Crivitz will Zapeler Weg nicht aufgeben

<fettakgl>Die Bahn</fettakgl> will den Haltepunkt Ruthenbeck  nach dem Streckenausbau  schließen.
1 von 2
Die Bahn will den Haltepunkt Ruthenbeck nach dem Streckenausbau schließen.

svz.de von
26. Juli 2010, 07:11 Uhr

Crivitz | Die Genehmigung zum Ausbau der Zugstrecke von Schwerin nach Parchim flatterte zur Unzeit auf den Tisch des Crivitzer Bürgermeisters. Gerade erst wurde nach Protesten der Bevölkerung und auf Forderung der Stadt die Vollsperrung des Bahnübergangs Zapeler Weg gelockert (SVZ berichtete), da wird das endgültige Aus dieser Wegeverbindung zwischen dem Wohngebiet Trammer Straße und der Altstadt avisiert. Nur noch Fußgänger und Radfahrer sollen an dieser Stelle die Gleise überqueren dürfen, wenn die Strecke in den nächsten Jahren für den Zugverkehr mit Tempo 100 ausgebaut ist.

Die Forderung der Stadt Crivitz, dass im Zapeler Weg auch weiterhin Fahrzeuge durchkommen müssen, fand beim Eisenbahnbundesamt kein Gehör. "Die aktuelle Vollsperrung der Trammer Straße zeigt dabei mehr als deutlich, dass wir den Zapeler Weg als zweite Verbindung zum Wohngebiet Trammer Straße und in den südöstlichen Teil der Stadt brauchen", betont Bürgermeister Ulrich Güßmann. Bereits während der Planungsphase war der Bau einer weiteren Brücke über die Bahnstrecke in Nähe des Crivitzer Gewerbegebietes verworfen worden - aus Kostengründen. Das Offenhalten des Übergangs im Zapeler Weg für den Straßenverkehr stufte die Stadt Crivitz danach als unverzichtbar ein - erfolglos. Nun bleiben vier Wochen Zeit, um gegen den Planfeststellungsbeschluss vorzugehen. Dabei geht es um die Frage: Klagt Crivitz gegen das Vorhaben oder nicht? "Das kann ich jetzt noch nicht beantworten", sagt Güßmann.

Die Crivitzer stimmen sich bei ihrem weiteren Vorgehen auch mit ihren Nachbarn aus der Gemeinde Friedrichsruhe ab. Denn hier gibt es den zweiten Streitpunkt entlang der Strecke: Der Haltepunkt im Ortsteil Ruthenbeck soll geschlossen werden. "Der Widerspruch der ehemaligen Gemeinde Ruthenbeck wurde nicht berücksichtigt", berichtet Bürgermeister Uwe Kröger. Vor allem die Begründung versetzt das Gemeindeoberhaupt in Erstaunen: Für die wenigen Fahrgäste lohne dieser Haltepunkt nicht. Stattdessen wird als Kompensation ein Shuttleverkehr mit Sammeltaxi für Bahnreisende nach Crivitz in den Planungsunterlagen aufgeführt. Zwischendurch war die Rede davon, dass es technisch nicht möglich sei, die Züge in Ruthenbeck halten zu lassen. Davon ist im Planfeststellungsbeschluss aber nichts mehr zu lesen.

Andere Einschnitte, beispielsweise die Sperrung weiterer Bahnübergänge an Feldwegen, waren im Vorfeld mit den betroffenen Städten und Gemeinden abgestimmt worden. Die Kommunen hatten letztlich zugestimmt. Denn nur so lässt sich das Gesamtvorhaben umsetzen.

Die Bahn will bis 2014 die etwa 45 Kilometer lange Strecke zwischen Schwerin-Görries und Parchim durchgehend für einen Zugverkehr mit Tempo 100 ausbauen. Bislang fahren die Züge hier mit durchschnittlich 60 km/h. Rund zehn Millionen Euro werden dafür investiert. Hinzu kommen die 1,2 Millionen Euro für den bereits begonnenen Brückenneubau in der Nähe des Crivitzer Bahnhofes. Nach Abschluss aller Arbeiten werden Bahnreisende dann nicht mehr eine Stunde von Schwerin nach Parchim benötigen, sondern wohl zehn Minuten weniger.

Um die Sicherheit an der Strecke zu gewährleisten, wird es dann keine unbeschrankten Bahnübergänge mehr geben. Bereits in den zurückliegenden Jahren wurden bei Sukow und Plate mit dem Einverständnis der Gemeinden erste Übergänge an Nebenstraßen dicht gemacht. Das passiert in den kommenden Jahren an weiteren Feldwegen - beispielsweise bei Ruthenbeck, Friedrichsruhe und Domsühl. An wichtigen Verbindungsstraßen, so nach Krudopp bei Crivitz und nahe Zieslübbe, werden Schrankenanlagen neu installiert. Auch das ist für die betroffenen Kommunen eine bittere Pille. Denn sie müssen sich an den Kosten beteiligen - in der Regel mit einem Drittel. Eine neue Halbschrankenanlage kostet zwischen 400 000 und 500 000 Euro. "Die Gemeinde Domsühl kann ihren Anteil für die vorgesehenen Schranken in Zieslübbe nicht aufbringen. Uns wurde aber Hilfe vom Land zugesagt", berichtet Christiane Schirdewahn vom Amt Parchimer Umland.

Zum Projekt gehört zudem der Ausbau der Bahnhöfe Plate und Crivitz sowie der Haltepunkte Sukow, Friedrichsruhe und Domsühl. Mit den genehmigten Bauarbeiten soll es schon im August in Plate losgehen. Dieser Bahnhof bekommt einen zweiten Bahnsteig - in Fahrtrichtung Schwerin. Eine neue Schrankenanlage in Nähe des Bahnhofes - in der Straße nach Peckatel - entsteht ebenso. Noch wird hier die Schranke vom Bahnhof aus per Hand hoch und runter gekurbelt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen