Castor-Gegner machen mobil

Nur wenige Demonstranten erwarteten im Dezember den Castor-Transport durch Schwerin. Im Februar soll das anders sein. BUND
Nur wenige Demonstranten erwarteten im Dezember den Castor-Transport durch Schwerin. Im Februar soll das anders sein. BUND

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25. Januar 2011, 01:57 Uhr

Schwerin | Es fühlte sich gespenstisch an, als der Atommüll-Zug am 16. Dezember kurz vor 11 Uhr durch die Landeshauptstadt rauschte, erinnert sich Arndt Müller, Mitarbeiter des BUND, der direkt neben den Gleisen in der Lübecker Straße stand. Gespenstisch gering war auch die Zahl der Demonstranten, die mit "Stopp Castor"-Plakaten wacker in der Eiseskälte ausgeharrt hatten, um ihren Protest kundzutun und immerhin ein spektakuläres Foto zu schießen.

Zwei Monate nach dem ersten Castor-Transport durch Schwerin ist für Mitte Februar nun ein zweiter angekündigt. Mit dem geplanten Atomtransport sollen fünf Atommüllbehälter mit in Glas verschmolzener, hochradioaktiver Uran-Plutonium-Flüssigkeit per Zug in das Zwischenlager Nord bei Lubmin transportiert werden. Der Atommüll stammt aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe in Baden-Württemberg, einem Tochterunternehmen der Energiewerke Nord (EWN), die auch das Zwischenlager Nord bei Lubmin betreiben.

"Das Lager sollte laut Aussage des Regionalen Raumentwicklungsprogramms Vorpommern nur für radioaktive Abfälle der Kernkraftwerke Rheinsberg und Lubmin genutzt werden", so Arndt Müller. "MV ist das Land der erneuerbaren Energien und darf nicht das Atomklo der Republik werden. Wir sehen mit den Castor-Transporten einen schweren Imageschaden für unser Bundesland, der besonders den Natur- und Gesundheitstourismus empfindlich treffen kann." Deshalb soll der Protest in Schwerin jetzt lauter, bunter, größer und professioneller werden.

Mit einer Mahnwache am Hauptbahnhof ging es gestern Abend los. Arndt Müller kündigt aber viele weitere, teilweise noch geheime Aktionen an. Bei der Protest-Premiere im Dezember waren die motivierten Demonstranten der BUND-Jugend schnell an die Grenzen der Obrigkeit gestoßen. "Da gab es von Seiten des städtischen Ordnungsamtes zum Teil absurde Auflagen und Argumentationen", sagt Arndt Müller. So hätten gelbe Fässer aus Lärmschutzgründen nicht vom Bahnhof zum Pfaffenteich gerollt werden dürfen. Den Jugendlichen sei schließlich auch das Tragen eines Mundschutzes untersagt worden - Stichwort Vermummungsverbot. "Solche Auflagen verwundern mich vor allem in einer links regierten Stadt", sagt Arndt Müller.

Weil ihnen das große Plakatieren beim letzten Mal ebenfalls vom Ordnungsamt verboten wurde, rufen BUND, weitere Umweltorganisationen und das Anti-Atom-Bündnis Nord-Ost diesmal Privatleute auf, in ihren eigenen Fenstern das gelbe "X" - schon lange das Symbol des Widerstands gegen Castor-Transporte - zu zeigen. "Wir appellieren jetzt an die Stadtvertretung, uns diesmal aktiver zu unterstützen und zum Beispiel bei den Mahnwachen, die es jeden Montag von 17 bis 18 Uhr geben wird, mitzumachen", so Müller.

Das Anti-Atom-Bündnis empfiehlt weiterhin, mit einem Wechsel des Stromanbieters den Ausstieg aus der Kernenergie zu beschleunigen. Nur wenige Anbieter seien konsequent und garantierten 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Starke Nachfrage nach grünem Strom könne helfen, die Stromerzeugung aus Kernenergie und den Atommüll zu reduzieren.

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