Liebe unter Männern F : Das Coming Out fällt vielen immer noch schwer

Liebe unter Männern Foto: archiv
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25. März 2011, 12:50 Uhr

Güstrow | "Jedes Mädchen möchte einen schwulen besten Freund - sie verstehen dich, können super Modetipps geben und verlieben sich nicht in dich", ist Johanna Prey, ehemalige Schülerin des Brinckmangymnasiums Güstrow, überzeugt. Ein Satz, der bereits vielen bekannt ist und zeigt, dass Homosexualität anscheinend in der deutschen Gesellschaft akzeptiert ist.

Homosexualität weitgehend akzeptiert

Homosexualität wurde in unserer Gesellschaft lange Zeit verachtet und homosexuelle Handlungen sogar bestraft, denn diese Art von Sexualität verstieß gegen ethische, moralische und christliche Werte. Bis 1994 gab es den Paragrafen 175, der sexuelle Begegnungen zwischen Männern verbot. Durch kontinuierliche Aufklärung hat sich das Bild gegenüber Homosexuellen verändert. Homophobe Anfeindungen haben im Vergleich zu 20 Jahren zuvor stark abgenommen. Diskriminierungen von Schwulen werden in unserer Gesellschaft immer häufiger geächtet. Dennoch sind Homosexuelle eine Randgruppe, die aber zum größten Teil bereits akzeptiert und anerkannt wird.

Auch in der deutschen Politik sind bekennende Homosexuelle mittlerweile in Führungspositionen, wie zum Beispiel Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit oder Außenminister Guido Westerwelle. Ein Beispiel aus dem Showgeschäft ist Elton John, britischer Sänger, Komponist und Pianist. Am 21. Dezember 2005 ging er die eingetragene Lebenspartnerschaft mit seinem Lebenspartner David Furnish ein - damit waren sie das erste britische Paar mit solch einer Vereinigung. Seiner Karriere schadete seine Neigung keineswegs. Im Sport war Homosexualität lange Zeit ein Tabu. Die bekennende Lesbe Judith Arndt, eine der erfolgreichsten Radprofis Deutschlands, gewann 2004 die Silbermedaille in Athen.


Unterschiede zwischen Großstadt und Land

Auch der Güstrower Martin Schlünz, selbst schwul, ist der Meinung, dass Homosexualität mittlerweile "mehr oder weniger in unserer Gesellschaft akzeptiert ist. In Großstädten aber mehr als in unserer ländlichen Region, weil da nicht jeder auf jeden achtet, so dass es dort dann schon irgendwie mehr normal ist."

Das Coming Out, das Bewusstwerden seiner Neigung und die Mitteilung an die Gesellschaft, ist für die Homosexuellen meist sehr schwierig. Das Coming Out oder Outing fiel Martin Schlünz schwer, denn er bekam dadurch psychische Probleme. Das änderte sich aber, als seine Eltern eingeweiht wurden. Viele Jungs aus seinem Umfeld wandten sich von ihm ab, aber "die Mädchen fanden es cool", weshalb er schnell neue Freunde unter ihnen fand, erzählt er.

"Es ist nun mal so, dass es längst nicht so viele Homosexuelle wie Heterosexuelle gibt", so Martin. Laut statistischen Angaben sollen ungefähr zehn Prozent in der Gesellschaft gleichgeschlechtlich veranlagt sein. Dennoch ist es für Martin kein Problem, Jungs kennen zu lernen, denn "es gibt genügend Internet-Plattformen für Schwule, wo man sich austauschen und kennen lernen kann. Und auch sonst sieht man sich auf Partys, Christopher Street Days oder in Bars. Manchmal spricht man sich aber auch einfach auf der Straße an", sagt Martin. Doch der homosexuelle Björn Kalle (22) aus Güstrow, der gerade eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger macht, würde in diesem Fall "eher eine Freundin vorschicken, da ich ihm nicht zu nahe treten will. Mit der Zeit entwickelt man einfach ein Auge dafür, wer schwul ist und wer nicht", sagt er.

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