Den Tod öffentlich gemacht

Das Porträt von Heiner Schmitz ziert das Plakat zur Schau, das Christine Krutz (l.) und Ruth Wendt halten.Georg Scharnweber
Das Porträt von Heiner Schmitz ziert das Plakat zur Schau, das Christine Krutz (l.) und Ruth Wendt halten.Georg Scharnweber

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01. Februar 2011, 07:29 Uhr

Reutershagen | Heiner Schmitz hat damit gerechnet, dass sein Betriebssystem in Kürze ausgeschaltet wird. So hat der an Hirntumor erkrankte den Zustand seines Sterben bezeichnet und dabei mit dem Tod kokettiert. Heiner ist nur 52 Jahre alt geworden und einer der 25 Menschen, die Fotograf Walter Schels und Journalistin Beate Lakotta in ihrem Buch "Noch mal Leben vor dem Tod - Wenn Menschen sterben" porträtiert haben. Neben dem Buch ist eine Ausstellung mit dem Titel "Noch mal leben" entstanden, die morgen um 18 Uhr in der Kunsthalle am Schwanenteich eröffnet wird und dort bis zum 20. März zu sehen ist.

Veranstalter ist der Förderverein Hospizinitiative Rostock, der seinen Sitz am Hospiz in der Südstadt hat. Zu den Organisatorinnen gehören Christine Krutz und Ruth Wendt. "Aber am meisten und als erste hat sich Marion Harms für die Schau in Rostock eingesetzt", sagt Krutz, die jetzt im Vorstand ist. Vier Jahre haben sich die Frauen um diese Ausstellung bemüht. "Es ist eine internationale Schau, die einen großen Wert und ein hohes Ansehen hat", sagt die pensionierte Bau-Ingenieurin, die durch persönliche Erfahrungen den Hospizgedanken mit fördert. Die Kosten für die Ausstellung haben die Frauen durch Sponsoren hereinbekommen. "Wir haben durch viele Sachleistungen nur die Hälfte des Geldes benötigt", sagt Krutz. Für sie und ihre Mitstreiterinnen ist es wichtig, den Hospizgedanken in die Öffentlichkeit zu tragen. Das kann man nur erreichen, wenn man sich auch einmal aus dem kleinen Kosmos der eigentlichen Einrichtung herauswagt. Damit begründen sie, dass sie wegen dieser Ausstellung einmal Sponsoren gesucht haben, die Gelder geben, die nur indirekt dem Hospiz selbst zugute kommen.

Birger Birkholz, Geschäftsführer des Hospizes, hat dazu eine etwas abweichende Haltung. "Das Hospiz konzentriert sich auf Veranstaltungen und Initiativen, die unmittelbar dem Hospiz zugute komme und bei denen finanzieller und organisatorischer Aufwand und Nutzen für uns vertretbar sind", sagt er. "Denn ein Hospiz hat vorrangig für Spenden für die zehnprozentige Eigenfinanzierung des laufenden Geschäfts und dann darüber hinaus für Investitionen und Ausstattung zu sorgen, um so mehr freuen wir uns über Spenden, die wir in unsere unmittelbare Hospizarbeit einfließen lassen können", so Birkholz.

Ruth Wendt gehört ebenfalls zu der Arbeitsgruppe Fotoausstellung. "Ich arbeite seit zehn Jahren ehrenamtlich im Hospiz bei der Sterbebegleitung", sagt sie. "Das Schicksal von Heiner und den anderen Porträtierten gleicht vielen im Rostocker Hospiz", sagt sie. "Vieles ist einfach austauschbar. Das gilt auch für den Frieden, den viele nach dem Tod auf ihren Gesichtern haben", sagt sie. Die Todesangst ist dann machtlos geworden und aus den Gesichtern gewichen. Die Dauerkarte für die Ausstellung kostet vier Euro.

Vortragsreihe:

  • 9. Februar, 18 Uhr: Austherapiert- wir können noch viel tun mit Diplom-Medizinerin Anke Lohse
  • 16. Februar, 18 Uhr: Dienstags bei Morrie (Film)
  • 23. Februar, 18 Uhr: Die fünf Säulen der Hospizbewegung in Rostock
  • 2. März, 18 Uhr: Noch mal leben (Konzert)
  • 14. März, 10 Uhr: Leb wohl lieber Dachs
  • 12. März, 14 Uhr: Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde
  • 14. März, 19 Uhr: Kunstliedersalon
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