Das Weihnachtsland im Lilienweg

Die Bergmänner in dieser Pyramide sind selbstgeschnitzt. Sie entstanden in einem  Sommerurlaub am Balaton, wo die Familie zeltete. Barbara Haak
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Die Bergmänner in dieser Pyramide sind selbstgeschnitzt. Sie entstanden in einem Sommerurlaub am Balaton, wo die Familie zeltete. Barbara Haak

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24. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Wittenberge | Willkommen im Weihnachtswunderland. Wenn Brigitte und Karl-Heinz Kunde die Tür zu ihrem Haus im Lilienweg öffnen, dann steht man mitten drin, dann ist Weihnachten. Liebevoll und üppig haben sie die Räume geschmückt. Das Besondere: Viele der dekorativen Stücke hat Karl-Heinz Kunde selbst gefertigt. "Wir lieben das Fest, genießen die Adventszeit in vollen Zügen", sagen die beiden, die unumwunden zugeben, dass ihre Gedanken eigentlich das ganze Jahr über immer mal wieder um die Weihnachtszeit kreisen. Die Gedanken sind aber nur das eine. Karl-Heinz Kunde ist ein Mann der Tat. Hinter dem Haus hat der Vorruheständler seine Werkstatt, deren Herzstück ist die Drechselbank. Hier entstehen Pyramiden, Nussknacker. Lichterengel und -bergmänner, wie man sie aus dem Erzgebirge kennt. Mit ihnen schmückt Brigitte Kunde das Einfamilienhaus, wenn die Weihnachtszeit naht, arrangiert um die Weihnachtskrippen selbstgefertigte Tannenbäume, findet dekorative Plätze für die Lichterbögen, schafft Raum, damit auch noch der vom Ehemann geschaffene Nachbau der Seifener Kirche entsprechend wirken kann.

Lachend erzählt das sympathische Ehepaar, "Eine Woche brauchen wir in jedem Jahr, bis alle Dinge an ihrem richtigen Platz stehen", zu einem Wunderland gefügt sind.

Den Sommer verleben die meisten der Festaccessoires sicher verpackt auf dem Hausboden. In jedem Jahr sind nach dem Fest mehr Dinge zu verstauen. Karl-Heinz Kunde kann die Hände einfach nicht still halten. Kein Wunder, schließlich haben Ehefrau Brigitte und ihr Karl-Heinz noch so viele Ideen. Eine haben sich die Kundes zum diesjährigen Advent erfüllt: In ihrem Wohnzimmer steht eine neue Pyramide. Gut einen Meter hoch ist das weißlackierte Schmuckstück. Säulen und Kanten sind grün und goldfarben abgesetzt. Ein wahrer Hingucker, auf dessen sechs Etagen himmlische und weihnachtliche Figuren ihre Plätze gefunden haben. Eine Pyramide muss sich drehen. Selbstverständlich hat Karl-Heinz Kunde das bedacht. So akkurat und liebevoll, wie er die Pyramide gearbeitet hat, hat er auch die Kabel für den elektrischen Antrieb verlegt, oder besser gesagt versteckt. Die Pyramide ist perfekt. Das Vorbild dafür entdeckten Kundes im vergangenen Jahr bei einem Adventsausflug ins Erzgebirge.

Im Erzgebirge haben die beiden auch erfahren, welche Bewandtnis es mit den hölzernen Lichtgestalten hat. Für Töchter im Haushalt stellt man Lichterengel, für Söhne die Bergmänner ins Fester. Bei Kundes trifft man die ersten Lichtgestalten auf der Kommode in der Diele. Klein, ja zierlich nehmen sie sich gegen den mannshohen Nussknacker aus, der gleich neben der Treppe eine Art Wache hält. Karl-Heinz Kunde hat ihn gedrechselt. In dem Holzmann lebt ein Stück des alten Nussbaums vom Hof weiter.

1999 haben Kundes sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllt, sind aus der Neubauwohnung in die Blumensiedlung gezogen. "Unser Platz hat sich mehr als verdoppelt. Aber er wird zu Weihnachten trotzdem etwas knapp", scherzt das Ehepaar. In diesem Jahr ist die neue Pyramide zu berücksichtigen. "Wir haben alles genau geplant, damit auch der Weihnachtsbaum zu seinem Recht kommt", sagen die beiden. Wahrscheinlich wird die zweite große Pyramide im Wohnzimmer noch etwas zur Seite rücken müssen. Der Blick von Karl-Heinz Kunde ruht auf den Bergmännern, die auf der unteren Etage ihre Runden drehen. "Die Figuren haben wir damals am Balaton im Sommerurlaub beim Camping geschnitzt. Das Holz haben wir mitgenommen", erinnert er sich. Das Wir schließt Tochter Cornelia, damals noch ein Kind, ein. Zu jener Zeit lebte die Familie in der kleinen AWG-Wohnung. Schon dort im winzigen Keller hat Karl-Heinz Kunde in den Stunden nach Feierabend und an den Wochenenden mit Hingabe gewerkelt. Brigitte Kunde, die pensionierte Lehrerin erinnert sich an jene Zeit: "Manchmal, wenn ich sonnabends aus der Schule kam, hatte mein Man die Zeit völlig vergessen, obwohl er doch Mittagessen machen wollte." Die Zeit hat sich verändert. Karl-Heinz Kunde, der gelernte Diesellokschlosser aus dem Raw mit anschließendem Lehrerstudium, und seine Gattin sind im Ruhe- bzw. Vorruhestand. Nicht verändert hat sich das Interesse der Tochter am weihnachtlichen Schaffen des Vaters. Für die jüngste Pyramide in Weiß und Gold hat die künstlerisch begabte Tochter, die die Kleinower Grundschule leitet, die Winter- und Weihnachtsmotive am Rand in Szene gesetzt.

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