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Lokales

19. Oktober 2017 | 04:00 Uhr

Das Darwineum gerät in Verzug

vom

svz.de von
erstellt am 20.Apr.2011 | 09:13 Uhr

Gartenstadt | Schon wieder Wirbel um das Prestigeprojekt im Rostocker Zoo: Der Bau des Darwineums ist in Verzug geraten, die Eröffnung wird sich um mindestens drei Monate auf den Sommer 2012 verschieben. Das hat Direktor Udo Nagel gestern bestätigt. Und damit nicht genug: Auch die Kosten schnellen in die Höhe – vor allem, weil zurzeit die Materialpreise kräftig anziehen. Am Dienstagabend trat deshalb der Aufsichtsrat zusammen und beriet eine Umschichtung der Kreditlinien.

Damit der Zoo die anstehenden Mehrkosten abfedern kann, soll er demnach seinen Kreditrahmen um 1,5 Millionen Euro erweitern. Maximal stünden so 4,4 Millionen Euro als Eigenanteil zur Verfügung, statt ursprünglich geplanter 2,9 Millionen Euro. „Wichtig ist aber, dass für die Stadt und das Land dadurch keine Mehrkosten entstehen“, sagt Nagel. Das Risiko steigender Kosten trage der Tiergarten allein. Das Land Mecklenburg-Vorpommern und der Bund fördern das Darwineum aus EU-Mitteln mit 23 Millionen Euro. 1,1 Millionen Euro stammen aus Spenden, die die Rostocker bei der mehrjährigen Aktion „Schafen für die Affen“ aufbrachten.

Teile der anfallenden Kosten will der Zoo auf 2012 verlagern, sodass sie für das laufende Jahr nicht mehr angerechnet würden. Der Aufsichtsrat beschloss am Dienstag in diesem Zusammenhang auch eine Absenkung des Vorfinanzierungskredits. Er soll von fünf auf zwei Millionen Euro zurückgefahren werden. Aufgenommen hatte ihn der Zoo, weil er Handwerker- und Materialrechnungen zunächst selbst bezahlen muss und das Geld erst später vom Land erstattet bekommt. Diese Verschiebung der Verbindlichkeiten mit niedrigerer Vorfinanzierung und höheren Langzeitkrediten ist laut Nagel „eine Absicherung, eine Vorsichtsmaßnahme für die Zukunft“. Um die umgewandelten Kredite in einer einzigen Verbindlichkeit übersichtlicher zusammenzufassen, wurde Nagel vom Aufsichtsrat dazu bevollmächtigt, Verhandlungen mit den Banken aufzunehmen. „Die Gesamtfinanzierung wird dann in einem Kredit abgefasst“, sagt er.

Aufsichtsratsmitlied Prof. Wolfgang Methling (Linke) hält das neue Finanzierungsmodell für sinnvoll: „Es ist notwendig, um die Beweglichkeit der Finanzierung langfristig zu sichern.“ Dafür seien Wirtschaftsausgaben vorerst eingespart und anstehende auf das kommende Geschäftsjahr verschoben worden. „Ich habe keine Bedenken. Die Handlungsfähigkeit ist dadurch gegeben“, sagt Methling. Aufsichtsratsmitglied Dr. Sibylle Bachmann (Rostocker Bund) sieht die Notwendigkeit gegeben, das Kreditvolumen an Preissteigerungen anzupassen: „Die jetzigen Kredite werden nicht auf Eis gelegt, sondern zu einem Gesamtpaket zusammengefasst.“ Ob der erhöhte Darwineumskredit von 4,4 Millionen Euro letztlich vollständig in Anspruch genommen werden muss, stellt Bachmann zudem in Frage. „Er ist eine Absicherung für den Zoo. Aber ob er tatsächlich gebraucht wird, ist noch unklar“, sagt sie. Das hänge von den schwankenden Materialkosten ab. Zuletzt hatte der Konjunkturaufschwung hier für einen Anstieg gesorgt. „In den Ausschreibungen waren die Rechnungen teilweise anders ausgelegt, als wir zuvor angenommen hatten“, sagt Nagel. Das so etwas passiere, sei nicht absehbar gewesen. Nagel trat Bedenken der Bürgerinitiative „Rettet den Barnstorfer Wald“ entgegen, der Zoo habe sich mit dem Projekt übernommen. „Eine nachträgliche Umplanung würde das Aus für das Darwineum bedeuten“, sagt er. Ein Affenhaus allein würde nicht gefördert werden. Die Zuschüsse beinhalteten den kulturellen und touristischen Ausbau des Standortes.

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