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Lokales

25. September 2017 | 00:50 Uhr

Bützow : Das Spiel mit der Angst

vom

Auf einer Internetseite soll Margrid Zikarsky einen Vertrag abgeschlossen haben. Sie ist sich sicher, dass sie das nicht gemacht hat. Inkasso-Büro droht mit negativem Schufa-Eintrag.

svz.de von
erstellt am 14.Nov.2011 | 11:17 Uhr

Was soll ich damit machen? Diese Frage stellt sich die Bützowerin Margrid Zikarsky. In der Hand hält sie einen Brief vom Deutsche Zentral Inkasso, einem Inkassounternehmen, das vom Kammergericht Berlin zugelassen sei, wie der Absender zu verstehen gibt. Er fordert von Margrid Zikarsky 161,79 Euro. Für die Nutzung einer Internetseite und Mahngebühren. Dabei ist sich die Bütowerin sicher, dass sie die Angebote diese Seite im weltweiten Netz nie benutzt hat.

Wirklich nicht? Die Bützowerin ist sich sicher. Obwohl sie natürlich nicht sagen kann, was sie am 7. November 2009 um 10.36 Uhr wirklich gemacht hat. An jenem Tag, so geht es aus dem Schreiben des Inkassobüros hervor, soll Margrid Zikarsky die Internet-Seite my-downloads.de nicht nur geöffnet, sondern sich dort auch angemeldet haben. Das jedenfalls behauptet die Firma Premium Content GmbH, für die das Inkassobüro jetzt die angeblich berechtigten Forderungen eintreibt. Angeblich soll die Bützowerin bereits im Januar 2010 aufgefordert worden sein, 96 Euro für die Nutzung der Internetseite zu bezahlen. Da sie diesen Brief ignoriert habe, erhöhe sich jetzt diese Summe durch Mahnkosten, Verzugszinsen und Inkassogebühren auf die geforderten rund 160 Euro an.

Die Bützowerin ist kein Einzelfall. Wer ins Internet schaut, kann dort unzählige Erfahrungsberichte lesen, von Menschen, denen es ähnlich geht, wie Margrid Zikarsky. Sie alle sind sich meistens sicher, dass die Forderungen unberechtigt sind. Auch bei den Verbraucherschützern sind die beiden Firmen keine unbekannten und auch die Form des Vertragsabschlusses. Matthias Wins von der Neuen Verbraucherberatung in Rostock kennt die Maschen der Internetabzocke. "Warum soll jemand Geld für das Herunterladen von Programmen bezahlen, wenn er dieses Programm im Internet auch kostenlos erhält?", fragt der Verbraucherschützer. Außerdem würden seriöse Unternehmen im Rahmen des Vertragsabschlusses im Internet mehrmals nachfragen, ob der kostenpflichtige Vertrag wirklich gewollt sei. Der Bundesverband der Verbraucherschützer forderte bereits 2008 "einen besseren gesetzlichen Schutz vor der immer weiter ausufernden Abzocke durch untergeschobene Verträge im Internet". So müsse ein deutlicher Preishinweis direkt neben den Anmelde- oder Bestätigungsbutton stehe. Außerdem dürften "online geschlossen Verträge nur wirksam werden, wenn der Kunde sie mit einer gesonderten Mail ausdrücklich bestätigt".

Auf der aktuellen Seite von my-downloads.de findet sich zwar der Preishinweis. Doch Margrid Zikarsky ist sich sicher, dass sie keinen Vertrag abgeschlossen hat. Eine entsprechende Mail hat sie jedenfalls nicht erhalten oder verschickte. Was die Bützowerin aber verunsichert: Ihre persönlichen Daten, wie Anschrift und Geburtsdatum, sind dem Absender der Forderung bekannt. Verwunderlich ist aber die falsche E-Mail-Adresse.

Was ebenfalls verunsichert, der Hinweis darauf, dass "bei anhaltender Zahlungsstörung gerichtlich" die Forderung eingeklagt werde. Und das ein Vollstreckungsverfahren "gegebenenfalls einen Negativ-Schufa-Eintrag" bewirke. Zum Thema Schufa hat Matthias Wins eine interessante Neuigkeit für Verbraucher. Jeder kann einmal im Jahr eine kostenlose Schufa-Auskunft anfordern. "Das war bisher kostenpflichtig", so der Verbraucherschützer.

Zur Forderung des Inkassounternehmens sagt Wins: "Einige Kollegen raten, gar nicht darauf zu reagieren. Wir in MV sind der Auffassung, man sollte einmal einen Widerspruch schreiben und das als einfachen Brief absenden. Dann sollte aber auch Ruhe sein." Mehr Zeit und Kosten solle man nicht aufwenden, so der Verbraucherschützer. Die Verbraucherzentrale halte Musterbriefe für verschiedene Fälle bereit.

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