Finanzierung für Eisenhüttenstädter "Dok-Zentrum" wackelt : DDR-Museum bangt um Existenz

<strong>Andreas Ludwig,</strong> Leiter des Dokumentationszentrums für Alltagskultur der DDR, posiert mit einer Schwalbe aus den 1960er-Jahren. <foto>Theo Heimann/dapd</foto>
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Andreas Ludwig, Leiter des Dokumentationszentrums für Alltagskultur der DDR, posiert mit einer Schwalbe aus den 1960er-Jahren. Theo Heimann/dapd

Das "Aha-Erlebnis" kommt beim Besuch des Dok-Zentrums für DDR-Alltagskultur in Eisenhüttenstadt von allein. Doch weil die Finanzierung wackelt, könnte mit dieser "Vergangenheit zum Anfassen" bald Schluss sein.

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26. Juni 2012, 11:10 Uhr

Eisenhüttenstadt | Das "Aha-Erlebnis" kommt beim Besuch des Dokumentationszentrums für DDR-Alltagskultur in Eisenhüttenstadt von allein. "Ob die Besucher aus dem Osten oder aus dem Westen stammen, sie kommen ins Staunen oder Grübeln", erzählt Museumsleiter Andreas Ludwig. Mehr als 650 Exponate werden gezeigt, die Arbeit und Freizeit, das DDR-Machtsystem und die Proteste dagegen illustrieren. Doch weil die Finanzierung wackelt, könnte mit dieser "Vergangenheit zum Anfassen" bald Schluss sein.

Die mühsam über Jahre zusammengetragene und katalogisierte Sammlung an Alltagsgegenständen aus der DDR-Zeit droht auf dem Müll zu landen. Sowohl die Stadt Eisenhüttenstadt als auch der Landkreis Oder-Spree wollen ab dem kommenden Jahr keinen Euro mehr für das "Dok-Zentrum", wie das Museum umgangssprachlich genannt wird, ausgeben. Seit 1993 teilen sich Kommune und Kreisverwaltung die jährlichen Kosten mit dem Land Brandenburg.

Bereits im Frühjahr dieses Jahres war bekannt geworden, dass das mit 54 Millionen Euro hoch verschuldete Eisenhüttenstadt seinen Zuschuss in Höhe von 76 700 Euro ab 2013 nicht mehr aufbringen kann.

"Wir möchten das Haus erhalten, können es aber nicht", machte Bürgermeisterin Dagmar Püschel (Linke) deutlich. Schon damals signalisierte die Kreisverwaltung, sich unter diesen Bedingungen auch nicht mehr an die bisherige Vereinbarung zur Kombi-Finanzierung zu halten und ihren Anteil in Höhe von jährlich 55 000 Euro ebenfalls zu streichen.

In einem Brief an Eisenhüttenstadts Bürgermeisterin bekräftigte Oder-Spree-Landrat Manfred Zalenga (parteilos) kürzlich diese Absicht, nicht ohne das "Dok-Zentrum" massiv zu kritisieren. "Wir waren davon völlig überrascht und können es nicht nachvollziehen", sagt Museumsleiter Ludwig, der die Kritik als "sachlich nicht gerechtfertigt" zurückweist. Unter anderem soll Zalenga dem Dok-Zentrum Untätigkeit vorgeworfen haben.

"Wir haben gerade eine überarbeitete Dauerausstellung eröffnet, machen jedes Jahr zudem eine Sonderschau, mit der wir auch durch die Republik wandern. Mit lediglich vier Mitarbeitern schaffen wir da also jede Menge", verteidigt sich der leitende Historiker.

Der Landrat bekomme jährlich einen "Sachstandsbericht", müsste über die Aktivitäten der Einrichtung informiert sein. Kritik hätte Zalenga in dem Zusammenhang "schon längst" einmal äußern können, meint Ludwig. Trotz aller Querelen hofft er noch auf ein Einlenken der Kreisverwaltung und auf ein klärendes Gespräch.

Landrat Zalenga hat jedoch derzeit "keinen Redebedarf", wie er auf Nachfrage ausrichten lässt. Und so bleibt das Schicksal des "Dok-Zentrums" bis auf Weiteres ungewiss. Denn auch das Brandenburger Kulturministerium hat bereits signalisiert, nicht für die anderen beiden Geldgeber in die Bresche springen zu wollen. "Wir sind am Erhalt des überregional bedeutsamen Dok-Zentrums interessiert, stehen auch aus Überzeugung weiter zu unserer Förderung", sagt Ministeriumssprecher Martin Sand.

Möglichkeiten einer Erhöhung der Landeszuschüsse gibt es seinen Angaben nach jedoch nicht. Allerdings würden derzeit Gespräche geführt, auch mit den bisherigen Partnern Kommune und Landkreis. "Ein abschließendes Ergebnis gibt es allerdings noch nicht", sagt er.

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