zur Navigation springen
Lokales

18. November 2017 | 04:00 Uhr

Deiche nach neuen Maßstäben

vom

svz.de von
erstellt am 25.Okt.2010 | 09:43 Uhr

Rostock | Wissenschaftlern des Instituts für Umweltingenieurwesen an der Uni Rostock ist es in Zusammenarbeit mit der Technischen Uni Danzig in Polen gelungen, das EU-Forschungsprojekt "Dredg Dikes" einzuwerben. Dr. Stefan Cantré vom Rostocker Lehrstuhl für Landeskulturelle Ingenieurbauweise hat die Idee zu einem solchen Forschungsprojekt geliefert und damit auch den Lehrstuhlinhaber Prof. Fokke Saathoff überzeugt. Die beiden Rostocker bilden die Projektleitung. Mit einer Fördersumme von rund 1,85 Millionen Euro ist dies das größte Forschungsprojekt seit Bestehen des Lehrstuhls.

Bereitgestellt wird die Summe vom "South Baltic Programme" der EU. Das Geld soll zur Erforschung der Verwendbarkeit von Baggergut sowie Flugasche im Deichbau verwendet werden. Saat hoff sagt: "Wir konnten in den vergangenen Jahren bereits erste Erkenntnisse über den Deichbau mit Baggergut in Drigge sammeln und haben eine Reihe von Ideen, welche Methoden künftig hilfreich sein könnten." Die Wissenschaftler untersuchen dazu feinkörniges, zum Teil organisches Baggergut des südlichen Ostseeraums auf seine Eignung als Baumaterial im Deichbau unter Verwendung von Geokunststoffen und Additiven zur Bodenstabilisierung. Das soll vor allem den natürlichen Baustoff "Mergel" ersetzen, der allmählich zur Neige geht. Auch der Klimawandel fordert ein Umdenken im Deichbau. Höhere Wasserstände verlangen in Zukunft höhere Deiche, doch der Platz dafür wird knapp. "Um steilere Deiche bauen zu können, brauchen wir Bodenstabilisatoren, wie zum Beispiel Geokunststoffe", so Saathoff.

Grenzerfahrungen in Ribnitz-Damgarten

Zur Erforschung der Möglichkeiten und Grenzen des Deichbaus werden in den kommenden drei Jahren großmaßstäbliche Feldversuche in Danzig und Rostock vorgenommen. Ein gemeinsamer Pilotdeich in der Nähe von Ribnitz-Damgarten ist bereits in Planung. "Ein Student, der seine Master-Arbeit über dieses Projekt schreibt, hat bereits im Sommer mit der Planung des Deichs begonnen", so Saathoff. Die Feldversuche und auch der Pilotdeich sollen auch nach der geförderten Projektlaufzeit Forschungsergebnisse liefern. Ziel ist es unter anderem, ein Handbuch zur Anwendung von Baggergut im Deichbau anzufertigen, das für Behörden und Planer zukünftig eine verlässliche Entscheidungsgrundlage bieten soll. "Unsere bisherigen Erfahrungen mit Geokunststoffen und Baggergut im Deichbau helfen uns bei der Forschung enorm", so Saathoff.

Dr. Cantré, der sich in seiner Promotion mit dem Thema Baggergutentwässerung beschäftigt hat, wollte mit der polnischen Uni ursprünglich ein Projekt zur Straßenerdwärmenutzung beantragen. Das passte jedoch nicht in die thematischen Ausrichtungen der jeweiligen Lehrstühle. Am Ende konnten sich die Unis auf ein gemeinsames Forschungsthema einigen, das innovative Anwendungsmöglichkeiten für Abfallprodukte wie Baggergut verspricht. Was für die Deutschen das Baggergut ist, ist für Polen die Flugasche. Gemeinsam forschen die Unis nun, wie beide Abfallprodukte in den Deichbau einzubinden sind, wobei die Deutschen auf das Baggergut fokussiert sind. Das Kooperationsnetzwerk umfasst drei weitere Projektpartner sowie 13 assoziierte Organisationen aus dem In- und Ausland, die den Wissenschaftlern beratend zur Seite stehen. "Wir sind einer neuen Bauweise auf der Spur, was international von Interesse ist", so Saathoff. Offizieller Projektstart ist voraussichtlich im Januar.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen