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Lokales

23. August 2017 | 06:08 Uhr

Comeback für die Gurken

vom

Berlin | Entwarnung in Sachen EHEC? Die Behörden nehmen zumindest ihre Warnung vor dem Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalaten zurück. Sprossen von einem Hof im niedersächsischen Landkreis Uelzen gelten als Auslöser der Epidemie. Die gefährlichen Bakterien wurden in Nordrhein-Westfalen in einer bereits geöffneten Packung Sprossen aus dem verdächtigen Betrieb, die bereits in der Mülltonne lag, nachgewiesen, wie der NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) gestern mitteilte. Hierbei handele es sich um den für den Ausbruch der Erkrankungswelle aggressiven Serotyp O104. Auch wenn Neuinfektionen und weitere EHEC-Todesfälle nicht ausgeschlossen werden können: Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) geht davon aus, "dass wir jetzt das Schlimmste hinter uns haben". Fragen und Antworten von Rasmus Buchsteiner.

Können Gurken, Tomaten und Salat wieder bedenkenlos gegessen werden?

Die Behörden haben die Verzehrwarnung aufgehoben. Sie empfehlen aber eindringlich, die üblichen Hygieneempfehlungen einzuhalten. Zwar gab es in ersten Studien Hinweise auf eine Übertragung durch Gurken, Tomaten und Blattsalat. Schließlich erhärtete sich aber der Sprossen-Verdacht durch eine "rezeptbasierte Restaurant-Kohortenstudie" - eine komplexe Untersuchung anhand von Befragungen verschiedener Gruppen von Erkrankten, die gemeinsam ein Restaurant besucht hatten.

Sind jetzt noch EHEC-Sprossen auf dem Markt?

Auszuschließen ist das nicht. Seit Sonntag ist der Sprossen-Hof in Niedersachsen gesperrt. Alle Sprossen-Produkte von dort wurden aus dem Handel zurückgerufen. "Hundertprozentig lässt sich nicht ausschließen, dass der Keim in einer vergessenen Salat- oder Sprossentüte noch zu finden ist. Außerdem wäre noch denkbar, dass ein infizierter Mensch den Erreger auf andere Lebensmittel übertragen hat", so Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU).

Wie kam der gefährliche Erreger auf den Sprossen-Hof in Niedersachsen?

Gewissheit darüber gibt es nicht. Verschiedene Möglichkeiten sind denkbar. "Es kann nach derzeitigem Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden, dass der Eintrag des Ausbruchs erregers in den Gartenbaubetrieb durch Personen erfolgt ist", heißt es bei den Bundesbehörden. Ein infizierter Mitarbeiter des Betriebes könnte das Bakterium weitergegeben haben. Denkbar ist auch eine Übertragung des Erregers über Wasser, Vorlieferanten oder Saatgut. Die Behörden weisen darauf hin, dass der Ursprung von EHEC-Epedimien häufig nicht ausfindig gemacht werden kann.

Warum sind die Experten den Sprossen nicht eher auf die Spur gekommen?

"Meines Erachtens sind die Befragungen der Erkrankten nicht optimal verlaufen. Man hätte sicherlich eher auf die Sprossen kommen können", erklärte der Mikrobiologe Alexander Kekulé gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Dass Sprossen bei EHEC/HUS zu den typischen Überträgern gehören, sei unter Fachleuten bekannt. "Hier hat es offensichtlich Kommunikationsprobleme gegeben", so Kekulé.

Wurde nicht gezielt nach Sprossen gefragt?

Er könne sich beim Robert-Koch-Institut, das hoch qualifizierte Fachleute habe, einen solchen "Kardinalfehler" nicht vorstellen, so der Experte: "Viele Erkrankte, die jetzt erneut und gezielter befragt wurden, erinnern sich nun offenbar daran, dass sie Sprossen gegessen haben."

Wie werden die Gemüsebauern jetzt entschädigt?

Den Schaden, der den deutschen Gemüsebauern entstanden ist, bezifferte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner auf 65 Millionen Euro. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos erklärte: "Ich hoffe, dass sich die Märkte bald wieder erholen." Europäische Gemüsebauern, die Umsatzeinbußen erlitten hätten, könnten von der EU 50 Prozent des Juni-Marktpreises erstattet bekommen.

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erstellt am 10.Jun.2011 | 06:30 Uhr

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