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Lokales

12. Dezember 2017 | 22:46 Uhr

Das Leben der alten Germanen

vom

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erstellt am 14.Jun.2011 | 04:59 Uhr

Klein Köris | Pferdekoppeln, alte Dorfkaten und am Horizont glitzert der Klein Köriser See in der Frühlingssonne. Die Gegend am Rande des Naturparks Dahme-Heideseen ist eine Idylle, in der man zur Ruhe kommen kann. Doch nur wenige Ausflügler wissen, dass am Köriser Ortsrand einst archäologische Schätze gehoben wurden. "Hier stand im 2. bis 5. Jahrhundert ein germanisches Dorf. Die Siedlung war rund 250 Jahre lang bewohnt", berichtet Michael Böhm vom Verein "Freilichtmuseum Germanische Siedlung". Vor genau 40 Jahren fanden Bodenkundler hier erste Hinweise auf Gebäude unserer Vorfahren. "Damals war das eine kleine Sensation", so Böhm.

Als Meisterleistung gilt mittlerweile die Arbeit des Fördervereins, der die historische Siedlung gemeinsam mit Fachfirmen zu einem Großteil wieder aufbaute. In Brandenburg ist das in dieser Form einmalig, da alte Wohn-Stall-Häuser, Brunnen und Backöfen auf den Original-Grundrissen neu entstanden. "Dieser Acker atmet Geschichte", sagt Rene Kacza, freiwilliger Helfer des Vereins, etwas pathetisch. Bis zu 50 Menschen lebten seinen Worten nach einst im Germanendorf. Karge Böden hätten vermutlich zur Aufgabe der Besiedlung geführt. "Der Rückzug fand seinerzeit offenbar geordnet statt", ergänzt Michael Böhm. Zu seinem Bedauern war die germanische Hausfrau wohl sehr gründlich und ordnungsliebend. "Zumindest fanden wir bislang nur wenige Überbleibsel aus Heim und Küche. Viel haben sie nicht liegen lassen", schmunzelt der gebürtige Zwickauer.

An jedem ersten Sonntag im Monat kann die Anlage besichtigt werden. Kürzlich beteiligte sich das Freilichtmuseum an der "Langen Nacht der Museen". Die schilfgedeckten Gebäude wurden verschiedenfarbig illuminiert. Noch nachts um ein Uhr konnten Gäste mit Hilfe eines Lichtkegels den germanischen Kräutergarten bestaunen. Michael Böhm zeigte Besuchern auch das Grubenhaus, in dem einige Stufen abwärts eine angenehme Kühle herrscht. "Das war sozusagen der Vorläufer der Klimaanlage", erklärt er zwei Gästen im Teeniealter. Die jungen Leute zeigten sich schwer beeindruckt: "Ich staune, was die alles drauf hatten. Perlen anfertigen und Stoffe färben konnten sie auch schon. Dumm waren unsere Vorfahren jedenfalls nicht", so ein 14-Jähriger aus Storkow.

Dann ging es weiter ins Wohn-Stall-Haus, in dem Germanen mit ihren Tieren einst unter einem Dach lebten. Über dem simulierten offenen Feuer hängt ein angefeuchtetes Schafsfell. "Das diente mal als Funkenfang vor dem darüberliegenden Schilfdach", erklärt Michael Böhm. Die Wände zieren Wildfelle und Hirschgeweihe. In einer Ecke stehen Arbeitsgeräte, darunter eine Getreideschaufel aus Holz. "Das Leben fand aber grundsätzlich draußen statt - bei Wind und Wetter", erläutert ein anderes Vereinsmitglied. Dann deutet Michael Böhm auf zwei Backöfen, so wie sie hier vor über 1500 Jahren tatsächlich einmal standen.

Die Finanzierung des Wiederaufbaus gestaltet sich nach Vereinsangaben schwierig. "Für unser Projekt stehen leider nur geringe Geldmittel zur Verfügung stehen", seufzt Michael Böhm. Im Vorjahr gab es vom Landkreis 600 Euro, in diesem Jahr 1000 Euro. Ohne ehrenamtliches Engagement vieler Märker und dem Sponsoring von Firmen würde nichts laufen, erklärt der Mann aus Niederlehme.. Dann läuft Böhm rüber zum gerade im Bau befindlichen Sechs-Pfosten-Speicher, in dem Germanen einst Gerste, Hirse und Bohnen lagerten. Schließlich berichtet der Mann mit dem zum Zopf gebundenen langen Haar noch über einen weit gereisten Gast aus Kalifornien und den frühesten Besucher, der einmal um 6.45 Uhr vorm Eingang stand. Zu tun gibt es auch in Zukunft noch jede Menge, ist vom Verein zu hören. Das zwischen 1976 und 1995 erkundete Germanendorf sei zu 75 Prozent archäologisch erschlossen. Freizeit-Bodenkundler Böhm: "Hier alles zu erforschen, schaffen wir vielleicht erst im nächsten Leben."

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