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Lokales

23. September 2017 | 02:26 Uhr

Dachdeckern weht Wind um die Nase

vom

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2010 | 10:13 Uhr

Laage/Warnkenhagen | Die Arbeit an frischer Luft schätzt Dirk Ehlert an seinem Beruf als Dachdecker ganz besonders. Und sein Kollege Jens Avolin fasziniert besonders die Arbeit an alten Gebäuden. Da würden immer irgendwelche Probleme auftauchen, für die man eine Lösung suchen müsse. "Das ist es, was den Handwerksberuf ausmacht", sagt Jens Avolin. In Warnkenhagen sind die beiden Männer gestern dabei, das Dach der Kirche neu einzudecken. Das, so berichtet Jens Gerullat, geschehe nach alter Handwerkstradition. Die Dachziegel, selbstverständlich historische Biberschwänze, werden mit Mörtel verstrichen. "Wie vor 100 Jahren", sagt der Inhaber der Gerullat Dachdeckerei und Bau GmbH, ein Familienbetrieb in dritter Generation in Laage.

Wie jedes Jahr im Herbst weiß Gerulat kaum, wo er seine Leute - ein gutes Dutzend Mitarbeiter hat die Firma - zuerst hinschicken soll. Das Geschäft brummt. "Die Leute wollen ihre Häuser, ob Neubau oder Sanierung, zum Winter dicht haben", erklärt der Laager. Außerdem sieht er die jährliche Arbeitsspitze in der Praxis der Vergabe von Fördergeldern. Meist kommen die zum Herbst und müssen vor dem Winter schon wieder abgerechnet sein. "Wir arbeiten seit Jahren viel im Denkmalbereich; Kirchen, Gutshäuser, alte Bauernhäuser", berichtet Gerullat. Dadurch sei die Arbeit sehr abwechslungsreich und breit gefächert.

Generell beschränkt sich das Laager Traditionsunternehmen - seit 1928 durchgehend in privater Hand, seit 1995 als GmbH - lange nicht mehr allein auf die Dachdeckerei. Maurerarbeiten im Dachbereich und der Einbau von Dachfenstern würden ebenso dazu gehören wie Bau und Sanierung von Schornsteinen und -köpfen, Abdichtungsarbeiten an Dächern, Terrassen und Kellern sowie Wärmedämmung. "In allen Bereichen gibt es immer wieder neue Entwicklungen, die man aufgreift. So wird die Arbeit nie eintönig", beschreibt der Firmenchef. Nur noch ein Bruchteil der Arbeit mache das Decken von Dächern aus; zwei Tage Arbeit für ein Einfamilienhaus.

Auf dem Schreibtisch von Jens Gerullat liegen reihenweise Aufträge. "Darunter auch viele kleine Sachen. Wir machen alles", betont der studierte Bauingenieur, der zu DDR-Zeiten Baufacharbeiter mit Abitur lernte. "Eine Ausbildung zum Dachdecker mit Abitur gab es nicht", erinnert Gerullat. Sonst hätte er diesen Weg gewählt. Selbstverständlich war für ihn, die Arbeit des Großvaters Julius Neumann und des Vaters Werner Gerullat, lange Jahre Obermeister der Dachdeckerinnung, fortzusetzen. Was die Auftragslage anbelangt, schaut er zuversichtlich in die Zukunft, auch wenn es stets ein Auf und Ab gäbe. Allerdings sorgt sich Gerullat um das Personal. Wie viele Handwerksbetriebe fürchtet er in der Zukunft einen Fachkräftemangel. Bei allen Technikeinsatz sei die Arbeit leichter geworden, aber es gehöre nach wie vor Körperkraft und Wetterbeständigkeit dazu. Das Laager Unternehmen bildet selbst seit vielen Jahren Dachdecker aus.

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