Heute internationaler Tag der Muttersprache : Deftigen Wortschatz pflegen

Marita und Hermann Warner snaken gerne zusammen Plattdütsch - nicht nur in ihrem alten Gutshaus in Viezen. susanne lang
Marita und Hermann Warner snaken gerne zusammen Plattdütsch - nicht nur in ihrem alten Gutshaus in Viezen. susanne lang

Als Knirps von sechs Jahren hat er seine erste Fremdsprache gelernt. "Als ich 1947 eingeschult wurde, konnte ich kein Hochdeutsch", erzählt Hermann Warner. Bei ihm auf dem Land wurde nur "platt gesnakt"

von
20. Februar 2011, 04:09 Uhr

Bernitt/Viezen | Als Knirps von sechs Jahren hat er seine erste Fremdsprache gelernt. "Als ich 1947 eingeschult wurde, konnte ich kein Hochdeutsch", erzählt Hermann Warner, "waschechter Mecklenburger". Bei ihm zuhause auf dem Land wurde nur "platt gesnakt", erinnert sich der heute 67-Jährige. "Das war nun mal die Muttersprache unserer Vorfahren", sagt er. Und die hat er nicht vergessen.

Hermann Warner pflegt sie mit seiner Frau Marita pflegt in der plattdütschen Sprakschaul. Aber auch im Alltag snaken die beiden gerne in ihrer Muttersprache. Die beiden schauen sich schmunzelnd an. "So kann man sich in Gegenwart anderer etwas mitteilen, was nicht jeder hören muss", sagt Warner. Ein deftige Sprache sei es, räumt seine Frau ein. Aber "Schietbüddel" beispielsweise höre sich auf platt wesentlich charmanter an als in der hochdeutschen Übersetzung, sagt ihr Mann grinsend. Prompt fällt ihm der Satz "Klei mi an Noors" ein. Ein Klassiker - zumindest für diejenigen, die mal schnell eine niederdeutsche Redewendung lernen wollten. Die wüssten auch meist nicht, dass "Moin" nicht "Morgen" heißt, sondern vielmehr "gut" oder "schön". "Deswegen kann man auch zu jeder Tageszeit ,Moin sagen", erklärt der Experte. Warners sprechen nicht nur gerne plattdütsch, sie lesen es auch. Im Bücherregal im Wohnzimmer des Ehepaares, das im alten Viezener Gutshaus wohnt, reihen sich die Werke von Fritz Reuter, Richard Wossidlo und Rudolf Tarnow. "Leider stirbt die Spezies, die plattdeutsch spricht, langsam aus", sagt Hermann Warner.

Den Trend, in Kindergärten und Schulen Plattdeutsch-Kurse anzubieten, betrachten die Warners skeptisch. Das sei in den 70-er Jahren schon einmal versucht worden, weiß Hermann Warner. Er winkt ab. Die Bemühungen seien zu verkrampft, zu aufgesetzt. "So wird Platt eine Kunstsprache, die hält sich nicht", sagt der Rentner. Nur der Gebrauch im Alltag halte die Sprache lebendig.

Genau dafür setzt sich Dr. Birte Arendt vom Institut für Deutsche Philologie an der Universität Greifswald ein. 22 Studenten lehrt sie derzeit die niederdeutsche Sprache. "Vor ein paar Jahren haben sich vielleicht zwei oder drei Studenten für den Kurs eingeschrieben", erzählt sie. Niederdeutsch sei an der Uni wieder "in", Reuters Werke - Birte Arendt nennt ihn den "niederdeutschen Konsalik" - erführen bei den jungen Leuten ein Comeback. Das liege in erster Linie an der sich veränderten Spracheinstellung, erklärt die 37-Jährige: "Früher galt man als einfach gestrickt, wenn man plattdeutsch sprach." Diese Zeit sei längst vorbei. Außerdem würden viele junge junge Leute platt verstehen, könnten es aber nicht sprechen. Eine Frage der Kompetenz? Nicht unbedingt. "Einigen fehlt einfach der Mut dazu. Wenn man dann immer von den Alten gemaßregelt wird, lässt man es lieber bleiben", weiß die Dozentin. Doch sie hat eine Trendwende beobachtet: "Ich merke, dass sich die jungen Leute dem Niederdeutschen öffnen." Meist seien es Studenten aus dem Norden, die Plattdeutsch pauken. Aber der ein oder andere Süddeutsche sei auch dabei. "Wenn das Interesse weiter wächst, stirbt die Sprache ganz bestimmt nicht aus", ist sich Birte Arendt sicher.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen