zur Navigation springen
Lokales

22. November 2017 | 14:07 Uhr

Deichwache ab jetzt rund um die Uhr

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2011 | 05:34 Uhr

Boizenburg | Hinter René Ahlers liegt eine kurze Nacht. Nach der Spätschicht am Abend musste der 28-Jährige als einer der ersten gestern früh sechs Uhr zur Deichwache antreten. Und das auch noch am Urlaubstag. "Kein Problem", sagt er. "Das gehört dazu, wenn man in der Feuerwehr ist. Und dass ich heute Urlaub habe, passt so gesehen ja ganz gut." Gerade ist er von seinem Kontrollgang auf dem Hafendeich zurück. Noch ist die Lage ruhig. Kein Qualmwasser, keine Sickerstellen zu sehen. Lediglich ein paar Äste hat Ahlers mit dem Einreißhaken aus dem Hochwasser am Deich geangelt und oben auf der Deichkrone gelagert. "Treibgut kann gefährlich werden", sagt er. "Wenn die Grasnarbe verletzt ist, sickert Wasser ein."

Vier Deichwachen sind seit gestern in und um Boizenburg unterwegs. Nachdem der Landkreis am Morgen die höchste Warnstufe ausgerufen hat, ist in die Feuerwehrzentrale Am Alten Postweg die technische Einsatzleitung eingezogen. Am Computer von Rainer Greßmann laufen stündlich die neuen Pegel auf. Sein Funkgerät ist immer auf Empfang. Regelmäßig geben die Wachen von draußen die neue Lage durch. 36 Helfer der Feuerwehr, der Stadtverwaltung und des Bauhofes sind zurzeit im Einsatz. Auch freiwillige Boizenburger haben angerufen und sich für Deichwachen auf Abruf bereit erklärt. Ortswehrführer Reinhold Tiede freut sich über jede Hilfe. "Wir könnten aber noch mehr Freiwillige gebrauchen", sagt er. Zwar werde voraussichtlich in der Nacht zu Montag der Scheitelpunkt erreicht. Dennoch sei zu erwarten, dass das Hochwasser bis Freitag nächster Woche bleibt. Tiede: "Bis dahin planen wir Deichwachen rund um die Uhr. Und da werktags viele Feuerwehrmänner arbeiten müssen, brauchen wir jeden Mann und jede Frau."

Sandra Schneider (18) kam gestern direkt von der Berufsschule zur Feuerwache. Auch für sie ist die Deichwache selbstverständlich. Die Mütze tief über die Ohren gezogen, ging sie gestern bei minus 3 Grad und Gegenwind über den Deich. Einmal setzte sie die Markierung, weil sie Ölflecken am Fuß des Deiches entdeckte.

Bereits am Donnerstag ging bei der Freiwilligen Feuerwehr in Boizenburg ein Alarmruf ein, weil auf dem Wasser im Hafenbecken ein Ölfilm gesichtet wurde. 16 Kameraden waren mit vier Fahrzeugen und dem Feuerwehrboot vor Ort. Sie legten in Höhe des Krans "Möwe" mit Gummi eine Ölsperre, die verhindern soll, dass sich das Öl weiter ausbreitet.

Der Pegel im Boizenburger Hafen stand gestern Nachmittag bei 6,44 m. Nach dem angekündigten Rekord-Scheitelpunkt am Sonntag von 6,80m hoffen die Helfer vor allem auf ein schnelles Abfließen und wenig Regen. Ortswehrführer Tiede: "Je länger das Wasser so hoch steht, desto mehr weichen die Deiche durch. Und dann wirds gefährlich."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen