Das richtige Maß der Dinge

 Schulkomplexes 'Am Kamp'Kaum ein Bauwerk stellt so hohe Anforderungen wie eine Schule. Die MHB Planungs- und Ingenieurgesellschaft  schuf in diesem Sinne in Bad Doberan ein Haus mit hellen Wänden und einem lichtdurchfluteten Glaskörper, der die frühere Platten-Ästhetik vergessen macht. Bianca Schüler
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Schulkomplexes "Am Kamp"Kaum ein Bauwerk stellt so hohe Anforderungen wie eine Schule. Die MHB Planungs- und Ingenieurgesellschaft schuf in diesem Sinne in Bad Doberan ein Haus mit hellen Wänden und einem lichtdurchfluteten Glaskörper, der die frühere Platten-Ästhetik vergessen macht. Bianca Schüler

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07. April 2010, 08:05 Uhr

Schwerin | Backsteingotik - das ist ein Schlagwort, mit dem Mecklenburg-Vorpommern überregional auf sich aufmerksam macht. Doch die Hanse-Zeit, die historischen Kirchen und übers ganze Land verteilte Schlösser und Herrenhäuser sind nur eine Seite der Medaille. Denn auch ausgefallene Bauten schmücken die Weiten des Landes. Auf diese und die Vielzahl an Mischformen hat der Bund Deutscher Architekten sein Augenmerk gelegt. Alle drei Jahre vergeben sie einen Architekturpreis. Ausgezeichnet werden bemerkenswerte Werke zeitgenössischer Architektur und das erfolgreiche Zusammenwirken von Bauherr und Architekt.

Aktuelle Bauwerke aus den vergangenen fünf Jahren waren gefragt - und insgesamt 14 Architekten und Bauherren haben ihre Werke eingereicht. Eine reiche Auswahl für die Jury, die unter Leitung der Architektin Susanne Wartzeck zunächst fünf Favoriten auswählte, die dann einzeln aufgesucht und in natura betrachtet wurden. Zu den eingereichten Projekten zählten nicht nur moderne Neu-Bauten. Ein ungeliebtes architektonisches Erbe sind die Plattenbauten aus DDR-Zeiten. Die Gebäude haben in der Regel keine besonderen gestalterischen Qualitäten, verfügen aber über eine grundsolide Bausubstanz - und sind daher oft zu schade für einen Abriss. Als "Rohbau" bieten sie ein großes Potenzial für neue Architektur. Dies dachten sich auch die Architekten von von Bastmann+Zavracky. Sie reichten die Um- und Neugestaltung der Bundespolizei in Rostock ein. Auch klassizistische Bauten und bäderarchitektonische Elemente lassen sich in den eingereichten Unterlagen wiederentdecken.

Als absoluter Blickfang hat sich das Haus an der Ahrenshooper Dorfstraße herausgestellt. Das traditionelle Reetdach des Atelierhauses scheint sich verselbständigt zu haben - und dominiert das gesamte Gebäude, indem es sich über die Wände zum Boden zieht. Die eingereichten Arbeiten wurden von einer Jury aus Architekten, Bau-Experten und Journalisten genauestens begutachtet. In diesem Jahr wurde sie geleitet von der Architektin Susanne Wartzeck. Der Preis ist nicht dotiert, allerdings wird das ausgezeichnete Gebäude mit einer Plakette versehen.

Mit dem ersten Platz bei diesem Wettbewerb nominiert sich der Gewinner zugleich für einen Platz beim Bundeswettbewerb um die begehrte Trophäe "Große Nike". Doch nicht nur dem Landessieger winkt ein Platz beim bundesweiten Vergleich. Ein weiterer Teilnehmer wird heute bekannt gegeben, der sich ebenfalls um den "Nike"-Preis bewerben kann. Zur heutigen Preisverleihung im Ludwig-Bölkow-Haus haben sich unter anderem der renommierte Hamburger Architekt Hadi Teherani und Volker Schlotmann, Minister für Verkehr, Bau und Landesentwicklung, angekündigt. Hadi Teherani wird einen kleinen Ausblick auf die neusten Entwicklungen geben, er hatte das Bölkow-Haus mitgeplant. Auch Minister Schlotmann hat die Bedeutung moderner Architektur erkannt. Für heutige Architekten sei es eine Herausforderung, nicht nur historische Bauten entsprechend zu sanieren, sondern durch moderne Architektur Akzente zu setzen. "Denn der Charme unserer Städte und Dörfer ist nicht zuletzt dem Spannungsverhältnis von Alt und Neu zu verdanken", erklärte Schlotmann.

Professor Gerd Jäger, Vorsitzender des BDA MV geht weiter: "Architektur als kulturelle Größe ist ein entscheidender Wirtschaftsfaktor in unserem Bundesland." Wobei "Größe" bedeute, dass das richtige Maß der Dinge gefunden worden sei. Auf welches aktuelle Bauwerk das am meisten zutrifft, will die Jury des BDA heute bekannt geben.

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