Bützows bester Rodelberg

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15. Februar 2010, 05:51 Uhr

Wolken | Sonntagmorgen in der "Darnow": Fast unberührt liegt das Waldstück zwischen Wolken und Oettelin da. Autoräder und Kufen-Spuren verraten jedoch, dass hier nach dem letzten Schneefall schon Menschen waren. "Lang ist her", sagt Fritz Hoßmann. Wo sich sonst "ganz Bützow" zum Rodeln traf, herrscht jetzt gähnende Leere. Nur drei Menschen ziehen ihre Schlitten den höchsten Berg in der Gegend herauf. "Als ich ein kleiner Junge war, kam ich jeden Nachmittag zum Schlittenfahren her", sagt Fritz Hoßmann. Bis in die 80er-Jahre hinein habe man sich in der "Darnow" zum Rodeln verabredet. "Dann wurden die Winter milder, reichte der Schnee nicht mehr aus", sagt der Bützower.

"Wir hatten hier immer einen Mordsspaß. Hier mussten einige Schlitten dran glauben", erzählt Fritz Hoßmann weiter. Vom Buchenberg aus ging es mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Tal. "Damals war das noch eine Landstraße. Damit nichts passiert, wurde das letzte Ende aufgeschüttet", erklärt der 66-Jährige. Spezialgebiet: So viele Schlitten wie möglich hintereinander knoten. "So wurde man noch schneller. Das war ein Gaudi, wenn wir alle umgekippt sind", sagt er.

Am schlimmsten fand es der Bützower, wenn er die ganze Fahrtstrecke mit dem Schlitten nach oben laufen musste, das auch noch in Trainingshosen. Bis zu den Knien nass und durchgefroren sei er immer nach Hause gekommen. "Ich war froh, wenn ich die nassen Sachen ausziehen konnte. Ab den Bahnschranken habe ich die Häuser gezählt, bis ich endlich zu Hause war."

Später stieg Fritz Hoßmann von Schlitten auf Ski um. Auf dem Eierberg, gleich neben dem Buchenberg, raste er später auf Brettern hinunter. "Die Bretter von Fässern wurden gebogen und die Füße mit Hosenträgern befestigt. Dann ging es den Berg hinunter. Da wollte sich jeder beweisen", erzählt er. Besonders die kleinen Schanzen auf dem Berg hätten so manchen zu Fall gebracht. "Wir sind alle irgendwie gelandet", sagt er lachend. Die ganz Heißen, die das Rodeln gar nicht erwarten konnten, seien auch bei ganz wenig Schnee die Piste hinunter gefahren. "Es lag nur ein bisschen Schnee. Die Strecke war mit Laub bedeckt. Durch das Rodeln wurde das Laub noch aufgewirbelt", sagt er.

In diesem Winter sind die Berge in der "Darnow" mal wieder ausreichend mit Schnee bedeckt. "Das ist ideal zum Rodeln hier", sagt Frank Müller. Gemeinsam mit Tochter Caroline und Marcel Bornier ist er hierher gekommen. "Auch ich habe hier einige Schlitten zersägt", erinnert sich Frank Müller. Marcel Bornier freue sich über den Schnee. "Rodeln macht Spaß. So können wir nochmal klein sein", sagt er und rodelt mit Fritz Hoßmann, Caroline und Frank Müller den Berg hinunter. Die Schlitten haben sie wie früher aneinander gebunden.

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