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Gewinn auf 200 000 Euro verdoppelt : Crivitzer heben Geld ab vom "Sparbuch Wald"

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Die Wälder vor der Stadt sehen viele Crivitzer als großen Schatz an. Damit treffen nicht nur Naturfreunde den Nagel auf den Kopf: Rund 600 Hektar Wald - am Bürgerholz, am Bruch und bei Gädebehn - gehören der Stadt.

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erstellt am 18.Jul.2011 | 07:33 Uhr

Crivitz | Die Wälder vor den Toren der Stadt sehen viele Crivitzer als großen Schatz an. Damit treffen nicht nur Naturfreunde den Nagel auf den Kopf: Rund 600 Hektar Wald - am Bürgerholz, am Bruch und bei Gädebehn - gehören der Stadt. Und durch den Verkauf von Holz fließt Jahr für Jahr Geld in die Stadtkasse. In diesem Jahr mit rund 200 000 Euro sogar gut doppelt so viel wie in den Vorjahren. "Dafür wird auch deutlich mehr Holz aus dem Wald geholt", erläutert Hans-Jürgen Heine, Stadtvertreter von Crivitz und Vorsitzender des Umweltausschusses. Es sind rund 5000 Festmeter, etwa 2000 Festmeter mehr als 2010.

Holzpreis auf dem Weltmarkt um 30 Prozent gestiegen

Der ehemalige Förster Heine hat damit kein Problem. Das Gegenteil ist der Fall. Er selbst hatte diese Vorgehensweise angeregt. "Unsere städtischen Wälder werden nachhaltig bewirtschaftet", betont der Fachmann. In den zurückliegenden Jahren hatten sich die Crivitzer beim Holzeinschlag jedoch ganz bewusst zurückgehalten. Denn die Preise auf dem Weltmarkt waren im Keller. Schon im Laufe des vorigen Jahres zeichnete sich eine Trendwende ab, die Holzpreise stiegen wieder an. "Als wir im Herbst an die Haushaltsplanung gingen, sah es für die Stadt Crivitz sehr schlecht aus", blickt Heine zurück. Alle Fachausschüsse waren aufgefordert, sich Gedanken zu machen. Der Umweltausschuss konnte in dieser Situation das "Sparbuch Wald" auf den Tisch legen. "Der Wald ist nun mal ein Speicher", erzählt Hans-Jürgen Heine. "Er wurde zu allen Zeiten von seinen Eigentümern als Sparkasse genutzt. Und das wird auch weiterhin funktionieren, wenn wir keinen Raubbau begehen." Denn auf keinen Fall dürfe mehr Holz aus dem Wald geholt werden, als nachwachsen kann. Da sind sich die Crivitzer Stadtväter einig mit den beiden zuständigen Forstämtern Gädebehn und Friedrichsmoor.

Das jetzt zum Abtransport bereit liegende Holz wurde vor allem bei der Durchforstung der Crivitzer Stadtwälder gewonnen. Buchen, Eichen, Kiefern und Fichten wurden zu Beginn des Jahres geschlagen. Es wird als Stammholz (für die Möbelherstellung) und auch als In dustrie holz verkauft. Der größte Teil ist vergeben. "Um alle Geschäfte abzuwickeln und abzurechnen, brauchen wir noch etwas Zeit", erläutert Heine. Aber unterm Strich und nach Abzug aller Kosten kommt wohl eine Summe von 200 000 Euro für die Stadt heraus. Neben dem größeren Holzeinschlag trägt dazu der um etwa 30 Prozent gestiegene Holzpreis bei. "Das ist natürlich in den nächsten Jahren nicht wiederholbar", weiß Heine. Schon bei der Finanzplanung in der Stadtvertretung wurde daher auch überlegt, wofür das vom Sparbuch geholte Geld genutzt werden soll. "Angedacht war, dass wir so beispielsweise den Eigenanteil aufbringen , um mit Hilfe von Fördermitteln den Wanderweg am Crivitzer See zu vollenden", erzählt Heine. Dass die Erlöse aus dem Holzverkauf auch hier nachhaltig eingesetzt werden, dafür will sich der Umweltausschuss-Vorsitzende einsetzen.

Waldspaziergang und Pilzsuche immer auf eigene Gefahr

Zugleich wurde bei der Holzernte darauf geachtet, dass die zwingend notwendigen Bewirtschaftungskosten nicht aus dem Ruder laufen. Heine erläutert: In den Nadelwäldern wurden längst nicht alle Stämme gefällt. Es bleiben Bäume stehen, die jetzt mehr Platz und Licht haben, um zu wachsen und Holz zu bilden. Auch in den Buchenbeständen gab es keinen Kahlschlag. Hier sorgen nun die verbliebenen Bäume für Nachwuchs. Natürliche Verjüngung nennt das der Fachmann. Das aufwändige und teure Pflanzen von jungen Setzlingen entfällt. "Wie das funktioniert ist schon heute bestens in unseren Wäldern zu sehen, denn die natürliche Verjüngung ist nichts Neues", ergänzt Heine. Den Crivitzern kommt gerade jetzt auch Mutter Natur zur Hilfe. Denn 2011 tragen die Buchen wieder viele Früchte, so dass schon im nächsten Frühjahr junge Buchen von ganz allein sprießen werden.

Apropos Früchte: Angesichts der wieder beginnenden Pilzzeit ist es Hans-Jürgen Heine wichtig, alle Waldbesucher um Rücksicht zu bitten. "Jedermann darf den Wald betreten - unabhängig davon, wem dieser Wald gehört", erläutert der Fachmann. Aber Forstkulturen gerade mit jungen Bäumen, Pflanzgärten, Wildäcker sowie Holzeinschlagsflächen und Anlagen der Forst beziehungsweise der Jagd dürfen nicht betreten werden. Zudem erfolgt der Waldspaziergang immer auf eigene Gefahr. Wer von einem herabfallenden Ast getroffen wird oder in ein Loch im Waldboden tritt, kann niemanden für Schäden haftbar machen. "Und natürlich ist das Befahren des Waldes mit motorgetriebenen Fahrzeugen verboten", betont Heine.

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