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Lokales

24. September 2017 | 21:30 Uhr

Chance für Herzpatienten

vom

svz.de von
erstellt am 15.Nov.2011 | 09:37 Uhr

Die vor rund zwei Jahren etablierte Klinik für Kardiologie am Kreiskrankenhaus Prignitz profiliert sich weiter. In der vergangenen Woche erfolgte in dieser Klinik die erste Implantation eines Vorhofohrverschlusssystems zur Schlaganfallprophylaxe bei einem Patienten mit Vorhofflimmern. Bislang mussten Patienten für eine solchen Eingriff weit fahren, beispielsweise an die Universitätsklinik Rostock.

Wie Dr. Kristina Bensch, Chefärztin der Klinik für Kardiologie, erklärt, haben Patienten mit Vorhofflimmern im Herz "ein deutlich erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, da aufgrund des langsamen Blutstroms im linken Herzvorhof, insbesondere im linken Herzvorhofohr, Blutgerinnsel entstehen können, die mit dem Blutstrom in das Gehirn transportiert werden". Damit ist eine riesige Gefahr verbunden, denn "im Gehirn verschließen diese Gerinnsel Gefäße und führen zum Absterben von Hirnzellen, dem Schlaganfall". Je nach betroffenem Hirnareal seien Ausfallerscheinungen wie Sprachstörungen, Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen zu verzeichnen, erläutert Dr. Bensch. Um Schlaganfälle bei Vorhofflimmern zu vermeiden, benötigen diese Patienten eine Blutverdünnung zum Beispiel mit dem Medikament Falithrom. Diese Therapie berge jedoch auch Risiken. Bei ungenügender Wirkung entstünden Blutgerinnsel, bei zu starker Wirkung treten Blutungen im Körper wie Magen-Darmblutungen, Blutungen im Kopf, Harntrakt oder in den Weichteilen auf.

Das neu entwickelte Verfahren macht eine Blutverdünnung bei Vorhofflimmern überflüssig macht. "Es beinhaltet den Verschluss des linken Vorhofohres im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung", erläutert die Chefärztin. Nach zirka einstündiger Prozedur kann der Patient nach sechs Stunden wieder aufstehen und am dritten Tag das Krankenhaus verlassen.

Auf einem Fachkongress in Nürnberg wurde Dr. Bensch, wie sie sagt, auf die aus den USA stammende Methode aufmerksam, Vorhofohrverschlusssysteme zu implantieren, engagierte sich dafür, sie an der hiesigen Klinik auch zu ermöglichen.

Nach einem Jahr Vorbereitungszeit wurde der erste Eingriff dieser Art, der übrigens in der Leistenvene des Patienten beginnt, möglich. Höchste Konzentration und Feinfühligkeit im Umgang mit den Instrumentarien, eine starke Teamleistung nennt Dr. Bensch als Bedingung für den erfolgreichen Eingriff. "Wir sind sehr froh, jetzt für die genannten Patienten eine Therapiealternative zur Blutverdünnung anbieten zu können, um sie vor Schlaganfällen zu schützen", so Dr. Bensch.

Allerdings sei der Verschluss des linken Vorhofohres nicht für alle Patienten mit Vorhofflimmern geeignet.

Wie bei allen invasiven, also gewebsverletzenden therapeutischen Maßnahmen, sei das Nutzen-Risiko-Verhältnis sorgfältig abzuwägen, hebt die Chefärztin hervor. In erster Linie komme dieses neue Verfahren für Patienten mit hohem Schlaganfallrisiko und Blutung bei Einnahme von Fali throm in Frage, außerdem für Patienten, die medikamentös schlecht einstellbar sind oder ein hohes Sturzrisiko haben.

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