Bützows Frauen-Zuchthaus am Schloss

Das Frauenzuchthaus am Bützower Schlossplatz. Hier saß Meta Kluge sieben Jahre unter mittelalterlichen Haftbedingungen ein. Buch und Lesung berichten über den Frauenstrafvollzug in der DDR.
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Das Frauenzuchthaus am Bützower Schlossplatz. Hier saß Meta Kluge sieben Jahre unter mittelalterlichen Haftbedingungen ein. Buch und Lesung berichten über den Frauenstrafvollzug in der DDR.

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01. Oktober 2009, 01:57 Uhr

Bützow | Sie hatte Nazi-Regime und Krieg überstanden und wurde 1950 erneut wegen der Ausübung ihres Glaubens verhaftet. Sechs Jahre saß Meta Kluge im Bützower Zuchthaus. Über 100 Frauen wurden dort in den 50er- und 60er-Jahren inhaftiert, weil sie Zeugen Jehovas waren, acht von ihnen starben. An ihre Schicksale wollen die Autoren Falk Bersch und Hans Hesse erinnern. Vor drei Jahren gaben sie ein Buch zum Thema heraus. "Wie ein dumpfer Traum, der die Seele schreckt" lautet der Titel. Kommende Woche veranstalten Bersch und Hesse eine Lesereise zum Buch. Eine von drei Stationen ist Bützow. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erinnerungen von Meta Kluge an ihre Haftzeit in Bützow.

Im Frauenzuchthaus auf dem Schlossplatz erlebte die bei ihrer Verhaftung 29-Jährige den DDR-Strafvollzug in seiner schlimmsten Form. Sie beschreibt mittelalterliche Haftbedingungen.

Meta Kluge brachte nach sieben Jahren Zuchthaus ihre Erinnerungen auf Papier. Sie verfasste während der Haftzeit bereits Liedtexte und Gedichte, "die sie und andere Insassen auswendig lernten, denn schreiben durften sie nicht", erzählt Falk Bersch. Diese lose Blattsammlung diente ihm und Co-Autor Hans Hesse als Vorlage für das Buch.

Hesse ist Historiker, der Einzelhändler Falk Bersch aus Gägelow bei Wismar selbst Zeuge Jehovas. Er befasst sich seit Jahren mit der Geschichte seiner Glaubensbrüder im Norden. Bei ihren Recherchen stießen die beiden Männer auf das Manuskript von Meta Kluge. Deren Enkeltochter bewahrt die Erinnerungen auf. "Sie kommt wahrscheinlich nächste Woche mit zur Lesung nach Bützow", erzählt Falk Bersch.

Meta Kluge hinterließ drei kleine Kinder, die im Krieg bereits den Vater verloren hatten, als sie 1950 verhaftet wurde. Als sie sieben Jahre später entlassen wurde, war ihre Familie zerbrochen. Meta Kluge floh in die Bundesrepublik, sie starb 2000 im Alter von 79 Jahren. Beide Autoren lernten sie nicht mehr kennen, bewahren aber ihre Geschichte auf. Beispielhaft für die 109 weiteren Zeuginnen Jehovas, die in den 50er- und 60er-Jahren im Bützower Zuchthaus saßen. Acht von ihnen starben während der Haftzeit. "Darunter auch die Bützowerin Hedwig Laß", erzählt Falk Bersch. 176 Männer, die Zeugen Jehovas waren, saßen in den frühen DDR-Jahren auf Dreibergen ein, sieben von ihnen starben aufgrund der schlechten Haftbedingungen. Falk Bersch hat weitere Schicksale rechcherchiert. So kamen zwischen 1964 und 1982 22 weitere Zeugen Jehovas ins Bützower Gefängnis, weil sie den Wehrdienst verweigerten. Über die Männerhaft der Zeugen Jehovas in Bützow erschien bereits 2004 ein Buch von Hans Hesse und Ewald Kaven. Titel: "Denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei…"

Während der Lesereise kommende Woche stellen Falk Bersch und Hans Hesse die Erinnerungen und Gedichte Meta Kluges vor, auch einige ihrer Liedtexte sollen, begleitet am Klavier, zu hören sein. Die Lese reise startet am Dienstag in Schwerin, macht Mittwoch Station in Bützow und am Donnerstag in Klütz.

Die Lesung am 7. Oktober in Bützow findet in der reformierten Kirche, Ellernbruch, statt. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

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