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Lokales

19. November 2017 | 13:33 Uhr

Das Cabrio unter den Gewächshäusern

vom

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2011 | 07:06 Uhr

Reutershagen | Weil sich sein Dach bei Regen, Sonne oder Wind öffnen lässt, trägt es den Spitznamen Cabrio: das neue Gewächshaus im Botanischen Garten der Universität Rostock. Auch wenn die offizielle Einweihung erst für den 20. März geplant ist, sind die Kalthauspflanzen bereits in den 200 000 Euro teuren Neubau eingezogen. Neben einem australischen Eukalyptus und einer japanischen Camelie finden unter anderem auch eine Zwergpalme aus dem Mittelmeerraum, eine Paradiesvogelblume aus Südafrika und eine Bugainvillee aus Brasilien auf den 250 Quadrametern ihren Platz. "Belüftung, Befeuchtung, Bewässerung - hier funktioniert alles vollautomatisch", sagt Bernd Springer, Technischer Leiter. Die Temperatur liegt derzeit tags bei 10 Grad Celsius und nachts leicht darunter. Im Sommer wird es dann heißer. Das Cabrio ahmt das Mittelmeerklima für die Pflanzen nach.

Während das Freigelände noch von Schnee und Eis bedeckt ist und die Arbeiten dort im Winter größtenteils ruhen, läuft der Betrieb in den Loki-Schmidt-Gewächshäusern weiter. Bewässern, düngen, Schädlinge bekämpfen - damit haben die Mitarbeiter hier zwölf Monate im Jahr zu tun. Mitarbeiter Ronald Wenzel rückt gerade den Schnecken zu Leibe, die nachts im Tropenhaus Schaden anrichten. Mit Salatblättern lockt er sie an und sammelt sie dann am nächsten Morgen ein. "Solange der Salat besser schmeckt als die Pflanzen, haben wir gute Chancen", sagt er. Die Pflanzen - das sind unter anderem eine fleischfressende Kannenpflanze, die Insekten fängt und verdaut, sowie eine Ölpalme, die keine Trockenzeiten und keine Kälte toleriert. Und auch ein Schlangenkaktus, den die Botanikerin Loki Schmidt aus dem südlichen Zentralamerika mitbrachte und 2009 bei ihrem Besuch in Rostock übergab, wächst und gedeiht im Tropenhaus. Seit dieser Kaktus begonnen hat zu blühen, steht er im Fokus der Wissenschaftler, die ihn bestäuben wollen. Gerade hat sich Prof. Stefan Porembski, der Direktor, mit einer Gruppe von Biologie-Studenten um die Pflanze versammelt. Weil sich die Blüten tagsüber nicht öffnen, wird sich einer nachts mit Pinsel und Pollen auf die Lauer legen müssen. "Da der Botanische Garten eine Einrichtung der Universität ist, sind hier vorrangig Forschung und Lehre angesiedelt", sagt Kustos Dr. Dethardt Götze, der seit Oktober für das wissenschaftliche Management zuständig ist. Das Tropenhaus sei kein Schaugewächshaus.

Im Gegensatz zur Lehre und Forschung, die hier ganzjährig betrieben werden, ist der Versand von Samen eine typische Winterarbeit. Mitarbeiterin Jana Lauschus hat gerade eine Bestellung aus Straßburg reinbekommen. Der dortige Botanische Garten wünscht: Tetragonia tetragonioides (eine Art Löwenzahn), Aloe lateritia (mit der Agave verwandt) sowie Impatiens balsamina (Springkraut). Sehr beliebt seien auch das Hexenkraut Mandragora, die alpine Pflanze Haberlea und die Gehölze, die Rostock neu in seinen Katalog aufgenommen habe, sagt Lauschus. Insgesamt bietet die Einrichtung der Universität in diesem Jahr rund 600 Samen an - und das kostenlos. Man tauscht sie untereinander aus, es ist ein Geben und Nehmen. "Wo wir wenig haben, geben wir wenig ab", erläutert Springer. Auch Stuttgart, Tokio und Seattle haben eine Bestellung eingereicht. "Wir sind mit allen Botanischen Gärten auf der Welt in Kontakt", sagt der Technische Leiter. Nach der Vegetationsperiode getrocknet und gereinigt, wird das Saatgut griffbereit in kleinen nummerierten Döschen verwahrt. "Hier ist der ganze Garten noch mal drin."

Der Versand läuft von Januar bis März, danach sind die Mitarbeiter mit anderen Dingen beschäftigt. Denn mit der Eröffnung des neuen Gewächshauses am 20. März startet auch die neue Saison und die Pflanzen müssen aus dem Winterquartier geholt und eingepflanzt werden. Bis dahin gibt es noch viel zu tun: Sobald der Schnee geschmolzen ist, wird der Rasen vertikutiert. Außerdem stehen Baumschnittarbeiten an. "Bei den 1800 Gehölzen, die wir hier haben, bedeutet das viel Arbeit", sagt Springer.

Der Botanische Garten: Termine und Projekte im Jahr 2011

Ab 16. Januar bietet der Botanische Garten der Universität Rostock jeden zweiten Sonntag um 10.30 Uhr eine Gewächshausführung an. Mit der Einweihung des neuen Gewächshauses am 20. März öffnet er seine Türen auch wieder für Besucher. Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr sowie Sonnabend, Sonntag und an Feiertagen von 9 bis 18 Uhr. Bereits im Frühjahr will der Lehrstuhl für Biologiedidaktik an der Universität einen Hochschul- und Schulgarten im Botanischen Garten anlegen, der sowohl Studenten als auch Schülern dienen soll. Weiter ist für die kommenden Monate die Renovierung eines Häuschens im Japan-Garten geplant, das künftig Schulklassen nutzen sollen. Außerdem lässt der Botanische Garten in diesem Jahr seine Kanalisation und sein Wegesystem erneuern sowie eine Beleuchtung anbringen. Weil sie brüchig sind und Besucher gefährden, sollen die Pappeln auf dem Gelände entfernt werden.

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