Lebensgefährliches EHEC: Sieben Patienten im Krankenhaus : Darmkeime jetzt auch in MV

So sieht das  EHEC-Bakterium aus. Es wurde rot eingefärbt.
So sieht das EHEC-Bakterium aus. Es wurde rot eingefärbt.

In MV müssen immer mehr Patienten wegen schwerer Darminfektionen behandelt werden. In mindestens vier Fällen bestätigte sich bis gestern, dass es sich um den lebensgefährlichen Erreger EHEC handelt.

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23. Mai 2011, 08:16 Uhr

Schwerin | In Mecklenburg-Vorpommern müssen immer mehr Patienten wegen schwerer Darminfektionen behandelt werden. In mindestens vier Fällen bestätigte sich bis gestern, dass es sich um den lebensgefährlichen Erreger EHEC handelt, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) mitteilte. Betroffen seien zwei Frauen, ein Mann und ein Kind. Hinzu kämen vier weitere Verdachtsfälle, zwei Frauen und zwei Männer.

Bei sechs der acht Patienten sei ein schwerer Krankheitsverlauf zu beobachten. Sieben Menschen müssten im Krankenhaus behandelt werden, fünf davon am Universitätsklinikum Rostock. Je ein Fall werde in Schwerin und in Parchim stationär betreut.

Seife und Kochtopf sind der beste Schutz

Seit der zweiten Maiwoche sind deutschlandweit zahlreiche Menschen an blutigem Durchfall erkrankt. Auslöser ist der gefährliche Darmkeim EHEC. Mittlerweile haben sich mehr als 130 Menschen angesteckt. Wie kann man sich infizieren? Und wie schützen?

Die Hintergründe:

  • Wofür steht EHEC?

Das ist die Abkürzung für Enterohämorrhagische Escherichia coli, eine besonders gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli. Natürliches Reservoir der Bakterien ist der Darm von Wiederkäuern, speziell von Rindern, Schafen und Ziegen.


  • Wie kann man sich infizieren?

Die Keime können durch direkten Kontakt mit Tieren aber auch durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln – zum Beispiel Fleisch oder Rohmilch – übertragen werden. Obst oder Gemüse können bei Düngung mit Jauche ebenfalls den Erreger erhalten und somit roh und ungewaschen zu einer Erkrankung führen. Bei mangelnder Hygiene können die Keime auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Die Gesundheitsbehörden suchen mit Hochdruck nach der Quelle des Erregers. „Bisher konnte allerdings kein konkretes Lebensmittel als Infektionsquelle identifiziert werden“, heißt es aus dem Robert-Koch-Institut. Einen Verdacht gibt es jedoch: Rohkost.


  • Wie äußert sich die Erkrankung?

Meist nimmt die Krankheit einen ungefährlichen Verlauf. Viele leiden unter leichtem Durchfall, der schnell wieder vergeht. Ist Blut im Durchfall und treten Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Fieber auf, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Bei schweren Fällen kommt es zu einem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), was zu Nierenversagen und Blutarmut führen kann. „Die Zahl der schweren Verläufe in einem kurzen Zeitraum ist sehr ungewöhnlich“, betont das RKI mit Blick auf die aktuellen Erkrankungen. Einige der Betroffenen müssen künstlich beatmet werden, viele liegen auf der Intensivstation. Die Infektion muss aber nicht zwingend Symptome hervorrufen und kann auch schmerzlos vorübergehen.


  • Wie lang ist die Inkubationszeit?

Der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit dauert meist ein bis acht Tage. Der Erreger wird in der Regel für 5 bis 20 Tage über den Stuhl ausgeschieden.


  • Wer ist betroffen?

Normalerweise entwickeln vorwiegend Kinder dieses schwere Krankheitsbild. Diesmal sind jedoch vor allem gesunde Erwachsene und davon wiederum überwiegend Frauen betroffen.


  • Wie kann man sich schützen?

Der Keim reagiert sensibel auf Hitze und Seife. Experten raten, Lebensmittel gut waschen und erhitzen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad zu erhitzen. Brettchen und Messer sollten gründlich abgespült werden. Außerdem gilt: Vor und nach dem Kochen Hände waschen – und natürlich nach dem Gang zur Toilette.


  • Wie oft treten die Keime auf?

Sie treten in Deutschland immer wieder auf. Die Meldepflicht wurde 2001 eingeführt. Seitdem werden bundesweit jährlich zwischen 800 und 1200 Erkrankungen registriert. Sie traten auch schon gehäuft auf – allerdings noch nie so viele Fälle in so kurzer Zeit und noch nie mit dem Fokus auf Erwachsene, sagt das Robert-Koch-Institut.
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