Den ländlichen Raum künftig diagonal vernetzen

Prof. Wolfgang VogtPätzold
Prof. Wolfgang VogtPätzold

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07. Februar 2010, 07:59 Uhr

Pampin | Mit der "Offensive 2015" wird in der Region zwischen Elde und Müritz noch vor dem Auslaufen wichtiger Förderprogramme im Landkreis Parchim in Kürze ein Konzept für die selbstragende Entwicklung von Kultur und Tourismus aus der Taufe gehoben. Federführend ist erneut das vor fünf Jahren in Pampin gegründete Kulturforum. "Es wird höchste Zeit, die Weichen neu zu stellen. Noch vor dem beschlossenen Ende des Solidarpaktes Ost im Jahre 2019 müssen die Strukturen vor Ort angepasst werden", meint Professor Dr. Wolfgang Vogt. Dabei hat er ein Netzwerk vor Augen, das nicht die vorhandenen Verkehrsadern von Ost nach West und Süd nach Nord als Ausgangspunkt nimmt, sondern auf eine natürliche Diagonale von der Elbe zur Müritz setzt. "Auf den Autobahnen rauschen die potenziellen Gäste bislang quasi an der Region vorbei", gibt der anerkannte Wissenschaftler zu bedenken. Das Urlaubsland Nummer Eins profitiere maßgeblich vom Reiz der Ostseeküste und der Müritzregion. Der Landkreis Parchim hat als beschauliches Hinterland trotz erheblicher finanzieller Förderung nur mit Einzelprojekten punkten können. "Ich bin mir mit meinen Mitstreitern sicher, dass wir das ändern können", sagt der Professor. In der von ihm geleiteten Ideenschmiede "Kulturforum Pampin" entstand die neue Dachmarke "Diagonale". Das auf mehrere Jahre ausgelegte Projekt soll die Landschaftsräume Elbtalaue, Griese Gegend, Lewitz, Ruhner Berge und Mecklenburgische Seenplatte verbinden. Links und rechts einer gedachten Diagonale werden touristische Dienstleistungen und kulturelle Angebote gemeinsam vermarktet.

Die in Leezen im Landkreis Parchim ansässige Landgesellschaft könnte dabei eine Schlüsselfunktion übernehmen. "Ein erstes Arbeitsgespräch ist in wenigen Tagen geplant. Dort arbeiten die Experten für die Entwicklung des ländlichen Raumes", sagt Prof. Vogt. Er will darüber hinaus möglichst bald Vertreter des Landwirtschafts-, des Wirtschafts- und des Kultusministeriums in Schwerin an einen Tisch holen, um ohne Zeitverzug mit der Umsetzung der ehrgeizigen Pläne zu beginnen. Zunächst soll die "Diagonale" mit neuem Kartenmaterial, das Besuchern künftig die Orientierung erleichtern soll, optisch auf den Punkt gebracht werden. "Ganz neu müssen wir das Fahrrad nicht erfinden. Ähnlich funktioniert bereits die Vermarktung der Deutschen Weinstraße in der Pfalz", weiß der Wissenschaftler, der selbst vor sechs Jahren von Hamburg in den südlichen Zipfel des Landkreises Parchim übergesiedelt ist. In den zurückliegenden Wochen war er bereits tüchtig Klinken putzen. "In Ämtern, Städten und Dörfern bin ich auf offene Ohren gestoßen. Die Bereitschaft, sich aktiv einzubringen, ist groß", sagt Prof. Wolfgang Vogt, der sich sicher ist, dass derartige Aktivitäten für die Region von "existenzieller Bedeutung" sind. Die demografische Entwicklung lässt keine andere Wahl. "Vor Ort muss mehr passieren und das schnell, bevor noch mehr Menschen der Region den Rücken kehren", appelliert der Vordenker. Vor zwei Jahren ist das Kulturforum Pampin als einer von 365 "Orten der Ideen" deutschlandweit bekannt geworden. 2009 hat es mit dem "Corso der Skulpturen" namhafte Künstler aus dem In- und Ausland nach Parchim geholt.

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