zur Navigation springen
Lokales

13. Dezember 2017 | 13:51 Uhr

Dem Biber auf der Spur am Rübensee

vom

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2010 | 06:35 Uhr

Warin | "Wir sind in Verzug", sagt Margot Rossow. Eigentlich seien zum Bibertag Ende April immer schon alle Biberreviere erkundet. In diesem Jahr sind es gerade einmal die Hälfte, nachdem die Ranger im langen und Schnee reichen Winter zeitweise nicht mehr zu den Biberburgen durchkamen.

Treffpunkt Rübensee bei Warin. Die Rangerinnen Francis Breitenreiter und Margot Rossow machen sich auf den Weg. "Wir laufen um alle Seen, um kleine Wasserflächen und Moore", erklärt Margot Rossow. "Wir schauen auch, ob die Bibertäuscher noch funktionieren." Solche Drainagen haben die Ranger in einige Biberdämmen eingebaut, damit der tierische Baumeister das Wasser um seine Burg nicht zu hoch anstaut und zu großen Schaden in der Umgebung anrichtet.

Die beiden Rangerinnen stoppen: Vor ihnen türmt sich am Ufer ein Haufen aus Zweigen. Wahrscheinlich eine Fluchtburg, vermuten die beiden Frauen. Die größere Biberburg liegt genau gegenüber auf der andere Seeseite. Manche Biberfamilien bauen sich mehrere Burgen. Francis Breitenreiter zuckt ihr GPS-System. Nicht um aus dem Wald zurück zu finden, sondern um die genauen Koordinaten dieser neuen Burg zu erfassen. Margot Rossow schreibt die Daten in einen Erfassungsbogen.

Weiter geht es auf dem Pfad am Ufer entlang. Der größter Teil der Strecke ist ohne große Mühen zu passieren. Denn hier sind regelmäßig auch Angler unterwegs. Entlang des Weges immer neue Spuren des Nagers. An Birken und Aspen haben Biber die Rinde abgenagt. Die Tiere fressen die Rinde, erklären die beiden Frauen. Wenn ein Drittel im Umfang stehen bleibt, könnte es ein Baum schaffen, sich zu erholen, sagen die Rangerinnen. Viele Aspen am Ufer des Rübensees sind aber rundum abgeschält und zum Sterben verurteilt. "Eine Aspe wächst schnell nach", erklärt Margot Rossow. Ein forstwirtschaftlicher Schaden entsteht aber, wenn sich der Nager über wertvollere Bäume wie Buchen hermacht. Ob die angenagten Buchen am Rübensee überleben?

Die Biberburg ist erreicht. Drei bis vier Meter ist sie breit und damit gegenüber dem Vorjahr um das Doppelte gewachsen. Die größte Burg im Seenland bei Kritzow ist sogar acht Meter lang und anderthalb bis zwei Meter hoch. Margot Rossow findet neben angenagten Zweigen dicke Wurzeln von Seerosen. In der warmen Jahreszeit muss der Baumeister sich nicht mit Rinde begnügen. Er findet im und am Wasser genügend frisches Grün.

Es ist früher Nachmittag. Die Biberfamilie selbst bekommen die Frauen nicht zu Gesicht, zumal es sich um nachtaktive Tiere handelt. Aber wenn die Rangerinnen manchmal ganz früh am Morgen unterwegs sind, hören sie die Biber schnarchen. Ein Grunzen und Fauchen seien dann zu vernehmen und Bettellaute der Jungen, erzählen Francis Breitenreiter und Margot Rossow. Und manchmal hören sie auch ein Pfeifen aus der Burg. Dann wohnt ein Fischotter mit bei Familie Biber.

Selbst wer zur Dämmerung einen Biber beobachten will, muss in der Natur schon Geduld haben, hören wir. Wenn das Tier einen Störer bemerkt, klatscht es mit seinem Schwanz ins Wasser. Das ist das Warnsignal und die ganze Familie taucht unter.

Nur Biber August war da anders. So nannten die Ranger einen jungen Biber, den Ranger Mario Krüger am Augustenhof zwischen Pinnow und Kladow einige Male zu Gesicht bekam. Er schoss mehrere Bilder von dem Junggesellen. Heute macht er sich rar. Vermutlich hat er eine Familie gegründet, sagen die Rangerinnen.

An einem Bach, der in den Rübensee mündet, hat der Biber einen Damm errichtet. Das müsse man im Auge behalten, erklärt Margot Rossow. Ob dadurch noch Probleme entstehen? Ein Stück weiter in einem Zufluss entdeckt Francis Breitenreiter etwas Schlammiges. Sie taucht ein Stöckchen hinein? Ist das so genanntes Bibergeil? So heißt ein Sekret aus den Analdrüsen, mit dem der Nager seine Reviere markiert. Es riecht nach Moschus. Unsere Vorfahren schrieben ihm eine Potenz steigernde Wirkung zu. Ein Grund, warum die Biber gejagt wurden und ganz aus Mecklenburg verschwanden. Verfolgt wurde das Tier früher auch wegen seines dicken Fells und seines Fleisches. Biber wurden zum Fisch erklärt, so dass sie auch während der Fastenzeit verspeist werden durften.

Die Rangerinnen haben das Biber-Monitoring am Rübensee beendet. In den nächsten Tagen nehmen sie weitere Gewässer unter die Lupe.

Nach letzten Zählungen gibt es im Naturpark Sternberger Seenland 113 Biberburgen, in denen schätzungsweise 350 Tiere leben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen