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KGW holt Stern Buchholz aus dem Dornröschenschlaf : Bunte Mischung in einstiger Kaserne

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Der Schweriner Maschinen- und Anlagebauer KGW erweckt die ehemalige Blücher Kaserne in Stern Buchholz wieder zum Leben. Bei einer Versteigerung erwarb das Unternehmen im Juli 2010 den größten Teil des Geländes.

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2011 | 07:19 Uhr

Schwerin | Der Schweriner Maschinen- und Anlagebauer KGW erweckt die ehemalige Blücher Kaserne in Stern Buchholz wieder zum Leben. Bei einer Versteigerung der Immobilie in Rostock erwarb die KGW im Juli 2010 den größten Teil des 110 Hektar umfassenden Geländes. Für die Kaufsumme von zirka einer Million Euro erhielt das Unternehmen den Zuschlag für 105 Hektar der alten Kasernenanlage. Einen kleinen Teil des Areals hatte einige Jahre zuvor das Logistikunternehmen Paul Schockemöhle erworben.

Der ehemalige Schiffsbauer KGW mit Hauptsitz in der Wismarschen Straße beschäftigt sich heute hauptsächlich mit dem Bau, der Erforschung sowie der Nutzung von regenerativen Energien. Dabei setzte das Unternehmen bisher hauptsächlich auf die Windkraft und weniger auf solare Technik.

Das ändert sich jedoch mit dem Erwerb des Geländes in Stern Buchholz. Hatte das Unternehmen vorher jährlich im Schnitt nur zwei Megawatt Energie aus Solarkraft gewonnen, werden es durch den Erwerb der alten Kaserne bald fünf Megawatt sein, so Jörg Thiede, Leiter des Projektes. Dafür werden derzeit die alten Gebäude durch die KGW erneuert. "Wir sanieren die Militärgaragen nach und nach", erklärt der Projektleiter. Im Anschluss an die Umbaumaßnahmen kommen Solarzellen auf die Dächer. Die seit Juli bebauten Dächer erzeugen bereits eine Leistung von mehr als 800 Kilowatt, die ins Schweriner Stromnetz fließt. "Mit den fünf Megawatt wird dann das gesamte Schweriner KGW-Werk betrieben und noch zusätzlich Strom erzeugt", erläutert der Projektleiter kurz.

Lagerräume, Werkhallen und großzügige Fahrschulpiste

Wichtiger als die Energiegewinnung ist ihm die gesamte Bewirtschaftung des Geländes. "Die ehemaligen Militärgaragen sind ein idealer Stellplatz für Boote oder Wohnmobile, die einen Platz zum Überwintern suchen, und eigentlich für jeden, der etwas sehr Großes oder sehr viel lagern möchte", sagt Thiede.

Beispiele dafür gibt es heute schon: In den offenen Hallen stapeln sich die Strohballen bis unter das Dach. Und auch die Schweriner Weihnachtsmarktstände haben bis zur nächsten Adventszeit hier ein Zuhause gefunden. Die Garagen sind sogar so groß, dass mittelgroße Lkw-Auflieger untergestellt werden können. Ein erster Betrieb hat sich schon auf dem Gelände niedergelassen. "Die BSL Metallbau GmbH ist bereits in eine große Werkhalle gezogen und beschäftigt hier 15 Mitarbeiter", erzählt Thiede bei der Besichtigung. In einer anderen Halle lagert inzwischen ein Bestattungsunternehmen einige Särge und Grabsteine ein.

Das Areal dient nebenbei auch zur Ausbildung von Fahrschülern. Die Dekra und die Verkehrswacht bilden auf dem weitläufigen Grundstück mittlerweile Lastkraftwagen- und Busfahrer aus. "Auf dem Gelände mit den festen Plattenwegen können die Anfänger mit den Lkw und Bussen kreuz und quer fahren und stören dabei niemanden", erzählt der Projektleiter.

Etwas verlassener wirkt dagegen der hintere Teil des Geländes. Für die gut erhaltene und fast neue Schwimmhalle, die moderne Sporthalle, den eingezäunten Basketballplatz und den großen Sportplatz haben sich bislang noch keine Pächter gefunden. "Ich habe mal bei der Stadt Schwerin und den kommunalen Verantwortlichen für Sportstätten nachgefragt, bin aber nur auf Ablehnung gestoßen, es sei kein Geld da, wurde mir gesagt", berichtet Thiede von seiner Erfahrung mit den Verantwortlichen. Dass es gerade für die Schwimmhalle keinen Nutzer gibt, sei sehr schade, so Thiede.

Noch Nutzer gesucht für Sportplatz und Schwimmbad

"Der V2A-Stahl, aus dem das Becken gefertigt wurde, ist nahezu unverwüstlich und hält für immer", erklärt Thiede. Aber auch die Sporthalle biete wohl für jeden Hobbykicker, Basketballspieler und Handballer eine gute Möglichkeit, seinen Freizeitsport auszuüben. Und der große, grüne Sportplatz mit seiner 400 Meter langen Tartanbahn lädt Athleten ein, hier ein paar Runden zu drehen. Es sei nur wenig Aufwand nötig, um die Halle und den Platz wieder in einen sehr guten Zustand zu versetzen, so Thiede. "Innerhalb von einer Woche wäre die gesamte Anlage inklusive Schwimmhalle wieder einsatzbereit. Außerdem können die Sportler mit dem Auto direkt bis vor die Halle fahren und Parkplätze sind mehr vorhanden als Sportler in die Hallen passen", sagt Thiede.

Vielleicht böte das Hallenbad aber eine Übergangslösung während des Neubaus der Schwimmhalle auf dem Großen Dreesch. "Der Bus könnte bis kurz vor die Halle fahren und die Schüler zum Schwimmunterricht bringen. Platz zum Wenden für den Bus ist reichlich vorhanden", erläutert Thiede seine Idee.

Neben den großen Hallen und dem Sportbereich hat das weitläufige Areal noch viel ungenutzte Fläche. Thiede denkt daher über jeden Vorschlag nach, der ihm für die Nutzung zugetragen wird: "Ich bin für jede Idee offen, doch zu verschenken haben wir natürlich nichts. Das Gelände war zwar verhältnismäßig günstig, doch die Sanierung beinhaltet hohe Investitionen." Mittlerweile sind vier Hausmeister auf Vollzeit angestellt und pflegen die Anlage.

Thiedes Offenheit für neue Ideen zeigt auch ein Wildgehege, das sich im letzten Zipfel des Areals noch im Bau befindet. "An dieser Stelle werden alte Militärzäune zu Tiergehegen umfunktioniert, so dass die Zucht von Damwild möglich sein wird", erzählt der Projektleiter. Er könnte sich auch vorstellen, dass Sicherheitsfirmen ihre Mitarbeiter hier ausbilden. Er hätte noch eine Schießhalle zu vergeben, sagt Thiede.

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