Das Eichensterben beginnt

Foto: Patrick Pleul dpa
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19. Juni 2012, 06:25 Uhr

Prignitz/Karstädt | Der Eichenprozessionsspinner wird zunehmend nicht nur für den Menschen zu einer Gefahr, sondern auch für Waldbesitzer. Darauf macht aufmerksam. Er besitzt im Gadower Forst größere Eichenbestände. "Auf 70 Hektar sind bei mir Eichen geschädigt, die 130 Jahre, manche gar 140 Jahre alt sind", sagt Wilamowitz.

Da die Raupen mehrere Jahre nacheinander die Bäumen befallen hätten, könnten diese sich nicht mehr generieren. "Ich schlage totes Holz", so der Eigentümer. Der finanzielle Verlust sei hoch für ihn, da das Saatgut solch alter Eichen stark nachgefragt sei. Wilamowitz klagt die zuständigen Behörden an: "Sie ziehen sich aus der Verantwortung, verstecken sich vor dem, was in unseren Wäldern passiert."

Auch beim Naturschutzaspekt werde aus seiner Sicht mit zweierlei Maß gemessen. In streng geschützten Bereichen wie ausgewiesenen Kernzonen darf der Spinner nicht bekämpft werden, obwohl das zugelassene Insektizid keine anderen Tiere schädigt. "Aber wenn 140-jährige Eichen absterben, interessiert das den Naturschutz nicht. Wer soll das verstehen." Aus seiner Sicht muss es endlich gelingen, nicht länger über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten, sondern dieses endlich umsetzen. Eine konzentrierte, von Experten begleitete Aktion sei nötig, um zum richtigen Zeitpunkt den Schädling zu bekämpfen.

Dass Wilamowitz nicht allein betroffen ist, bestätigt Holger Galonska, langjähriger Oberförster in Gadow und seit Januar Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz. Ihr gehören rund 150 Waldbesitzer mit einer Gesamtfläche von etwa 5000 Hektar an. "Der Befall mit den Raupen ist in diesem Jahr stärker, als je zuvor. Wer etwas anderes sagt, blendet die Realität aus", so Galonska. Er selbst habe Waldarbeiter aus Eichenbeständen abgezogen, weil ihr Einsatz gesundheitlich nicht zu vertreten war. "Wir sollten Eichenpfähle schlagen, mussten die jetzt anderswo besorgen."

Waldbesitzer hätten die Nase voll. "Viele werden ihre Eichen schlagen. Das ist eine traurige Entwicklung, denn eigentlich brauchen wir diesen Baum in unseren Wäldern", sagt Galonska. Eine Alternative gebe es nicht. "Die Eichen hatten sich erholt, weil wir in den vergangenen Jahren wieder mehr Niederschläge hatten. Doch jetzt sind viele Bäume trocken." Dieses Eichensterben sei die Folge eines wiederholten Kahlfraßes durch den Prozessionsspinner und anderer Schädlinge, die die geschwächten Bäume befallen.

Wenn die Behörden nicht aufwachen, werde das Eichensterben in der Prignitz weiter gehen. "In diesem Jahr war die Bekämpfung in keinster Weise abgestimmt und damit nicht effektiv", wirft Galonska den zuständigen Amtsstuben vor.

In Karstädt ist man aufgewacht. Die Gemeinde ließ von einer Spezialfirma die Gespinste des Schädlings von zirka 30 Bäumen am Schwimmbad und einem Baum an der Grundschule absaugen. "Gleiches wollen wir am alten Verwaltungsgebäude in der Straße des Friedens tun", informiert Ordnungsamtsleiter Sven Steinbeck. Aus anderen Dörfern seien bisher keine Bedarfsmeldungen eingegangen.

Auch ihn stelle das nur punktuelle Vorgehen gegen den Schädling nicht zufrieden. "Was durch die Kommunen, die Kreisstraßenmeisterei und den Landesbetrieb gemacht wird, ist nur Stückwerk und kann nicht zufriedenstellen. Um wirklich Erfolg zu haben, müssten die Maßnahmen zentral vom Land gesteuert werden", sagt er. Erschwerend hinzu komme der hohe bürokratische Aufwand für den Einsatz von Spritzmitteln.

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