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Lokales

22. November 2017 | 08:32 Uhr

Das Ende der Fahnenstange

vom

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2010 | 01:59 Uhr

Rostock | Das strukturarme Mecklenburg-Vorpommern hat sich nach der Wende zu einer Reisehochburg gemausert und ist mit seinen Übernachtungszahlen - zum Schrecken der Mitbewerber - zu Deutschlands beliebtester Sommerurlaubsregion geworden. Nach dem langen Winter und einem teils verregneten Sommer wird nun für 2010 aber mit einem Minus gegenüber der Rekord saison 2009 gerechnet, als 28,5 Millionen Übernachtungen registriert worden sind. Doch solche kleineren, meist wetterbedingten Schwankungen sind einkalkuliert. Problematischer könnte es in einigen Regionen werden, wo es bereits Anzeichen von Massentourismus gibt. Es geht um qualitative Entwicklung, gibt der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Bernd Fischer, die Richtung vor. "Trotzdem sollten wir mittelfristig über die Zahl von 30 Millionen Übernachtungen nachdenken."

Die Steigerung sei vor allem in der Vor- und Nachsaison zu erreichen. Dazu würden zum Beispiel noch weitere Radwege sowie Wellness- und Gesundheitseinrichtungen benötigt. Zu den im Sommer stark frequentierten Regionen gehören die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst sowie Usedom und Rügen, auch wenn diese als größte deutsche Insel über viel Platz für die Gäste verfügt. Die Nadelöhre sind die überlasteten Verkehrsanbindungen.

Eine wesentliche Rolle spielt die Bahn

"Das kostet uns Gäste und Wachstum", weiß der Geschäftsführer der Tourismuszentrale Rügen, Ralf Hots-Thomas. Er geht von "Hunderten von Gästen" an jedem Wochenende aus, die auf eine Rügen-Reise verzichten.Viele Touristen, die schon stundenlang im An- beziehungsweise Abreisestau standen, kämen erst wieder, wenn diese Probleme beseitigt sind. Hots-Thomas hofft, dass sich die Probleme mit dem Ausbau der Bundesstraße 96n abschwächen oder sogar auflösen. Zudem gebe es im kommenden Jahr wieder weitere Optionen wie etwa den Rügendamm. "Wir brauchen dringend alternative Konzepte", forderte dagegen der Tourismusexperte an der Fachhochschule Stralsund, Werner Gronau. Eine wesentliche Rolle spiele die Bahn, die Urlauber aus entfernten Regionen heranbringt. "Wir müssen darüber nachdenken, wie dieses Bahnangebot auf den Inseln vernetzt werden kann." Denkbar sind laut Gronau Shuttledienste oder Ruf- und Sammeltaxis. Andere deutsche Feriengebiete hätten gezeigt, dass Autofreiheit ein Gewinn für alle sein kann und auch als Alleinstellungsmerkmal diene. Die Touristiker müssten an die älter werdenden Gäste denken, die nicht mehr mit dem Auto in Urlaub fahren können oder wollen.

"In dieser Saison wurden uns die Grenzen gezeigt, die Kapazitäten waren zum Teil erschöpft", sagte Irina Kitzing, Geschäftsführerin des Verbandes Mecklenburgische Ostseebäder. In diesem Sommer seien die rund 40 000 Betten zu nahezu 100 Prozent belegt gewesen. Sie hofft nun darauf, dass mit den neuen Flugverbindungen nach Rostock-Laage mehr Gäste in der Vor- und Nachsaison in die Region zwischen Boltenhagen und Graal-Müritz kommen, um die zahlreichen Wellness- Angebote zu nutzen. Sie geht zwar wie Fischer davon aus, dass noch weitere Betten dazukommen. Aber da seien die Entscheider in den Kommunen gefragt, damit die Kapazitäten nicht so weit ausgedehnt werden, dass es in Richtung Massentourismus geht. Von diesem Massentourismus ist die Mecklenburgische Seenplatte zwar weit entfernt, dennoch möchte Verbandsgeschäftsführerin Andrea Nagel den Bau weiterer großer Hotels nicht fördern. "Wir müssen unbedingt einen Schlussstrich ziehen." Es gebe zwar noch einige Planungsvorhaben für große Hotels, aber darüber hinaus dürfe es nicht gehen. Bei privaten Übernachtungen gebe es dagegen noch Kapazitäten.

Sie möchte lieber die Schwächen der Region beim Gesundheitstourismus ausgleichen, da erwarte der Gast, dass "lebendige Angebote" gemacht werden - außerhalb der Hochsaison und beim Kurzurlaub.

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