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Lokales

24. September 2017 | 10:29 Uhr

Damm: SEK stoppt ausgerasteten Bauern

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2010 | 07:42 Uhr

Parchim | Ein bäuerliches Familiendrama in Damm bei Parchim eskalierte am späten Sonntagabend und endete mit dem Zugriff eines Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei. Ein Landwirt drehte offenbar wegen eines Feuerwehreinsatzes auf seinem Hof durch. Der 53-Jährige wollte danach mit einem schweren Traktor das Haus seiner Tochter Niesina B. (27) im Nachbardorf Malchow dem Erdboden gleich machen. Mit einem zweiten Schlepper und im Pkw rückten die Kinder des 53-Jährigen zur Unterstützung an - und stürmten mit Eisenstangen, Knüppeln und Holzlatten auf Polizeibeamte des Parchimer Reviers los, die den Streit schlichten wollten.

Erst mit gezielten Schüssen in die beiden hinteren Treckerreifen stoppten die beherzten Polizisten den Ackerschlepper im letzten Moment. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei konnte schließlich nach Mitternacht die geflüchtete Bauernfamilie auf dem Gelände einer Tankstelle in Lübesse (Landkreis LWL) festnehmen.

Anlass für den Ausbruch brutaler Lynchgewalt waren offenbar seit Jahren schwelende Familienstreitigkeiten. Am Sonntag gegen 22 Uhr war das Feuer auf dem Dammer Hofgelände des 53-jährigen Landwirts ausgebrochen. Nach Auskunft der Freiwilligen Feuerwehr Parchim brannten Abfälle - Holz, Dachbimder und Reifen - direkt neben dem Stallgebäude. Schon bei den Löscharbeiten fielen der Landwirt und seine 17- und 15-jährigen Söhne sowie eine weitere 19-jährige Tochter durch wütende Ausfälle auf. Sie sollen gerufen haben: "Das haben wir alles Niesina und ihrem Mann zu verdanken." Oberstaatsanwalt Stephan Urbanek von der Schweriner Anklagebehörde bestätigte gestern, dass der Landwirt seiner älteren Tochter unterstelle, das Feuer gelegt zu haben.

Vor Ort schien eine andere Variante den Hassausbruch zu erklären. Danach war dem Landwirt gar nicht recht, dass die Feuerwehr anrückte. Er soll gerufen haben: "Für so ein kleines Feuer kommt ihr?" Nach dieser Schilderung wäre die Bauernfamilie erst wegen der Alarmierung der Feuerwehr, die sie Niesina B. unterstellten, so in Rage geraten. Immerhin könnte ein Verfahren wegen umweltgefährdender Abfallbeseitigung drohen.

Was auch immer der genaue Auslöser für die Gewalt war: Der Landwirt und seine drei Kinder schwangen sich in zwei Traktoren und einen Pkw und rasten nach Malchow. Hier flüchteten sich Niesina B., weitere drei Erwachsene und ein sechsjähriges Kind ins Haus. Ihr Vater durchbrach das Holztor des Gebäudes, bevor die Polizei ihn stoppen konnte. Gegenüber der Staatsanwaltschaft sagte er später aus, er habe den Traktor wegen eines technischen Defekts nicht stoppen können. Niesina B. soll allerdings schon früher von ihrem Vater und ihren Brüdern attackiert worden sein. Auch brannte der väterliche Stall in Damm schon einmal ab. Im November 2006 kamen dabei sechs Kälber in den Flammen um - Brandstiftung nicht ausgeschlossen. Nur der 53-jährige Landwirt bleibt vorerst in Gewahrsam. Die Staatsanwaltschaft führt das Verfahren u.a. wegen Zerstörung von Bauwerken und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Fluchtgefahr sei gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Stephan Urbanek. Beim Amtsgericht Parchim werde Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gestellt.

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