zur Navigation springen
Lokales

20. November 2017 | 13:06 Uhr

Das Wasser steigt und steigt und steigt...

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2011 | 08:08 Uhr

Boizenburg/Neuhaus/Dömitz/Wittenberge | An diesem Wochenende wird es ganz eng: Das Elbhochwasser bei Dömitz und Boizenburg hat gestern bereits den Pegelstand für die vierte und damit höchste Alarmstufe überschritten. Und das Wasser steigt weiter. Sogar die Rekordpegelstände von 2006 drohen am Wochenende überboten zu werden.

Katastrophenalarm wurde jedoch noch nicht ausgerufen. Die Verantwortlichen hoffen, nicht auf die Hilfe vom Technischen Hilfswerk oder der Bundeswehr zurückgreifen zu müssen. Die vergangenen Investitionen in die Deichanlagen hätten sich bezahlt gemacht, sagte der Ludwigsluster Landrat, Rolf Christiansen.

Der Fluss erreichte bis zum Nachmittag bei den Pegeln in Dömitz und Boizenburg die Marke von jeweils 6,59 Metern. Die Deiche seien allgemein durch die Ausbauarbeiten seit 2002 in einem sehr guten Zustand, sagte Andreas Bonin, Sprecher des Landkreises. An einigen Stellen seien Reparaturarbeiten nötig gewesen.

Trotz aller Vorsorge kam es gestern in Heiddorf/Amt Dömitz-Malliß zu zwei kritischen Situationen: Feuerwehrleute und der zuständige Zweckverband mussten einen zentralen Regenwasserkanal weitestgehend leer pumpen, um einen Gummibalg in den Ablauf zu pressen, und bis zum völligen Verschluss der Ableitung mit Luft zu füllen. Das glückte. Damit wurden die Einwohner einer Straße vor durchdrückendem Qualmwasser der Alten Elde bewahrt.

Einige hundert Meter weiter unterspülte abfließendes Elde-Hochwasser den neuen natürlichen Schutzdamm am Mühlenkraftwerk. Ob das sofortige Auffüllen des brei-weichen Schutzwalls mit Erdreich Erfolg haben wird, ist ungewiss. Versinkt das Erdreich in den Fluten, wird das schnell abfließende Eldewasser ungehemmt in zig Häuser und Gärten strömen.

In Rüterberg, wenige Kilometer von Dömitz entfernt, musste die Uferstraße gesperrt werden. Zusätzlich setzten Feuerwehrleute ein Schott in eine Durchfahrt zum mittlerweile völlig überfluteten Elbevorland. Das Wasser steht bereits bis zur Oberkante des Erdwalls.

Die Stadt Dömitz erwartet zudem noch eine andere Flut: Hochwassertouristen. Hotelzimmer sollen seit gestern ausgebucht sein. Hochwasserabwehrstab und Polizei weisen daraufhin, die Deiche nicht zu betreten und zu befahren.

In Boizenburg sind seit gestern früh die Deichwachen unterwegs. Rund um die Uhr laufen sie die Sude- und die Elbe-Deiche auf beiden Seiten ab, sammeln Schwemmgut ein und melden Sickerstellen. Reinhold Tiede, Ortswehrführer der Boizenburger Wehr, sagte aber auch: "Wir brauchen noch Freiwillige für die kommende Woche."

Gestern meldeten sich erste Boizenburger. Voraussichtlich bis Freitag werden die Deichwachen in Acht-Stunden-Schichten eingesetzt. Für Sonntag wird der Scheitelpunkt erwartet. Aktuell wird er mit 6,80 Meter vorhergesagt - vier Zentimeter über dem Scheitelpunkt beim Rekordhochwasser 2006. "Entscheidend ist aber nicht die Pegelhöhe", sagt Tiede. "Entscheidend ist die Dauer des Hochwassers". Je länger es gegen die Deichwände drückt, desto höher ist die Gefahr, dass die Deiche durchweichen und Wasser einsickert. Durch den andauernden Wasserdruck des hohen Pegels wird der Deich dann von Wasser unterströmt.

Bei Neu Kaliß wurde ein Deichabschnitt mit Sandsäcken verlängert, um eine Überflutung der nahe gelegenen Straße zu verhindern, und bei Dömitz musste eine abgerutschte Deichböschung gesichert werden.

Sorge bereitet den Elbeanwohnern das Hochwasser in den Nebenflüssen. Dadurch und durch den hohen Grundwasserspiegel habe es in mehreren Dörfern bereits vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen und Felder gegeben.

Zum Wochenende erwarten die Behörden den Höchststand der Elbe, danach sollen die Pegelstände allerdings langsam wieder sinken. "Bis Samstagabend rechnen wir in Dömitz mit 6,72 Metern, das wäre der höchste Stand, der dort je gemessen wurde", sagte Kreissprecher Andreas Bonin. Für Reparaturarbeiten seien in Malliß rund eine Million Sandsäcke gelagert, die bei Bedarf befüllt und ausgegeben werden könnten. Wach- und Kontrolldienste sind rund um die Uhr unterwegs.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen