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Lokales

21. November 2017 | 18:48 Uhr

"Das brauche ich alles nicht"

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erstellt am 07.Jan.2011 | 07:08 Uhr

Röbel | Das Gut Bütow bei Röbel im Müritzkreis baut in diesem Jahr keine gentechnisch veränderten Kartoffeln mehr an. Damit wird das bislang bundesweit einzige Testfeld für die Sorte Amflora nicht mehr bestellt. Noch 2010 waren auf 14 Hektar Genkartoffeln geerntet worden, die im Auftrag des BASF-Tochterunternehmens Plant Science neuartige Rohstoffe für die Papierherstellung liefern sollten. Während der Ernte hatte man sich auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit verständigt, deshalb kommt die Kündigung durch das Gut für alle Seiten überraschend. Im Gespräch mit Jürgen Drewes (dapd) erläutert der Versuchsleiter von Gut Bütow, Denis Behrendt, die Gründe für die Entscheidung.

Nach vier Jahren Amflora-Anbau ist nun plötzlich Schluss, warum?

Denis Behrendt: Da ist vieles zusammengekommen. Der permanente Druck, die fortlaufende Bewachung der Felder, immer wieder Proteste von Gentechnikgegnern, verbunden mit Feldbesetzungen und einem enormen Polizeiaufgebot, das geht natürlich nicht alles spurlos an einem vorbei. Im Dezember hat dann auch noch der Landwirtschaftsminister (Till Backhaus, SPD) erklärt, dass er davon ausgeht, dass 2011 keine genveränderten Pflanzen in Mecklenburg-Vorpommern angebaut werden. Am Ende war es eine Entscheidung unseres Geschäftsführers Karl-Heinrich Niehoff, die Kooperation mit BASF nicht fortzusetzen.

Sind Sie jetzt erleichtert, sich diesem Druck nicht mehr ausgesetzt zu sehen und Ihrer Arbeit in gewohnter Ruhe nachgehen zu können?

Sowohl als auch. Die mutwilligen Zerstörungen, persönliche Beleidigungen durch Gentechnikgegner - das brauche ich alles nicht. Schade ist es hingegen, dass wir etwas aufgeben, das erfolgversprechend ist. Ich bin weiterhin erklärter Befürworter der Gentechnik. Wir beschäftigen uns ja selbst sehr intensiv mit Kartoffelzucht. Erst jüngst haben wir mit unserer neuesten Stärkekartoffel Skonto einen Riesenerfolg gefeiert, das hätten wir mithilfe der Gentechnik alles vier Jahre eher und auch wesentlich kostengünstiger haben können.

Aber wer will schon Gentechnik? Die Zahl der Protagonisten ist im Vergleich zu den Gentechnikgegnern doch sehr überschaubar?

Wer versteht denn wirklich etwas von Gentechnik? Ich will da keinem zu nahe treten, aber um Gentechnik zu begreifen, braucht man zuallererst Fachwissen. Natürlich ist mir nicht entgangen, dass auch viele Landwirte sich dagegen auflehnen, beispielsweise gentechnikfreie Zonen gebildet haben. Aber wenn Amflora nun mal zugelassen ist und so ist es ja, jedoch eine Vorschriftenflut mit immer schärferen Auflagen den Anbau praktisch unmöglich macht, dann habe ich schon meine Probleme mit der ganzen Situation.

Was wird jetzt aus den Kartoffeln, die bei Ihnen noch im Lager liegen?

Keine Ahnung. Die gehören ja BASF. Dort soll spätestens im Februar eine Entscheidung fallen. Gedacht waren sie ja zuallererst für eine weitere Vermehrung. Ob sich jetzt in Deutschland andere Anbaubetriebe finden, wage ich zu bezweifeln. Was wir hier in den vergangenen vier Jahren durchgemacht haben, wird ja kaum jemandem entgangen sein. Vielleicht liegt die Zukunft eher im Ausland.

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