Das Problem-Nashorn

Die verzögerte Ankunft von Nashorn Clara war schon oft Thema in unserer Zeitung.
Die verzögerte Ankunft von Nashorn Clara war schon oft Thema in unserer Zeitung.

Jeden Tag könne Nashorn Clara im Schweriner Zoo eintreffen, hieß es gestern aus dem Tiergarten. Die Probleme mit den Behörden in Südafrika, wo die vierjährige Rhinozeros-Dame noch immer in einem Quarantänelager weilt, seien jetzt ausgeräumt. Angekündigt hatte der Zoo das Eintreffen seines neuen Zuschauer-Magneten indes schon oft - und musste die Termine im vergangenen Jahr immer wieder kassieren. Doch die Zeit drängt. Schließlich soll auch Clara viele Gäste zur Bundesgartenschau locken, die in gut 100 Tagen beginnt.

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06. Januar 2009, 10:19 Uhr

Schwerin | Damit sich der Schweriner Zoo auch weiterhin an dem Euro päischen Erhaltungszuchtprogramm für Nashörner beteiligen kann, fehlt es dem Tiergarten an einer wesentlichen Voraussetzung: Eine Dickhäuter-Kuh, die mit dem Bullen Limpopo für Nachwuchs sorgen kann. Bekanntlich musste der Tiergarten im Oktober 2006 die Nashorn-Dame Natala an den Dortmunder Zoo abgeben, weil das Rhinozeros keine Kinder bekam. Auch die alte Nashorn-Anlage entsprach damals nicht den Anforderungen des ehrgeizigen Zuchtprogramms.

Zoo startete beispiellose Marketing-KampagneUm seinen Eigenanteil an den Kosten für eine Nashorn-Dame inklusive deren Transport nach Europa in Höhe von rund 32 000 Euro sowie das neue, etwa eine Million Euro teure Gehege aufbringen zu können, startete der Zoo eine in Schwerin bislang beispiellose Marketing-Kampagne - und löste in der Landeshauptstadt eine "Claramanie" aus. Fast 100 Clara-Figuren aus glasfaserverstärktem Polyesterharz wurden in den vergangenen Jahren zu einem Stückpreis von 1500 Euro insbesondere an Firmen verkauft, die den Modellen ihren individuellen Farbanstrich gaben und sie etwa bei der großen Clara-Parade am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2007 in Schwerin als attraktiven Werbeträger nutzten. Aber auch kommunale Unternehmen, Banken, Sparkasse, Krankenkassen und etliche Privatpersonen legten sich eines der zwei Meter langen und einen Meter hohen Clara-Modelle zu.

Gemeinsam mit dem Zoo fachte auch das Staatliche Museum die "Claramanie" an. Mit gutem Grund: Denn die Ausstellung von Jean-Baptiste Oudrys exotischen Tierporträts, die von April bis September vergangenen Jahres am Alten Garten gezeigt wurde, präsentierte auch das Hauptwerk des Künstlers: Ein Bildnis der Nashorn-Dame Clara, die schon lange zuvor von den Planern zur Namensgeberin des im Zoo so sehnlichst erwarteten Dickhäuters erkoren worden war. Um möglichst viele Gäste anzuziehen, wurde beispielsweise ein gemeinsames Ticket für Zoo besuch und Ausstellung, die "Clara-Card", aus der Taufe gehoben.

Probleme mit afrikanischen Behörden verzögern Ankunft Einen wichtigen Teilerfolg kann der Zoo bereits vermelden: Das neue Nashorn-Gehege, das langfristig sogar sechs Dickhäutern Platz bieten soll, ist seit Oktober 2008 fertig. Doch auf Clara müssen Limpopo und alle Tierfreunde noch immer warten. Immer wieder musste Zoo-Direktor Michael Schneider, der Clara im vergangenen Jahr zunächst für den Sommer, dann für den Herbst, später für die Weihnachtstage und schließlich zum Jahresende angekündigt hatte, seine Terminvorhersagen kippen.

Hintergründe für die Hängepartie: Von einem Hin und Her mit den südafrikanischen Behörden bezüglich der Ausfuhrpapiere sprach der Zoo. Tierschützer äußerten unterdessen Zweifel an der offiziellen Darstellung, dass das Nashorn "in Gefangenschaft geboren" sei. Tatsächlich schließt der Zoo mittlerweile nicht mehr vollständig aus, das Clara in freier Wildnis gefangen worden sein könnte.

Bis zur Buga muss Nashorn-Dame da sein Doch der Zoo verbreitet weiter Zuversicht: "Es kann sich nur noch um Tage handeln, bis Clara in Schwerin eintrifft", so Sprecherin Erika Hellmich gestern auf SVZ-Nachfrage. Alle Formalitäten mit den südafrikanischen Behörden seien geklärt. Dies sei jedenfalls ihr Wissensstand seitdem Zoo-Direktor Schneider vor dem Jahreswechsel in den Urlaub gegangen sei.

Fakt ist, dass die Zeit drängt. Denn das Gelände der im April beginnenden Bundesgartenschau soll auch von Clara-Modellen geschmückt werden. Da wäre es wenig Image fördernd, wenn das Original, das nach seiner Ankunft in Schwerin zunächst 60 Tage in überdachte Quarantäne muss, nicht im Zoo zu bewundern wäre.

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