Decathlon: Das sagt das Gutachten

<strong>Der Sportriese mit blau-weißem Schriftzug will auch in Rostock bauen:</strong> Das Sportgeschäft auf Mallorca ist eine von weltweit bereits450 Filialen des französischen Unternehmens.  <foto>imago</foto>
Der Sportriese mit blau-weißem Schriftzug will auch in Rostock bauen: Das Sportgeschäft auf Mallorca ist eine von weltweit bereits450 Filialen des französischen Unternehmens. imago

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05. Juli 2010, 08:27 Uhr

Rostock | Eine Einkaufslandschaft für sportbegeisterte Hanseaten und Touristen soll an Rostocks Stadtrand entstehen. Wenn es nach dem Investor - dem französischen Sportartikelhersteller Decathlon - geht, auf einem 37 000 Quadratmeter großen Areal in Schutow mit 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche, auf der vom Turnschuh bis zum Golfschläger, vom Bikini bis zum Boot alles zu haben sein soll. Doch ein Gutachten bremst den Enthusiasmus des Sportartikelmarktes.

Das will der Investor

Decathlon möchte in seiner ersten Filiale in den neuen Bundesländern mit seinem sehr breiten Angebot sämtliche Breiten- und Randsportarten abdecken. Auf einer Fläche von zunächst 4200 und in fünf Jahren 8000 Quadratmetern soll es alles vom Radsport bis zum Bergsteigen, vom Bogenschießen bis zum Skifahren geben. Für Bekleidung und Schuhe sind 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche vorgesehen, für Fahrräder 600 und für Geräte 4400. Der Neubau würde rein von der Größe her vorhandene Märkte in Rostock locker abhängen: Anbieter in der Innenstadt verfügen über Flächen zwischen 800 und 1400 Quadratmetern. Die Kette Decathlon setzt allerdings weder auf Markenware noch auf ein branchenübliches Sortiment von Sportmode, sondern bietet zu 95 Prozent Eigenprodukte an. Daneben will Decathlon einen hohen Anteil an Serviceflächen zum Beispiel für die Reparatur von Fahrrädern einrichten. Auch Testflächen wie Laufparcours, Tischtennisplatten oder Golfsimulator sollen entstehen. Neben einem eingeschossigen Bau möchte der Investor genügend Parkraum für seine Kunden sicherstellen. Er möchte deshalb ein 37 000 Quadratmeter großes Grundstück von der Stadt kaufen. Präferierter Standort: in Schutow an der B 105, in unmittelbarer Nähe zu Ikea und anderen Märkten. Die Nachbarschaft zu anderen großen Märkten ist für den Investor ein ebenso wichtiges Argument wie die gute Erreichbarkeit mit dem Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die gute Einsehbarkeit. Mit diesem Konzept will der Sportriese eine halbe Million Kunden anziehen - sowohl Touristen als auch Kunden aus Rostock und aus dem gesamten Norden Mecklenburg-Vorpommerns.

So Urteilen die Experten

Die von der Stadt beauftragten Gutachter halten eine Reduzierung der Verkaufsfläche auf 4000 Quadratmeter für unerlässlich. Mehr als ein Drittel des Marktanteils in Rostock würde der Sportfachmarkt mit einer Größe von 8000 Quadratmetern erreichen. Allein im Segment Bekleidung und Schuhe würde der Discounter in Schutow einen Umsatz von 4,3 Millionen Euro machen - zulasten innerstädtischer Betriebe. Damit überschreitet das Vorhaben eine kritische Grenze. "Die geplante Dimensionierung lässt sich keinesfalls verträglich in das Standort- und Wettbewerbsgefüge integrieren", heißt es. Für eine hinnehmbare Ansiedlung sehen die Experten vor: 1500 Quadratmeter für Sportbekleidung und Schuhe, 2200 für Geräte und nur noch 300 für Fahrräder.

Auch alternative Standorte haben die Sachverständigen nach unternehmerischen und städtebaulichen Kriterien untersucht. Keiner sei allerdings besser geeignet als der vom Investor gewünschte Platz in Schutow. Glatter Aal: zu kleine Grundstücke und schlechte Einsehbarkeit. Werftdreieck: zu wenig zusammenhängende Flächenreserven. Gewerbegebiet Brinckmansdorf: nur wenige große Märkte in der Nachbarschaft. Auch der Vorschlag Neu Hinrichsdorf würde Abstriche bedeuten. Er sei zu weit abgelegen und liege nicht an einer wichtigen Verkehrsachse. Fazit: Die Stadt solle die Ansiedlung in Schutow weiterverfolgen. Bei einer Reduzierung auf 4000 Quadratmeter schließen die Gutachter eine Gefahr für bestehende Unternehmen aus.

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