Den Pachtzins für Landwirte verdoppelt

Norbert Hebinck
Norbert Hebinck

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31. August 2010, 08:12 Uhr

Wittenburg | Landwirte, die Flächen von der Stadt Wittenburg pachten, müssen ab Oktober tiefer in die Tasche greifen. Wittenburgs Stadtvertreter beschlossen auf ihrer jüngsten Sitzung die Erhöhung des Pachtzinses auf das Doppelte. Statt 120 Euro sind ab 1. Oktober 240 Euro je Hektar für Acker- und Obstbauflächen im Jahr fällig. "Damit passen wir uns lediglich an", sagt Bürgermeister Norbert Hebinck. Zudem sei die Verwaltung angehalten, jede auch noch so kleine Einnahmequelle für die Haushaltskonsolidierung auszuschöpfen. Schon im Juli hatten die Stadtvertreter in Wittenburg eine Erhöhung des Pachtzinses auf 450 Euro je Hektar abgesegnet und die betroffenen Landwirte lediglich in einem Schreiben über den bereits gefassten Beschluss informiert. Die Bauern reagierten empört: "Das war blanker Wucher", sagt Christian Ebeling, der im Hof seiner Eltern bei Wittenburg arbeitet und den Betrieb später übernehmen will. "Wenn es bei den 450 Euro geblieben wäre, hätte ich sofort meine Meisterschule abgebrochen. Das wäre nicht nur für unseren Familienbetrieb existenzvernichtend", sagt der junge Landwirt.

Wittenburgs Bürgermeister Norbert Hebinck lenkte ein und bat die Landwirte zum Gespräch. Letztlich sei man sich entgegengekommen und habe sich auf einen Mittelwert geeinigt. Aber auch die jetzt geforderten 240 Euro machen den Landwirten Sorgen. "Mit dieser Erhöhung erreichen wir wegen der Ernteverluste unsere absolute Schmerzgrenze", sagt Ebeling, der ganz nebenbei an der Rechtmäßigkeit der plötzlichen Erhöhung zweifelt. "Wenn ich als Vermieter schlecht bei Kasse bin, kann ich doch auch nicht von heute auf morgen die Miete verdoppeln", sagt er.

Für die Mehrheit der Wittenburger Stadtvertreter ist der doppelt hohe Pachtzins offenbar vertretbar. Mit nur drei Gegenstimmen ging der Beschluss auf der Stadtvertretersitzung durch. "Der Preis ist fair", meint Stadtvertreter Alfred Matzmohr (CDU). Bei der Höhe habe man sich jetzt am Bodenrichtwert der Region Wittenburg orientiert. Auch die Nachbargemeinde Wittendörp fordert ab Oktober für bestehende Pachtverträge auf ihren Liegenschaften 240 Euro für Acker- und 160 Euro für Grünland pro Hektar im Jahr.

Preise, die in der Griesen Gegend für Erstaunen sorgen. Hier liegen die Pachtzinsen zwischen 90 und 120 Euro, was nicht zuletzt aber auch an den qualitativ weit schlechteren Böden liegt.

Auch die Stadt Hagenow erwägt, im kommenden Jahr die Pachtzinsen für gemeindeeigene landwirtschaftliche Flächen anzuheben. Im Gegensatz zu Wittenburg wolle man hier aber differenzierter vorgehen, heißt es in der Liegenschaftsabteilung. Jeder einzelne Pachtvertrag werde entsprechend der Bodenpunkte für die Fläche bewertet.

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