"Das Leben hier ist eine Herausforderung"

Bützows Pastor Karl-Martin Schabow vor dem Pfarrhaus in der Kirchenstraße. Das rote Baksteingebäude aus dem 19. Jahrhundert. Die hohen Fenster lassen erahnen, wie hoch auch die Räume im inneren sind. Annemarie Gelse (3)
Bützows Pastor Karl-Martin Schabow vor dem Pfarrhaus in der Kirchenstraße. Das rote Baksteingebäude aus dem 19. Jahrhundert. Die hohen Fenster lassen erahnen, wie hoch auch die Räume im inneren sind. Annemarie Gelse (3)

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12. Juni 2010, 01:57 Uhr

Bützow | Pastor Karl-Martin Schabow sitzt auf einer kleinen Bank in seinem Arbeitszimmer. Selbst in einem Pfarrhaus aufgewachsen, ist der Bützower Pastor bereits dreimal umgezogen und lebt nun mit seiner Frau in der Kirchenstraße 4. "Die Pastoren haben Residenzpflicht. Das heißt, wenn sie eine Pfarrstelle besetzen, müssen sie mit ihrer Familie in dem dazugehörigen Haus wohnen", erzählt Pastor Karl-Martin Schabow. In einem dieser Häuser zu wohnen, sei eine Herausforderung. "Die Großzügigkeit der Häuser ist toll, hat aber auch Nachteile. Die Größe der Häuser und die Höhe der Zimmer, dieses Gigantische ist nicht veränderbar", sagt Karl-Martin Schabow.

Ein Pfarrhaus ist das Zuhause der Kirchgemeinde. Diese geistlichen Häuser sind für Pastoren und ihre Familien errichtet worden. Die Türen stehen für jedermann rund um die Uhr offen. Nach dem zweiten Weltkrieg dienten sie als Zufluchtsorte für viele Flüchtlinge und Heimatlose. Was passiert heute mit den Pfarrhäusern in Mecklenburg?

In jedem Dorf, in dem eine Kirche steht, gibt es auch ein Pfarrhaus. In Mecklenburg stehen 330 Pfarrhäuser, zu denen auch Mietshäuser mit Gemeinderäumen gehören. In 200 der Häuser wohnen Pastoren. In der Reformationszeit wurde in der evangelischen Kirche das Zölibat aufgehoben. Ab 1520 konnten die evangelischen Theologen heiraten und mit ihren Familien in Pfarrhäusern leben. Heute werden Kirchgemeinden zusammengelegt, Pfarrhäuser sind überflüssig. Die Kirchgemeinde Baumgarten hat drei Pfarrhäuser. Pastorin Helga Müller wohnt im Pfarrhaus in Baumgarten. Für die Häuser in Zernin, in dem es zwei Gemeinderäume gibt, und Qualitz wurde ein Erbbaurecht erstellt. "So können die Gebäude privat genutzt werden, aber das Grundstück gehört weiterhin der Kirche", erklärt Jürgen Zechow von der Kirchenkreisverwaltung in Waren. Eingetragene Vereine oder Privatleute könnten ein Erbbraurecht beantragen. "Das wird aber nur gemacht, wenn keine Möglichkeit gesehen wird, dass die Häuser wieder mit Pastoren besetzt werden könnten", so Zechow. Wenige Pfarrhäuser, wie in Tarnow, stehen leer. "Und ganz selten wird ein Pfarrhaus, wie in Moi sall, verkauft", so Jürgen Zechow.

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