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Ernteeinbußen von bis zu 70 Prozent bei Getreide : Das wird ein teures Jahr für Landwirte

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Die lange Trockenheit wird zwar gerade von einer Regen- und Gewitterfront abgelöst. Doch die wenigen Liter Regen, die dabei fallen, ändern kaum etwas an der Situation in der Landwirtschaft.

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erstellt am 08.Jun.2011 | 05:43 Uhr

Brenz | Die lange Trockenheit wird zwar gerade von einer Regen- und Gewitterfront abgelöst. Doch die wenigen Liter Regen, die dabei fallen, ändern kaum etwas an der Situation in der Landwirtschaft. Die Bauern befürchten nach wie vor dramatische Ernteausfälle.

"Das wird vor allem ein teures Jahr für die Bauern", sagt Harald Elgeti, Geschäftsführer beim Kreisbauernverband. Auch die jüngsten Regengüsse veranlassen ihn nicht zu einer optimistischeren Einschätzung. Vor allem die Futterbaubetriebe unter den 480 Agrarunternehmen im Landkreis stünden unter Druck. Drei Mal im Jahr können die Landwirte Grünschnitt für Futter und Heu einfahren, doch schon der erste Schnitt vor Wochen brachte lediglich 30 bis etwa 70 Prozent eines normalen Erntejahres.

"Beim ersten Schnitt haben wir im Durchschnitt etwa 1000 Tonnen geerntet, sonst sind es zwischen 1500 bis 1600 Tonnen. Auch für den zweiten Schnitt erwarten wir da kaum Besserung. Die Wiesen sind zu trocken", sagt Hans-Dieter Schult vom Landerzeugerring in Brenz, der mit den Kollegen auf Regen im Juni und Juli hofft, so dass zumindest die dritte Futterernte besser ausfällt. "Das ist wirklich eine dramatische Entwicklung. Nun bekommen die Bauern mal wieder mehr Geld für Milch und Getreide, da vermasselt uns die Trockenheit ein schönes Ergebnis."

Zusammen mit 12 weiteren Landwirten führte Schult, er ist im Unternehmen für die Pflanzenproduktion zuständig, auf Einladung des Kreisbauernverbandes die zweite Flurbegehung dieses Jahres durch. "Rund 25 Liter sind im Durchschnitt im Mai pro Quadratmeter gefallen, im April waren es nur 18 Liter. Wir haben kaum Regen abbekommen. Von 2005 bis 2009 hatten wir im Jahresdurchschnitt etwa 793 Liter." Zahlen, die für sich sprechen.

Vor allem Futterbaubetriebe müssen ordentlich zukaufen, um ihre Milchkühe zu ernähren. Im Moment versuchen die Bauern Stroh aus anderen Teilen des Landes anzukaufen, das sich zufüttern lässt. Doch auch hier sind die Ernten schmal, die Preise hoch. Örtlich müsse man von Einbußen bis zu 80 Prozent ausgehen. Das Problem sei, dass die Ähren schon längst ausgebildet seien. "Die Pflanze hat das Signal bekommen, es gibt kein Wasser, und sie bildet weniger Körner aus", erklärt Schult. Weniger Halme, weniger Körner - was jetzt noch als Regen fällt, könne allenfalls noch die Körnergröße verändern.

Dass die Fallzahlen bei der Getreidequalität abstürzen, befürchtet Harald Elgeti angesichts der Wetterkapriolen. "Wenn es während der Ernte regnet und dann wieder die Sonne scheint, kommt es zum Zwiewuchs. Das sind Nebentriebe, die die Ernte behindern und die Qualität beeinträchtigen. Oftmals hat das Getreide dann keine Brot- sondern allenfalls nur noch Futterqualität."

Der Kreisbauernverband rechnet jedenfalls mit weiter deutlichen Ertragsverlusten bei Raps und Getreide. Aber auch Mais liege regional unterschiedlich in seiner Entwicklung zurück. Hans-Dieter Schult hofft zumindest, dass bei der anstehenden Maisernte mit einigen ordentlichen Regentagen noch etwas zu retten ist.

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