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Lokales

16. Dezember 2017 | 08:30 Uhr

Chaoswetter: Urlauber bleiben weg

vom

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erstellt am 18.Aug.2010 | 06:25 Uhr

Rostock | Tourismusexperten hatten es befürchtet, jetzt ist es amtlich: Die erfolgsverwöhnte Urlaubsbranche in Mecklenburg-Vorpommern schreibt in diesem Jahr schlechte Zahlen. Das Statistische Amt bescheinigte gestern einen Rückgang der Übernachtungen in der ersten Hälfte 2010 von insgesamt 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auf den Campingplätzen übernachteten sogar 13 Prozent weniger Gäste.

"Wir wollten unbedingt die guten Zahlen des Vorjahres erreichen, das ist uns nicht gelungen." Sorgenfalten auf der Stirn von Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommerns. Den Hauptgrund für die deutlichen Rückgänge sieht er in den Wetterkapriolen in der ersten Jahreshälfte. Erst ein langer Winter mit Bildern von frustrierten Urlaubern auf der abgeschnittenen Insel Hiddensee. Dann folgten Bibber-Temperaturen bis Mitte Juni. Anschließend Hitzerekorde.

Auch Michael Hecht, Sprecher des besonders wettersensiblen Campinggewerbes fühlte sich zumindest bis Juni von Petrus verraten. "Das erste Halbjahr kann uns in keiner Weise zufriedenstellen", sagt er. Bis Ende Mai mussten die etwa 200 Zeltplätze Einbußen von durchschnittlich 25 Prozent hinnehmen. Erst die letzten beiden Juniwochen sorgten für eine deutliche Belebung des Geschäfts. "Durch den Juli dürften die Zahlen für die zweite Jahreshälfte allerdings deutlich besser ausfallen", ist Hecht optimistisch. Er betreibt selbst eine Ferienanlage in Alt Schwerin und rechnet für seine Branche am Ende des Jahres mit einer schwarzen Null.

Neben dem Wetter sieht Tobias Weitendorf weitere Gründe für den Rückgang im ersten Halbjahr: Die Buga sorgte für ein sehr gutes Tourismusjahr 2009. "400 000 Gäste kamen durch die Gartenschau zusätzlich ins Land, die fehlen jetzt", rechnet Woitendorf vor. Besonders deutlich wird dieser Trend in der Landeshauptstadt, Standort der Buga 2009. Die Übernachtungszahlen sanken in Schwerin 2010 ohne Buga um 22 Prozent - in Westmecklenburg insgesamt um 9,8 Prozent.

Für Woitendorf ist der negative Trend ersten beiden Quartalen allerdings kein Grund zur Panik. Auf Imageverluste durch falsches Marketing oder mangelnden Service seien die Zahlen nicht zurückzuführen. "Studien und Gästebefragungen zeigen, dass Mecklenburg-Vorpommern als Urlaubsland weiter nachgefragt wird", so der Tourismusexperte.

Nicht im Negativtrend liegt nach eigenen Angaben Mecklenburg-Vorpommerns nobelster Herberge. Im Grand Hotel in Heiligendamm sagt Christian Plöger: "Wir sind im ersten Halbjahr im Plan und haben das Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar verbessert." Eine Steigerung im 2. Halbjahr lasse sich durch einen sehr starken Juli bereits erkennen. "Der Juli war der beste Monat seit Bestehen des Grand Hotel Heiligendamm 2003", sagt der Sprecher des Hoteleigners, die Fundus-Gruppe mit Anno August Jagdfeld an der Spitze. Ähnliches hofft Plöger für den Monat August. Auch Tobias Woitendorf erwartet für die gesamte Brachne eine deutlich bessere zweite Jahreshälfte, auch wenn der August viel zu verregnet ist. "Wenn am Ende ein Minus von 2,5 Prozent herauskommt, dann können wir durchaus zufrieden sein", findet der Tourismus-Sprecher.

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