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Alpincenter Wittenburg : Das lange Warten auf den Neubeginn

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Wieder einmal steht das Alpincenter am Scheideweg. Diesmal geht es nach dem Kauf des Komplexes durch die „Van-der-Valk-Gruppe“ um den Neubeginn des Projektes. Die neuen Besitzer sitzen vorerst in der Klemme.

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2011 | 07:43 Uhr

Wittenburg | Unvorstellbare 15 000 Tonnen Schnee und Eis liegen seit Monaten bei minus zwei Grad sicher in der dunklen Wittenburger Skihalle. Wann dort wieder Skifahrer auf frischer Piste ihre Kurven ziehen können, das weiß auch beim Alpincenter derzeit niemand so genau. Und das ist keine Ausrede.

Selbst Bob van den Nieuwenhuijzen, der Verantwortliche der Van-der-Valk-Gruppe, weiß es nicht. Er weiß nur, dass die 30 000 Kubikmeter wohl nicht abgetaut werden müssen, um die Halle zu reparieren. Ein Glück, wenn man die ganze Halle abtauen würde und sie neu mit Schnee befüllen müsste, würde allein das eine Million Euro kosten.

Manager Bob ist trotz seines jungen Alters ein meist in sich ruhender Mensch. Doch im Gespräch im Hotel neben der schlafen geschickten Riesenhalle ist ihm anzusehen, wie sehr er sich ärgert, nichts Genaueres sagen zu können, vertrösten zu müssen. Denn jeden Tag, den die Riesenhalle mit all ihren angeschlossenen Einrichtungen eher öffnet, ist bares Geld wert. Doch es geht derzeit um viel mehr als nur um Geld. Es geht um den Ruf der Gruppe, es geht um Versprechungen, Pläne, Erfolg. Denn die Zeiten, da man als Mieter auf die Besitzer oder die zögerlichen Banken verweisen konnte, die sind nun vorbei. Jetzt muss geliefert werden, und das weiß die Truppe.

Die erste Hürde ist dabei die Sanierung eines Teils der Halle. Dort, wo der Riesenwurm der Skipiste auf der Erde liegt, dort hat die Isolierung der Halle völlig versagt, hat sich der Frost metertief in den Boden gefressen und die Konstruktion um etliche Zentimeter angehoben. "Wir werden das ordentlich und vernünftig reparieren, damit wir nicht noch einmal schließen müssen", gibt Nieuwenhuijzen immerhin preis.

Keine Reparatur ohne Risiko

Mehr jedoch nicht, denn alles andere ist offen. "Es kann schnell gehen oder auch dauern, deswegen sprechen wir ja von einem Zeitraum von März bis Mai, in dem wir wieder aufmachen wollen", hilft der Sprecher der Gruppe, Volker Wünsche, seinem Chef aus. Im Gespräch wird schnell klar, dass es den Reparaturplan wohl noch nicht gibt und auch noch Überraschungen nach Sanierungsstart jederzeit möglich sind. Kein Wunder, die Halle ist gute 120 Meter breit und wird von einem Stahlskelett getragen. Da kann das Lösen einer Schraube in der einen Ecke schon Folgen an der anderen Ecke haben. Zudem gibt es wenige Vergleichsobjekte in der Größe und mit den Temperaturunterschieden. Die Statiker tun sich schwer. Die Grundidee scheint klar: Neu isolieren, eine Heizung rein, den Boden sehr langsam auftauen, damit es nicht zu neuen Verschiebungen kommt. Es wird kompliziert und es kann dauern.

Wettlauf der Medien um die schnellste Nachricht

Volker Wünsche, als Sprecher und Vertrauter in der Valk-Gruppe, ist selten um ein Wort verlegen, merkt den Druck von außen immer als erster. "Es gibt inzwischen so eine Art Wettlauf der Medien im Land, was uns betrifft. Wir stehen ständig unter Beobachtung, nichts bleibt unkommentiert. Dabei ist eigentlich alles klar, die Gruppe hat gekauft, sie hat viel vor, hier in Wittenburg, doch jetzt brauchen wir vor allem Zeit und Ruhe, damit wir wieder starten können."

Zu lange darf es aber auch nicht dauern, schon der Mitarbeiter wegen. Die sitzen, es sind mehr als 200, bei Kurzarbeit Null zu Hause und warten sehr lange schon auf den Neustart. Der ist seit der Schließung am 7. August immer wieder verschoben worden. Erst war von zwei Monaten die Rede, dann vom Dezember, der Poker um den Verkauf begann und jetzt läuft die Zeit. "Wir brauchen unsere Leute dringend, vor allem für den Neustart. Wir versuchen, vor allem über die Abteilungen möglichst Kontakt zu allen zu halten, doch es ist schwer, so lange Geduld zu haben", weiß Wünsche. Erst in dieser Woche gab es ein Meeting der Projektmanager mit allen Abteilungsleitern.

Für den Manager Bob, der die 30 noch lange nicht erreicht hat, ist es besonders schwer in diesen Tagen. Überall wird er angesprochen, jeder fragt, viele wünschen Glück, doch Konkretes kann er im Moment nicht liefern. Er spricht von "so schnell wie möglich", will, sobald etwas Genaues vorliegt, die Öffentlichkeit informieren. Doch das kann dauern.

Für den jungen Holländer, dem eine große Zukunft und auch eine künftige Führungsrolle in der Gruppe nachgesagt wird, ist Wittenburg spätestens jetzt zur wichtigen Bewährungsprobe geworden. Natürlich sind die Erwartungen hoch, mit denen haben die Holländer in den vergangenen Monaten immer wieder gern gespielt. Vom Freizeitpark war da die Rede, auch von einer Schwimmhalle mit Spaßbad, einem Einkaufszentrum. Doch das könne man ja nur machen, wenn man gekauft habe.

Jetzt wurde gekauft, jetzt gibt es kein Pokerspiel mehr. Das hatte es auch schon vor der Schließung gegeben, als vor allem die Medien immer wieder genaue Besucherzahlen wissen wollten. Doch da blockte die Van-der-Valk-Gruppe, weil sie den hochgejubelten Zahlen ihrer Vorgänger nicht traute. Nach einem Jahr gab es dann immerhin die Nachricht, man habe es mit der Skihalle, wenn auch nur knapp aus der Verlustzone in die schwarzen Zahlen geschafft.

Die Skihalle allein wird künftig nicht reichen

Doch mit der Skihalle allein, auch wenn sie die größte in Europa ist und auch von den alpinen Spitzensportlern geliebt wird, werden die neuen Besitzer nicht glücklich werden. Dafür ist die Zahl der Skifahrer im Lande zu klein, dafür ist Hamburg zu weit und die Konkurrenzhalle in Bispingen zu nah.

Das alles wissen die Holländer. Doch sie haben nicht nur die Halle, sondern auch noch weitere 29 Hektar drumherum bekommen, in Sichtweite der A 24. Und sie haben die Vision von einem Freizeitpark, der für alle etwas bereithält und in dem es auch weiterhin die Skihalle geben wird.

In Linstow schon mal Unmögliches gemeistert

Zweifler gab es immer und auch die, die das Scheitern des Riesenprojektes schon immer geahnt oder gewusst haben. Doch die Holländer haben schon einmal bewiesen, dass sie an schwierigen Standorten fast Unmögliches leisten können. Linstow an der A 19, dort stampften die Holländer 2500 Übernachtungsmöglichkeiten aus der Erde, und der Park auf dem flachen Land läuft. Jetzt wird dort sogar über den Bau eines großen Vergnügungsparkes nachgedacht.

Wittenburg, daran lassen Nieuwenhuijzen und Sprecher Wünsche keinen Zweifel, soll eine ähnliche Erfolgsgeschichte werden. Ausgeschlossen ist nichts, vor allem nicht eine Schwimmhalle. Die nächsten, vernünftigen Becken sind weit weg. Selbst Schwerin hat derzeit in Sachen Hallenbad wenig zu bieten, einzig das Wonnemar in Wismar ist nah. In Richtung Osten liegt das nächste Bad in Güstrow, in die andere Richtung gibt es erst Schwimmbäder in Lüneburg und Mölln. Anders als an der Ostseeküste wäre in Wittenburg der Markt für ein derartiges Bad folglich da.

Treffpunkt für Skifahrer aus dem ganzen Norden, für Tagungstouristen, für kleine und große Feiern, Winterquartier der Disko "A 24", Treff der Quadfahrer, Kletterer, Abenteuerspielplatz für Kinder, Ort für größere Konzerte und noch vieles mehr soll Wittenburg bald werden. All das soll kommen, niemand kauft eine Halle für Millionen, um sie dann verkommen zu lassen. Nur beweisen können es die Holländer derzeit nicht, denn noch ruht ihre Riesenkühltruhe im Dunklen.

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