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Bützower Zeitung

17. Oktober 2017 | 08:03 Uhr

Bützow : Zwischen Knochenbohrer und Besteck

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Warum eine Auszubildende der Bundeswehr in Bützow mit Puppen spielt und ein Lebensretter zum Hobbykoch wird

von
erstellt am 03.Aug.2017 | 09:00 Uhr

Bützow Es herrscht relative Ruhe an diesem Vormittag in der DRK-Rettungswache Am Ausfall in Bützow. Einer der drei Stellplätze der Einsatzfahrzeuge ist verweist. Die Kollegen seien schon unterwegs, wurden zum Einsatz gerufen, sagt Christian Hartmann. Von Anspannung ist nichts zu spüren. Auch wenn in jedem Moment der Pieper am Hosengürtel Alarm auslösen könnte. So bleibt Zeit für eine Zigarettenpause. „An manchen Tagen passiert nichts und an manchen kommt man nicht einmal zum Essen“, erklärt Notfallsanitäter Hartmann.

Zum Mittag Frikadellen mit Pellkartoffeln Er und seine Mitstreiter  stehen immer auf Abruf bereit. Zumeist 24 Stunden am Stück. So lange dauert eine Schicht Die beginnt morgens um  5.30 Uhr.  „Bis in den Mittag hinein gibt es eigentlich immer etwas zu tun. Die Autos müssen gewaschen werden, oftmals auch mehrfach“, sagt Christian Hartmann. Schließlich hat Hygiene oberste Priorität.   Zudem gilt: Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz. Deshalb müssen auch immer wieder die Bestände an Medikamenten und Verbandsmaterial in den Einsatzfahrzeugen aufgefüllt werden.  Alles hat seinen genau festgeschriebenen Platz. Denn im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen. Da kann der Notfallsanitäter nicht noch lange suchen, wo etwas liegt. Deshalb sei die ständige Pflege der Einsatzfahrzeuge so wichtig. 

Ortswechsel: Auf  dem langen Tisch im Aufenthaltsraum türmen sich Schachteln und Dosen. Schließlich sind die Lebensretter hier 24 Stunden zusammen, müssen zwischendurch auch mal etwas essen. Jeder hat seinen ganz individuellen Speiseplan.

 Aus dem Radio klingt Musik. Es riecht nach Kaffee. „Hier wird sehr viel Kaffee getrunken“, verrät  Jörg Ahrens. Seit 25 Jahren ist er in der Rettungswache tätig. „Und die Arbeit macht immer noch Spaß“, sagt der Bützower. An diesem Tag ist er für das Mittagessen  verantwortlich.  Es gibt Frikadellen mit Pellkartoffeln und Gemüse. Einfache, schnelle Gerichte zu zaubern, dass ist hier die Kunst. Denn keiner weiß, ob nicht im nächsten Moment ganz andere Qualitäten gefragt sind, nämlich die des Lebensretter.

Für die haben sich in diesem Jahr die Bedingungen erheblich verbessert. Beim Tornado vor zwei Jahren wurde auch die Rettungswache erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Der DRK-Kreisverband Güstrow  hatte sich deshalb entschieden, das Gebäude mit den Garagen komplett neu aufzubauen. Für rund 400 000 Euro (SVZ berichte). Vorher waren die Bedingungen  nicht mehr ideal, den die Rettungswache gibt es an diesem Standort schon seit 1953.  In den Garagen mussten zum Beispiel Heizungen abgebaut werden, weil sonst die Rettungswagen nicht mehr hineingepasst hätten. Denn die Autos sind mit den Jahren immer größer, länger  und moderner geworden.

Berufsnachwuchs in

Bützow gut aufgehoben Nun ist in dem Gebäude alles modernen, heller und freundlicher. Auch gibt es jetzt einen  Schulungsraum. Der ist wichtig. „Bützow ist schließlich auch Ausbildungs-Rettungswache“, sagt Karin Rhein, seit 1994 Leiterin der Wache Am Ausfall. 

Inken Schöneck zum Beispiel absolviert gerade ein Praktikum in Bützow. Eigentlich ist sie Angestellte der Bundeswehr, wird dort zum Notfallsanitäter ausgebildet, ist mittlerweile im dritten Lehrjahr. Doch das Praktische erlernt sie hier in Bützow. Die Zeit zwischen den Einsätzen nutzt sie, zum lernen. Sie übt gerade das Intubieren an einer Puppe. „Vorbereitung auf die Prüfung“, sagt Christian Hartmann und schaut ihr  über die Schulter.

Eine Behandlung nicht

für schwache Nerven„Jetzt kommt der Knochenbohrer“, erklärt Hartmann und öffnet eine Schublade. Darin: Modelle von Knochen, bezogen mit einer gummiartigen Schaumstoffschicht. „Sie simulier Haut und Fleisch“, erklärt der Notfallsanitäter. Die Behandlung ist sehr kurz. Eine Umdrehung und der Zugang direkt ins Mark ist gelegt. „Dann werden die Medikamente in die Knochen gespritzt. Das ist sehr schmerzhaft“, so Hartmann. Deshalb  werde diese Methode   auch nur bei bewusstlosen Patienten angewendet. Aber sie sei wichtig, wenn ein Zugang über eine Vene nicht möglich ist. 

Das dritte Einsatzfahrzeug rollt wieder auf den Hof. Eine Krankenfahrt jagte die nächste, erzählen die Kollegen.  Mittlerweile sind die Kartoffeln und das Gemüse gar. Der Tisch ist gedeckt. Alle  hoffen, dass es ruhig bleibt für diese wenigen Minuten. Doch  wenn nicht, dann sind sie bereit ...

 

 

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