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Lokales

23. Oktober 2017 | 04:42 Uhr

CO2-Verklappung nun auch in MV?

vom

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2010 | 07:16 Uhr

Schwerin | Nach Steinkohle-Planungen und Atommüll-Lagerung nun auch noch CO2-Verklappung: Die rot-schwarze Mehrheit im Landtag macht gegen die Berliner Pläne zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid mobil. Ein entsprechender gemeinsamer Antrag von SPD- und CDU-Fraktion soll schon zur nächsten Sitzung des Parlamentes eingebracht werden, kündigte gestern SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery gegenüber unsere Redaktion an.

"Die Pläne verlängern die Agonie unheilbringender Kraftwerke und verhindern die Nutzung moderner, alternativer Energien, wie der Geothermie", sagte er. Laut Nieszery sind die unterirdischen Flächen, die für Geothermie genutzt werden können, auch interessant als Lagerstätten für verklapptes Kohlendioxid. Von den in Frage kommenden Arealen gäbe es gerade in MV sehr viele. Die Bundesregierung hatte zuvor in ihrem Energiekonzept angekündigt, Technologien zur Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung (CCS) in Demonstrationsvorhaben zu erproben.

Beim für Genehmigungen zuständigen Bergamt Stralsund sind mittlerweile mehrere Anträge großer Energieversorger zur Erkundung von solchen Flächen zurückgewiesen worden, sagte Leiter Martin Froben. Aktuell gäbe es keine weiteren. Die Zurückweisungen seien erfolgt, weil es noch keine Rechtsgrundlage gebe.

Genau in diesem Punkt eilt jetzt offenbar die Zeit. Schon am 6. und am 10. Oktober soll das Bundeskabinett beschließen, am 28. Oktober war die erste Lesung im Bundestag vorgesehen, so Fraktionsvorsitzender Nieszery. Letzterer Termin werde sich aber wahrscheinlich nicht halten lassen. Mit dem Antrag, den die SPD nun gemeinsam mit der CDU im Landtag einbringen will, soll versucht werden, die Pläne der Bundesregierung zumindest in MV auf einem Alternativweg zu "unterminieren". Angestrebt ist nämlich, eine unterirdische Raumordnung zu schaffen, die es bislang im Nordosten nicht gibt. Ziel ist es laut Antrag "unterirdische Nutzungskonflikte zu vermeiden oder zu vermindern, um eine nachhaltige wirtschaftliche, soziale und ökologische Raumentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern sicherzustellen." Heißt im Klartext: Kohlendioxiod-Verpressung darf nicht beispielsweise Geothermie unmöglich machen oder an den Rand drängen.

Laut Nieszery denkt die SPD daran, das Thema Geothermie auf ihre Agenda zu setzen. Es handele sich um eine hervorragende Ergänzung der Wärmeversorgung für kleinere und mittlere Städte. Die hohen Investitionskosten, die durch die Bohrungen entstünden, müssten natürlich aufgefangen werden. Daran arbeite man mit der KfW, der Förderbank von Bund und Ländern.

Kritisch zu den Speicherplänen äußern sich auch Umweltminister Till Backhaus (SPD) und Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). Seidel verlangt ein Mitspracherecht der Länder, während Backhaus die Technologie grundsätzlich ablehnt. "Mit der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid bekämpfen wir nur die Symptome. Wir tragen aber nicht zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei", sagte er. Risiken für das Grundwasser seien nicht abschätzbar. Zudem sei die Technologie sehr teuer.

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