegen, und wir hätten überhaupt nichts davon. Unglaublich, wie viel Holz jedes Jahr aus dem Wald gestohlen wird. Das liegt frisch geschlagen in der Schneise und ist manchmal am nächsten Tag weg", ärgert sich René Veit. "Und wenn jemand erwischt wird, kommt er noch glimpflich davon."


Traditionell eine Fichte - und aus heimischem Anbau

Barbara und Fred Burmeister aus Wendorf wollen nichts anderes als eine Fichte. "Das ist für uns der traditionelle Weihnachtsbaum, doch auf den Märkten gibt es die kaum noch. Deshalb kommen wir hierher", so Fred Burmeister. Sein Nachbar Siegfried Naujack hat mehrere Baumarten "durchprobiert", wie er sagt, und ist jetzt zur Fichte zurückgekehrt. Die Familie stelle den Tannenbaum seit einigen Jahren nicht mehr in die Wohnstube, sondern ins Gartenhaus. Dort sorge der Kaminofen für wohlige Wärme, und die Stimmung sei eine ganz besondere.

"Ein heimischer Baum muss es sein", meint Stefan Podszus. Er ist mit seiner Schwester Viola Lipschik aus Basthorst gekommen. Die Beiden kaufen hier jedes Jahr ihre Bäume zum Fest. "Sie sind zwar nicht so gleichmäßig gewachsen wie eine Nordmanntanne, aber dafür ist es eben eine Fichte - Natur pur. Es hat sich immer was passendes gefunden, obwohl ich sehr wählerisch bin. Die Zeit zum Aussuchen muss eben sein. Das ist in diesem Jahr mit dem Schnee auf den Zweigen allerdings etwas schwieriger", erzählt die Bast horsterin. "Der geschmückte Baum sieht dann wie ein Eiszapfen aus, traditionell alles in Silber. Das habe ich von den Eltern übernommen."

Fichten und Kiefern aus eigenem Bestand bietet am Wochenende vor dem Fest auch die Wariner Pflanzenbau e.G. an der Straße nach Nisbill an. Etwa drei Hektar Wald bewirtschaftet die Genossenschaft. Um die 400 bis 500 Bäume gehen an den beiden Tagen weg, schätzt Joachim Diederichs, technischer Leiter in der Genossenschaft. Jeder kostet verpackt 13 Euro, egal wie groß. "Wir wollen damit kein großes Geld verdienen, sondern einfach in der Region präsent sein, den Leuten anbieten, ihren Weihnachtsbaum selbst zu schlagen, und das auf vergnügliche Art bei kleinem Lagerfeuer, Würstchen und Glühwein", sagt Diede richs. "Das ist immer ein kleines Highlight", fügt Vorarbeiter Olaf Henke an.

"Ich finde es toll, bin jetzt das vierte Jahr hier", bestätigt Nils Steinwart aus Wismar. Er hat mit Sohn Nils eine breit ausladende, schön gewachsene Fichte herangezogen. Durch die Netzmaschine passt sie nicht. Vater und Sohn brauchen deshalb mehr Zeit, um ihren Wunschbaum für den Transport zu verstauen. Doch natürlich gelingt auch das.

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