In Mühlen Eichsen waren 20 Jäger im Wald unterwegs / : Den Blick durchs Zielfernrohr gerichtet

Forstamtsleiter Peter Rabe.
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Forstamtsleiter Peter Rabe.

Im Wald bei Seefeld nahe Mühlen Eichsen hat sich ein Trupp von 20 Männern eingefunden, in Stiefeln, grünen Hosen und Hüten. Einige tragen Westen in Signalfarben über ihren dicken Jacken. Es sind Jäger.

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23. November 2010, 10:17 Uhr

Der Wind weht an diesem Morgen aus dem Osten. Osten - diese Richtung wird noch wichtig werden.
Zu jener frühen Morgenstunde ist es kalt im Wald, der Boden schlammig und rutschig. In wenigen Minuten soll eine der großen Drückjagden eröffnet werden, die es diesen Herbst in Nordwestmecklenburg gibt. Schwarz- und Rehwild soll geschossen werden. Knapp zehn Minuten dauert die Belehrung durch Forstamtsleiter Peter Rabe, dann teilt sich der Jägertrupp in kleine Gruppen auf. Acht Treiber und einige Hunde gehen voraus, die Jäger beziehen Stellung. Alles ist genau geplant, ein Notizzettel listet die einzelnen Jäger und ihre Position im Dickicht auf. Die Revierleiter des Forstamtes weisen die Unterstände zu. Es wirkt fast wie ein Manöver. Mit großen Schritten stapft Forstamtsleiter Peter Rabe durch den aufgeweichten Waldboden, einige hundert Meter weiter geht es zwischen großen Buchen im Unterholz weiter. Irgendwann erreicht er einen Hochstand, seine Position. Dann wird es still. Nur der Ostwind rauscht hin und wieder durch die kahlen Baumkronen.

Auf dem Hochstand nimmt Peter Rabe seine Jagdwaffe, eine Repetierbüchse mit Zielfernrohr, vom Rücken. Er steckt vier Patronen in den Magazinschacht, lädt und sichert. Der Jäger ist bereit. "Nun heißt es warten. Mal sehen, was kommt", sagt er zuversichtlich. Fünf Minuten lang herrscht wieder Stille, dann plötzlich schlagen die Jagdhunde Alarm: In der Ferne, irgendwo mitten im Wald ist ein Kläffen zu hören. Peter Rabe steht auf. Ganz ruhig sagt er: "Es geht los." Immer mehr Hunde sind zu hören, dann durchbricht der erste Schuss an diesem Tag jegliches Gespräch, so laut, dass der Knall den ganzen Wald durchdringt. Am Hochstand von Peter Rabe aber passiert noch nichts. Aufmerksam beobachtet er den Waldboden und merkt nicht, dass er dabei selbst seit einiger Zeit beobachtet wird. Nur wenige Meter entfernt steht ein anderer Jäger - so einer, der im Wald zu Hause ist: Ein junger Fuchs. Als Rabe das Tier erblickt, verschwindet es im Dickicht. So leise, wie es sich angeschlichen hatte. "Die Füchse kennen die Jagd und sie wissen davon zu profitieren", erklärt der Forstamtsleiter. Wird Wild geschossen, bleiben die Innereien im Wald. Ein "Festmahl", zumindest für Füchse und Wildschweine, sagt Rabe. Von seinem Hochsitz aus blickt der Jäger gen Westen, den Ostwind im Nacken. "Der Wind ist wichtig", sagt der erfahrene Forstamtsleiter. "Wildschweine flüchten fast immer gegen den Wind, denn der trägt den Geruch von Feinden oder uns Jägern direkt in ihre Nasen", erklärt Rabe. Hundegebell. Wieder kläfft einer der Terrier in der Ferne, diesmal quiekt er nahezu. Auf ihren Hochsitzen können die Jäger das Gebell deuten. "Er hat vermutlich eine Wildsau aufgesprüht", sagt der Forstamtsleiter. Ein anderer Jagdhund kläfft dagegen rhythmisch. "Der verfolgt ein Reh."

In Kreisbahnen durchkämmen Hunde und Treiber den Wald. Phasenweise fallen Schüsse, mal entfernt, mal nah. Am Hochstand von Peter Rabe bleibt es ruhig. Die Treiber ziehen vorbei. Kurz darauf läuft ein Reh aus dem Dickicht. Rabe hat es erspäht. Er setzt das Gewehr an, zielt, schießt: Ein Knall und das Tier liegt am Boden. Nach einer halben Sekunde ist alles vorbei. "Das Reh hört den Knall nicht mal, so schnell ist es tot", sagt Rabe. Die Jagd sei wichtig, denn natürliche Feinde hätten die größeren Wildtiere in der Region nicht. Trotzdem halte sich jeder Jäger an Regeln: "Cowboys wollen wir nicht haben und die haben wir hier auch nicht."

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