Den Abwassertank im Kleingarten versenkt

Abgeliefert: Unternehmer Frank Peters (r.) versorgt den Laubenpieper Hubert Scharf (m.) mit einem Abwassertank. Die Gartenfreunde und Nachbarn Fred Menning (von links) und Rolf Migas packen mit an. Jenny Pfeifer
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Abgeliefert: Unternehmer Frank Peters (r.) versorgt den Laubenpieper Hubert Scharf (m.) mit einem Abwassertank. Die Gartenfreunde und Nachbarn Fred Menning (von links) und Rolf Migas packen mit an. Jenny Pfeifer

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15. Mai 2010, 01:57 Uhr

Rostock | Fünf Tage lang buddelten sie sich durch den festen Grund. Ehepaar Elke (66) und Hubert Scharf (67) haben auf dem Grundstück ihrer Kleingartenparzelle der Kolonie "Kasper Ohm" ein 1,4 Meter tiefes Loch ausgehoben. Ein Abwassertank soll dort hinein. "In einer Versammlung hat der Gartenverein beschlossen, dass alle Lauben umrüsten sollen, die keine abgedichtete Abwasseranlage haben", sagt die 66-Jährige. Das Ehepaar hat den Anfang in der Brinckmansdorfer Gartenanlage gemacht und sich den Kunststoffcontainer angeschafft.

Die Grube ist 2,3 Meter lang und 1,5 Meter breit. Beim Ausheben hatten sie mit einer steinharten Lehmschicht zu kämpfen. "Mit dem Hammer haben wir die festen Brocken herausgeklopft", sagt Elke Scharf, die ihrem Mann beim graben zur Hand ging. Da das Ehepaar in seiner Laube eine Spültoilette und eine Küche mit fließend Wasser hat, müssen sie das kühle Nass bis spätestens zum Jahr 2013 in eine abflusslose Sammelgrube leiten. So will es ein Beschluss des Landwirtschaftsministeriums. Grund dafür ist, dass das Abwasser nicht in das Grundwasser sickern und somit die Umwelt beeinträchtigen kann. "Gärten, die über eine Komposttoilette verfügen oder ihren Wasseranschluss außerhalb der Laube haben, brauchen nicht umzurüsten", erklärt Frank Peters (31), Inhaber vom Rostocker Umweltservice. Er weiß, dass viele ältere Menschen und Alleinstehende sich vor so einem großen Schritt fürchten. "Aber dafür können sie sich ausweichend mit einer Komposttoilette behelfen", sagt er.

Als Vertreiber und Lieferant unterstützt er die Kleingärtner beim Einbau der 90 Kilogramm schweren Tanks. Das Ehepaar Scharf kann bei dem Einsetzen in die Grube jede Hilfe gebrauchen. So kommen auch die Nachbarn Fred Menning und Rolf Migas und packen mit an. Zuvor fährt der 31-Jährige mit seinem Transporter direkt vor die Laube. "Viele Vorsitzende genehmigen mir die Auffahrt auf das Gelände. So ein Entgegenkommen freut mich natürlich", sagt der Unternehmer, der zur Hochsaison bis zu 150 Stück im Monat ausliefert. Das erleichtert ihm die Arbeit um einiges. Auch dass die Freunde des Paares beim Tragen des schweren Kunststoffbehälters helfen, erfreut den Lieferanten. Dabei unterstützen die Nachbarn sie nicht völlig uneigennützig. "Ich wollte mir schon mal anschauen, wie so ein Tank aussieht", sagt Migas. Denn auch er muss bis spätestens 2013 nachrüsten.

Elke und Hubert Scharf haben sich kurzerhand für den Einbau entschieden. "Lieber jetzt als in ein paar Jahren. Dann können wir vielleicht körperlich nicht mehr so", sagt die Laubenpieperin. Schließlich gehen beide auf die 70 zu. "Vorher hatten wir eine gemauerte Sammelgrube mit einem Überlauf", berichtet Elke Scharf. Die haben sie zuvor mühsam aus dem Boden herausgeklopft.

Während Elke Scharf die Brombeeren neben dem Loch abdeckt, rücken die Männer an und hieven gemeinsam die 90 Kilogramm in die Öffnung. Hochkant lassen die Gärtner den Abwasserspeicher in die Grube hinab, um ihn anschließend in die Waagerechte zu bringen. "Die kleine runde Öffnung muss nach oben zeigen", sagt Peters. Ein Kunststoffrohr, auch Dom genannt, wird dort angeschlossen. Es dient dem späteren Absaugen des Abwassers durch ein Entsorgungsunternehmen. "Es dauert etwa ein bis zwei Jahre bis so ein Tank voll ist", so der Unternehmer, der seit vier Jahren überall in den neuen Bundesländern Behälter ausliefert. Nachdem der Speicher positioniert ist, fehlt nur noch der Anschluss an das Abwasserrohr. Ein bisschen hat sich Hubert Scharf bei den Maßen der Grube verrechnet. "Jetzt muss der Tank etwas schräg stehen, damit er an das Rohr angeschlossen werden kann", sagt er. Nun gilt es, das Loch um den schwarzen Speicher wieder aufzufüllen. "Günstig ist es, 20 Zentimeter Erde anzuhäufen und etwas Wasser hinzuzugeben", sagt der Lieferant. So verteile sich die Erde besser unter dem runden Behälter, berät Peters. Mit einem Zertifikat und einer Rechnung von 450 Euro wechselt der Tank seinen Besitzer. Für Peters geht nun die Fahrt weiter zum nächsten Kunden, während Ehepaar Scharf mit dem Verschließen des Loches beschäftigt ist. Die neuen Gartenbesitzer Karsten und Martin Becker in der Anlage "Grüner Weg" warten bereits auf die Lieferung. "Da wir die Laube erst seit Kurzem haben, wollten wir gleich alles richtig machen", sagt Martin.

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