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Lokales

21. November 2017 | 02:01 Uhr

Das Beste von Kaninchen, Biene, Ziege & Co.

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erstellt am 25.Jan.2011 | 07:21 Uhr

Berlin | Wieviel "Öko", wieviel "Bio" ist gesund? Und zwar wirtschaftlich gesund? Wenn man auf der Grünen Woche in Berlin nach ihnen sucht, dann findet man sie, die Produzenten und Anbieter von Waren, die nach ökologischen, nachhaltigen Prinzipien hergestellt werden, die aus artgerechter Tierhaltung stammen.

"Wir beziehen unser Fleisch unter anderem aus Mästereien in Stuttgart und Teterow, aber auch aus kleinen Familienbetrieben", sagt Steffi Schmidt, Geschäftsführerin des Unternehmens "Kaninchenspezialitäten aus Beelitz". Ihre Lieferanten kennt sie, weiß, wie die Tiere gehalten werden. Gemeinsam mit ihrem Bruder führt sie das achtköpfige Familienunternehmen, das sich seit 25 Jahren erfolgreich am Markt behauptet. "Wir können davon leben", sagt sie, aber die Arbeit grenze nicht selten an Selbstausbeutung. "Im vergangenen Jahr waren wir an 23 Wochenenden unterwegs. Sonntags produzieren wir frisch für Karstadt", verdeutlicht die Unternehmerin die Kraftanstrengungen.

Die Kaninchen aus den Mästereien, so Schmidt, kämen zunehmend aus der für die Tiere wesentlich besseren Bodenhaltung. "Das kostet allerdings rund ein Drittel mehr. Der Verbraucher ist nicht bereit, das zu bezahlen", meint Steffi Schmidt. Zumindest nicht die Masse, denn bei den Einzelhandelsketten kann man die Spezialitäten aus Beelitz nicht kaufen. "Die wollen es billiger haben, nehmen keines unserer Produkte", so Schmidts Erfahrungen.

Den schwierigen Weg zum Endverbraucher beschreitet auch die Imkerei Schwaßmann auch Neubrandenburg. "Wir sind inzwischen regional bei Edeka und Netto gelistet", berichtet Holger Schwaßmann. Ansonsten werden Honig und Honigprodukte auf zahlreichen Märkten und Messen verkauft. Die Imkerei, die vor rund zehn Jahren aus einem Hobby entstand, bleibt dennoch ein hartes Brot. "Eine 35-Stunden-Woche haben wir nicht. Wir arbeiten selbst und ständig, wie man so schön sagt." Neben Holger Schwaßmann arbeiten weitere vier Leute in der Imkerei. Zwischen drei und vier Bienenvölker - sprich zwischen 210 000 und 300 000 Bienen - sind im Einsatz, der Ertrag nicht hundertprozentig kalkulierbar, weil er sehr stark wetterabhängig ist. Die Nachfrage in Deutschland, so der Imker, sei groß, der Preisdruck allerdings auch. Deutschland könne sich schon lange nicht mehr aus eigener Kapazität mit Honig versorgen, muss importieren, beispielsweise in Größenordnungen aus China.

Auch bei Honig wird - wie beim Kaninchenfleisch - auf den Preis geschaut, und der ist für "Honig aus nicht EG-Ländern", wie häufig auf den Etiketten zu finden, deutlich niedriger, als beim heimischen Produkt.

6000 Kilogramm Ziegenkäse pro Jahr

Reich wird auch Gela Angermann vom Karolinenhof in Kremmen nicht. "Wir haben unser Auskommen. Ich arbeite auf jeden Fall mehr als 40 Stunden die Woche", sagt sie. Aber: Das Geschäft läuft, wuchs seit 1993 langsam und kontinuierlich. Sie reagierte behutsam auf Kundenwünsche, erweiterte nach und nach. Die Angermann und Lemke GbR hält 100 Ziegen und produziert am Rande des havelländischen Luchs 20 verschiedene Rohmilchkäsespezialitäten, insgesamt rund 6000 Kilogramm pro Jahr. Mit Gela Angermann zusammen zählt das kleine Unternehmen fünf Mitarbeiter. "Wir sind ein Bio hof, versuchen, kein Futter zuzukaufen, bauen das, was wir verbrauchen, selbst an." Wenn überhaupt, dann werde Futter von einem benachbarten Ökobetrieb beschafft. Nur, wenn die Kreisläufe klein seien, habe man noch die Kontrolle. Die Unternehmerin setzt voll auf Hofvermarktung. Das klingt 50 Kilometer vor den Toren Berlins einfach, war es aber gerade in den Anfangsjahren keineswegs. "Die Berliner fahren zirka eine Stunde mit dem Auto, bis sie bei uns sind. Der Hof befindet sich in absoluter Einzellage", beschreibt Gela Angermann. Das müsse sich erst herumsprechen. Auch die Qualität, die hier geboten wird. "Man muss klein anfangen und in den ersten Jahren einfach durchhalten." Zur Ziegenwirtschaft gesellten sich über die Jahre ein Café-Restaurant mit Wintergarten und Plätzen im Freien, ein spezielles Frühstücksangebot an Samstagen und Sonntagen, ein Spielbereich für Kinder. "Das Geschäft wuchs mit dem Kundenkreis."

Größere habens meist leichter

Dass die Kleinen in der Branche es zumeist schwerer haben als mittelständische Betriebe, das räumt Susanne Roch von der Golßener Fleisch- und Wurstwaren GmbH gern ein. "Einfacher wirds jedoch auch später nicht, wenn das Unternehmen gewachsen ist", sagt sie. Mehr als 400 Mitarbeiter sind in der Traditionsfirma beschäftigt, 2011 feiert sie ihr 100. Jubiläum, fing einst ganz klein an. "Wie klein, kann ich Ihnen gar nicht sagen. Dafür bin ich noch zu jung." Der Betrieb verarbeitet ausschließlich Brandenburger Fleisch, egal ob Rind, Schwein oder Geflügel. Sie selbst und - wenn gewünscht - auch der Endverbraucher können genau nachvollziehen, woher das Ausgangsprodukt kommt. "Wir beziehen unser Fleisch ausschließlich aus der Lausitz", so Susanne Roch. Das schaffe Vertrauen, zumal die Golßener der Qualitätskontrolle oberste Priorität einräumen. Auch preislich könnten sie absolut mithalten, beliefern Supermarktketten mit ihren Fleisch- und Wurstprodukten. - Auch im Jahr 2011 wohl immer noch eher die Ausnahme als die Regel.


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