Chefarzt mit Spaltaxt bedroht

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02. November 2010, 08:02 Uhr

Rostock/Güstrow | Nach dem Versuch, den Chefarzt der Psychiatrischen Abteilung des KMG-Klinikums Güstrow mit einer Axt zu töten, soll der 33-jährige Rico G., Holzfäller aus dem Mecklenburgischen Nationalpark, in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Über die Einweisung wird seit gestern am Landgericht Rostock in einem so genannten Sicherungsverfahren verhandelt.

Die Rostocker Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte. Sie wirft ihm vor, am 3. Mai gegen 14 Uhr mit einer Spaltaxt bewaffnet in das Güstrower Klinikum gestürmt zu sein, wobei er aggressiver Drohungen gegen den Chefarzt Dr. Stefan Sch. ausstieß. Zitat: "Ich will Dr. Sch. töten." Zunächst hätte er den Knauf an der Tür zum Büro des Chefarztes abgehauen und dann die Tür mit der Axt zertrümmert. Der Arzt hätte sich mit einem Patienten und weiteren Klinikmitarbeitern in das Sekretariatszimmer geflüchtet und anschließend verbarrikadiert. Der angeklagte Holzfäller begab sich danach ruhig in die Klinikhalle und nahm auf einem Stuhl Platz, wo er sich ohne Gegenwehr von der Polizei festnehmen ließ.

Angeklagter legt vor Gericht Geständnis ab

Der Angeklagte legte gestern ein Geständnis ab. "Mir ging es schon einige Tage lang sehr schlecht", sagte er. "Ich fühlte mich ständig von den Ärzten verfolgt. Sie wollten mich vergiften." Eigentlich hätte er sie nur zur Rede stellen wollen. Seit wann er die Axt im Auto hatte, wusste er gestern nicht mehr. Er gab an, seit 2004 wegen einer schweren psychiatrischen Störung in Behandlung zu sein. Zunächst in der Psychi atrie in Neubrandenburg. Der dortige Chefarzt Dr. Rainer K. hätte eine Diagnose gestellt, die dazu führte, dass ihm 2004 die Jagderlaubnis abgenommen wurde. Über einen Jagdfreund sei er dann in die Behandlung nach Güstrow gekommen, um dort eine günstigere Diagnose zu erhalten, um seine Jagderlaubnis wieder zu erlangen. Zunächst hätte er auch Hoffnungen gehabt. Er bestätigte auch, schon früher aggressiv reagiert zu haben. "Ich hätte aber auf keinen Fall auf Dr. Sch. eingeschlagen", sagte der Angeklagte.

Dr. Stefan Sch. bestätigte als Zeuge den Tatablauf. "Es war eine Bedrohung, wie ich sie nie wieder erleben möchte." Er sei am Morgen des Tattages von seinem Neubrandenburger Kollegen Dr. Rainer K. vor dem Angeklagten telefonisch gewarnt worden. Rico G. war dort schon, Beleidigungen und Drohungen ausstoßend, erschienen und habe dabei bereits den Namen des Güstrower Arztes genannt. Die Aussage des Angeklagten, wonach ihn ein Berufskollege, der ein Jagdfreund des Holzfällers sei, um eine neue Diagnose gebeten habe, damit Rico G. seine Jagderlaubnis wieder bekommt, bestätigte er.

Die Türklinke an der Chefarzttür in Güstrow war erst einige Tage vor der Tat gegen einen Knauf ausgetauscht worden. Möglicherweise rettete das dem Arzt das Leben, auch wenn der Angeklagte gestern beteuerte, den Tod des Arztes nicht gewollt zu haben. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt.

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